Notes for Clementine Bardewick to Max Hinrichs, March 30, 1920: #3
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in 2 Monaten keine, nur Marga= rine, Fleisch giebts 200 Gr. wöchentlich augenblicklich giebt es nur Sülzfleisch. Ich denke noch oft an die früheren schönen Zeiten wie wir alles reichlich hatten, aber damals haben wir es nicht eingesehen, wie gut wirs hatten wir glaubten es müßte so sein. Anzüge für Herrn kommen bis zu tausend Mark u. noch darüber, Fußzeug gans entsetzlich teuer, ich mag gar nicht in ein Geschäft gehen u. nach den Prei= sen fragen. Ein Ei kostet 1,70 hat auch schon 2 Mark gekostet. Was ist aus unserm schönen Deutschland geworden, man darf garnicht darüber nachdenken. Jetzt sind überall die Unruhen, im Ruhrgebiet geht es schrecklich her, da kämpfen sie auch in Berlin es kommen jeden Tag so viele Tote u. Verwundete, es ist der reine Bruderkrieg. Ich wünsche nur daß es hier ruhig bleibt, sonst ist
man seines Lebens nicht sicher, ich war dem lieben Gott so dankbar, daß meine beiden Söhne
[page 2:] lebend aus dem Krieg zurück kamen u. wenn jetzt im eigenen Vaterlande das Schlachten wieder losgeht, ist nicht auszudenken. Nun lebe wohl lieber Max grüße Deine liebe, gute, Frau u. Kinder
Tante Maria schickt Dir u. Deiner lieben Frau auch tausend Grüße
August war Sonntag hier, er u. Georg schicken Dir auch viele Grüße. [/page 2]
[page 1:] Hast Du Lust schreibe mal wieder, wie es Euch u. den Kin= dern geht, ich interessiere mich sehr dafür. Sei herzlich ge= grüßt von Tante Clementine[/page 1]