Collection: Eugen Klee Papers (HSP)
Author: Magdalena Bitz (Cherdron)
Recipient: Eugen Klee
Description: Letter from Magdalena (“Lenchen”) Cherdron to Eugen Klee, February 25, 1904. “Lenchen” Cherdron was the first cousin of Eugen Klee.
Original text
Otterberg den 25ten Februar 1904
Mein lieber Cousin Eugen!
Jetzt erst, wo ich Dir wieder gute Nachricht geben kann, und wieder alles im alten Geleise ist, will ich Deine lieben, lang ersehnten Brief beantworten. Bei Lenchen kam nämlich am 14-ten Dezember ein kleiner Junge an, ich vergaß Dir Dieses bevorstehende Ereignis in meinem letzten Briefe zu melden. Lenchen war in den ersten Tagen ganz wohl und munter. Doch wurde leider am vierten Tage unser aller Liebling, klein Mathildchen krank, worüber sich Lenchen so sehr aufregte, daß heftiges
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Fieber eintrat, und sie selbst schwer krank wurde, so daß der Arzt oft täglich drei mal kam, & das Schlimmste befürchtete. Den eifrigen Bemühungen desselben gelang es jedoch, beide Lieben zu retten, obwohl die Genesung bei der kalten Jahreszeit nur langsam vor sich schritt, sind sie doch beide jetzt wieder ganz munter, so daß Lenchen wieder im Geschäft, sowie seinen häuslichen Pflichten nach= kommen kann. Der kleine Junge ist ein prächtiges Kerlchen.
Du wirst Dich wundern über die kleinen Vettern & klein Bäschen, wie die neue Generation so recht heran wächst, & wie sie so lieb & herzig sind.
Habe herzlichen Dank für Deinen lieben großen Brief & Dein Versprechen uns dieses Jahr besuchen zu wollen. Wir halten Dich beim Wort, &
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freuen uns jetzt schon alle auf Dein Kommen. Richte Dich nur auf lange Zeit bei uns zu bleiben, denn wir lassen Dich sobald nicht wieder fort, wir werden gewiß alles aufbieten, um Dir Deinen Aufent= halt hier, lieb und angenehm zu machen. Das wäre mir schön, wenn Du hier in einem Hotel Quartier nehmen wolltest, wo Du doch weißt, wie lieb wir Dich alle haben, und daß Du in keiner Weise genierst, bewohnen wir doch das ganze Haus, also Raum genug, um mehrere liebe Gäste auf= nehmen zu können. Meinst Du vielleicht Du könntest mir Angst machen, weil Dir Deine liebe Mutter den bekannten Kosenamen: M. beigelegt hatte, da irrst Du sehr für was gibt es denn hier die guten Vaterlandsvertheidiger & vierbeinige
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Borstenthierchen, glaube nur, es ist für alle Fälle gesorgt. Du brauchst auch keine Angst zu haben, daß es Dir ergeht wie dem Grafen Zech, als er letzten Herbst bei uns im Quartier war & der kleine, kaum acht Tage alte Junge, einige Nächte schrie [insertion:] als wenn er es bezahlt bekäme [/insertion], er ist jetzt ganz manierlich & kann schon einige Kunststückchen. Daß Du von Deiner Reise wohlbehalten, und in jeder Art befriedigt in der neuen Welt wieder amkamst, hat mich sehr gefreut, wie viele schöne Er= innerungen & Eindrücke, wirst Du mit hinüber genommen haben. Ja wundervoll, ist Gottes schöne Erde! Du gedachtest in so lieben warmen Worten, Deines lieben guten Mütterchens, wie thut mir dieses so wohl, gibt es mir doch den Beweis, daß Du Dir in der Fremde Dein treues gutes Herz
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bewahrt hast. Die liebe Verstorbene hat aber auch ein treues Gedenken verdient, ging doch ihr ganzes Sein nur auf, in der Liebe & Sorge für ihre Kinder. Mein lieber hoch verehr= ter Vater sagte oft: Es ist eine liebe treue Seele! Er hielt Dein liebes Mütterchen sehr hoch!
Leider ruhen so viele unsrer Lieben im Grab, im ewigen Schlaf, doch ihre Liebe reicht über das Grab hinaus, und ihr Andenken bleibt uns heilig. Nun, hast Du Dich immer noch nicht unter den Töchtern des Landes um= gesehen? Für Deinen, durch den Umgang nobler Amerikanerinnen verfeinerten Geschmack, wüßte ich Dir wirklich kein passendes Mädchen, ich halte keine, gut & schön genug für Dich. Philipp Kirchner ist schon mit seiner Cousine Mienchen vermählt, die Hochzeit
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wurde selbst auch hier von den Familien Kirchner & Anhang ge= feiert. Der junge Ehemann soll einen solch überschwenglichen Brief über sein Glück hierher geschrieben haben, wie noch keiner soll gelesen worden sein. Ich kann dieses nicht verstehen, ein Mädchen welches fast noch einmal so alt ist wie der Mann, das ist doch widernatürlich!
[?] Goldockel [/?] soll jetzt auch bald kommen sie warten schon einige Tage darauf es sei wohl nur die große Kälte schuld die [insertion:] in [/insertion] Amerika herrsche. Ist es wirklich so kalt drüben? Hoffent= lich hast Du nicht darunter zu leiden? Hier hatten wir einen gelinden Winter, nur jetzt, wo man bald Märzveilchen zu [?] hoffte [/?], fängt es an zu frieren & zu schneien. Hast Du keinen Bekannten oder Freund bei dem furchtbaren Theaterbrand verloren?
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Soeben erhielten wir die Verlobung lobungskarte von Karl Graf mit einem Frl Schick vom Heddarter Hof (bei Odernheim). Ist noch ein junger Bräutigam. Philipp [?] Nettig [/?] hat sich ebenfalls verlobt (wäre bald ein alter Knabe geworden) mit Frl Hedwig Kraus ([?] Bauere [/?] Kraus) & Frl Linchen Kraus (Tochter v. Jakob Kraus, mit einem (Marine) Torpedo= Maschinist, & kommt nach Wilhelms= hafen zu wohnen. An Gastlichkeit haben wir aber hier [?] Knecht, Masem, [/?] & hier [?] Marjen [/?], [?] Kfr. [/?] Rapp. Sind Dir diese Herrn vielleicht von früher bekannt? Heute haben wir nun schon den 2.ten März & immer meine ich, ich hätte Dir noch etwas mit= zutheilen, etwas was Dir Freude machen müßte. Ist Dir wohl in den letzten 14 Tagen etwas freudiges oder unangenehmes begegnet? ich glaube nämlich an Ahnungen
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denn ich beschäftige mich im Geiste fortwährend mit Dir. Am Ende gar eine Verlobung das wäre ein freudiges Ereignis Dann müßtest Du uns Dein Bräutchen baldigst zuführen. Nun will ich meine Epistel schließen, sonst stelle ich Deine Geduld & kostbare Zeit auf eine harte Probe.
Hoffentlich hast Du den kalten Winter bei Euch gut überdauert & bist noch wohl & munter, was wir eben auch sind.
Und nun lebe wohl, & auf frohes, baldiges Wiedersehen!
Im Namen all' meiner Lieben sendet Dir süße Heimathsgrüße Deine treue Cousine Lenchen
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Soeben kam Goldockel hier an 2ter März Abd.
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Letter metadata








