Georgine Hinrichs to Max and Marie Hinrichs, May 7, 1914: #2
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Als sie zurück vom Manöver gekommen hatte Max einige Tage Urlaub genommen Leider bekam er hier starke Mandelentzündung mit hoher Fiebertemperatur. Sein Urlaub mußte verlängert werden und geht es ihm jetzt ziemlich gut und wird er morgen reisen, denn sein Urlaub ist morgen Abend abgelaufen. Er ist aber in Munster sehr mager geworden. Denn sie haben sehr schweren Dienst dort gehabt. Er war so von der Sonne verbrannt, er sah wie ein Neger aus. Hände waren von den Strauch werk welches sie hatten durchbrechen müssen geschunden.
Warum werden die Soldaten nur so gedrillt, wenn sie wirklich mal vor den Feind müssen und müssen dann bei den Hottentotten die Büsche durchbrechen ist es ja auch immer früh genug.
Die Seebataillon ist ja für die Marine die Infanterie, die Gott weiß wo an Land gesetzt werden um für die deutsche Ehre zu kämpfen.
Maria war die Ostertage auch hier, ihr Vater
wollte sie gern noch mal sehen, weil sie
ja am ersten April Juni eine Stelle bei Kunden
in Dänemark angenommen hat.
Wenn Max vom Militär frei ist, wird er auch ins Ausland gehen, d. h. wenn er eine passende Stelle bekommen kann.
So gehen die Kinder alle auseinander, es ist ja einmal der Welt Lauf so.
Mir geht es ja auch ganz gut.
Vom Jeverlande habe lange nichts gehört. Tante Clementine geht es aber schon seit längerer Zeit nicht besonders, hoffentlich wird es im Laufe des Sommers besser.
Wir haben Ende, auch Mitte April, sehr schöne Tage gehabt, aber der Mai ist kalt und nass angefangen. Wenn der Landmann auch Regen gebrauchen konnte, so ist dies tägliche Regenwetter wahrlich nicht schön.
Aber Hamburg ist als Regenstadt bekannt. Nun meine Lieben für heute Abend gute Nacht. Seit herzlich gegrüßt auch Mutter die Kinder und auch Walther.
In treuer Liebe Eure Mutter Georgine Hinrichs
[margin:] Familie Röhrs sendet herzliche Grüße [/margin]