Clementine Bardewick to Max Hinrichs, April 29, 1920: #3
Original title: HinMax_0012_0003.jpg
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es giebt kein Mehl. Ich freue mich, daß mein lieber Mann diese elende Zeit nicht mit erlebte, der hätte sich schwer hinein gefunden. Gestohlen wird hier sehr viel, es erscheint keine Zeitung wo nicht darüber berichtet wird, nament= lich bei den Bauern, Hühner u. Speck sogar das Vieh von der Weide, die Schweine aus dem Stall, es ist ganz schlimm. Vor einigen Nächten haben sie einem Bauern ein schönes Rind auf der Weide geschlachtet, die bei= den Keulen mit genommen u. das andere Fleisch u. Fell liegen lassen, sie haben wohl so viel nicht tragen können. Früher konnte man noch mal Wäsche draußen hängen lassen, aber das darf man schon lange nicht mehr. Im Anfang des Krieges haben sie Georg 3 schöne Jä= gerhemden gestohlen, wir hatten sie Abends spät noch draußen, jetzt passen wir besser auf, die Sachen
sind ja nicht wieder zu bekommen, ganz enorm teuer, u. schlechte Kriegswaaren
[page 2:]Nun lebe wohl mein lieber Max schreibe mir auch mal wieder. Maria läßt Euch alle herzlich grüßen.
Sei Du u. Deine liebe Frau herzlich gegrüßt von Tante Clementine.[/page 2]
[page 1:]Wie gehts Deinen Kindern?[/page 1]