Notes for Clementine Bardewick to Max Hinrichs, March 30, 1920: #2
Original title: HinMax_0010_0002.jpg
HTML
viel kränklich, da wäre Tante nicht so gut aufgehoben wie im Stift u. ist es besser sie bleibt da. Ihre Augen werden immer schlechter, der Arzt sagt: "Sie würde ganz blind wer= den." Da wünsche ich oft, so lieb sie mir ist u. so schwer mir die Tren= nung würde, sie schliefe vorher ein dann hätte alles Leid ein Ende - Mutter war immer so frisch und gesund, sie kam jeden Sommer 4 Wochen zu mir, ich habe nie gedacht, daß sie vor Tante Maria sterben wür= de. Wenn Mutter bei mir war ha= ben wir oft u. viel von Dir gespro= chen, wir sagten, könnten wir Dich nur mal eben besuchen, wie schön ist es wohl auf Deiner Besitzung, wir hätten Deine liebe Frau u. Kinder auch gerne mal kennen lernen aber die Reise ist zu weit u. wir waren zu alt. Ich bin im März 70 Jahre
geworden. Meinen Kindern August
u. Georg, gehts gut. Was man in der
jetzigen schweren Zeit gut nennen
kann. Sie haben beide gedient waren
in Frankreich, August wurde verwun=
det ein Schuß durch den linken Arm, ist
aber ganz wieder gut geworden.
August hat ein Juwelier Geschäft in
Emden hat eine 4 jährige Tochter das
2te Kind wird erwartet, das Geschäft
geht gut, während des Krieges führte
seine Frau das Geschäft. Georg wohnt
hier in Oldenburg hat kein eigenes
Geschäft, ist schon lange Jahre in
einem en gro Geschäft, er hat zwei
Kinder, der älteste Junge ist 13 Jah=
re u. der 2te 8 Jahre. Beide Jun=
gens sind sehr groß aber mager,
sie bekommen nicht ihr Recht wie
sies haben müßten. Es sind hier zu
traurige, schlechte Zeiten, Milch kann
man nicht bekommen, Butter giebts
1/2 @ in 12 Tagen, augenblicklich giebts