Alma Röhrs to Max Hinrichs, December 18, 1919: #5
Original title: HinMax_0009_0005.jpg
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Weise noch viel trauriger als früher. Während des Krieges gab es einfach nichts zu kaufen. Nun kannst Du alles kaufen, aber das Geld fehlt dazu. Ein Hemd zum Beispiel kostet beinah 100. - Wäre das Einkommen mit den Ausgaben gestiegen, schadet es ja weiter nichts. Es ist es aber leider nicht. Hugo verdient fast nicht mehr als früher im Frieden. Das Leben, und das aller= einfachste Leben, ist fünf bis zehn Mal teurer geworden. Es ist eine schlechte Rechnung. Wir setzen deshalb immer zu. Wie es enden soll, weiß ich nicht. Die Hansa bezahlte uns eine kurze Zeit etwas mehr. Jetzt hat sie schon lange das Gehalt am [?] gekürzt: Wir können dabei noch dank= bar sein, daß es uns so geht; tausenden geht es hier noch viel schlechter. Es ist ein wirkliches Elend hier und man weiß nicht, wie und wann es besser werden soll.
Max seinen Brief hast Du wohl erhalten. Vielleicht
erfüllst Du ihm seine Bitte. Wie er auf solchen
Gedanken gekommen ist, weiß ich nicht. Ich meine
aber, seine Idee ist besser, als wenn wir auf an
dere Weise bei Dir in Schulden kommen. Die
Summe, die Du Max leihen sollst, bleibt Dir,
er will nur das Geld haben, was der Dollar mehr
wert ist. Vielleicht hast Du etwas Geld für ihn über
zu leihen. Max hofft darauf. Ich kann nichts
dazu sagen. Zu kurz kämst Du wohl nicht.
Die Pakete, von denen Du schreibst, sind bis
jetzt nicht angekommen. Hoffentlich sind sie
nicht verloren gegangen. Es wäre recht schade. Wir
können alles so prachtvoll gebrauchen. Jetzt habe
ich kein Lot Fett im Hause. Ihr könnt Euch
so etwas wohl nicht vorstellen. Sonnabend gibt es
wieder für teures Geld etwas Margarine nicht viel
besser als Wagenschmiere. Zu Weihnachten soll