HTML

Zeit ist, statt daß es besser wird, wird es immer schlimmer. Es herrscht hier auch solche Wohnungsnoth, es sind noch viele Familien die zu Mai kein Unterkommen haben, wer eine Woh= nung hat behält sie, der Hausei= genthümer kann den Miether nicht los werden, jetzt geht eine Kommis= sion herum um die Wohnräume zu besichtigen, ob Jemand zu viel Raum beansprucht, dann muß er noch was abgeben. Ich habe eine kleine nette Wohnung, wohne hier 12 Jahre, fürchte aber wenn sie bei mir kommen u. nachsehen, daß ich noch Räume abgeben muß. Daß kann unter Umständen sehr lästig werden. Trotz der Teuerung u. Lebensmittelknapheit heirathen die Leute als wenn es Notsachen sind, für junge Leute ist nicht mal das Brod ausreichend 4@ die Woche, ich habe genug aber wer jung ist und


ordentlich Apetit hat, kommt nicht damit aus. Das Brod wird auch immer schlechter, was da wohl alles mit hinein gebacken wird. Diesen Winter gab es so wenig Weisbrod, ich bin oft vergebenst zum Bäcker gegangen. Um 8 Uhr morgens fing der Verkauf an, um 1/2 8 standen wir schon in der Kälte vor der Thür, dann wenn aufgeschlossen ging das Gedran= ge los, da bekam nur die Hälfte was, dann hieß es "Ausverkauft" u wir mußten Schwarzbrod nehmen. Jetzt liegen die Schaufenster voll Weisbrod, das heißt es wird so ge= nannt, es ist so schlecht ganz grau, kein Mensch will es haben, wir müssen es aber kaufen, sonst giebt es kein Schwarzbrod. So et= was kannten wir doch früher nicht ich denke noch oft an das schöne Weiß u. Graubrod u. den feinen Kloben den wir zum Fest backten, daran ist jetzt nicht zu denken