Collection: Grupe Family Letters
Author: Gustave Grupe
Recipient: Marie Kreplin (Grupe)
Description: Letter from Gustave Grupe to his aunt, Marie Grupe, November 16, 1904.
Original text
Hamburg Fuhlsbüttelerstrasse N. 599.
16. 11. 1904.
Meine liebe Tante!
Vor einigen Wochen bekam ich einen Brief von dir durch Miss Hommer. Diese wußte uns so viel angenehmes von dir zu erzählen, auch von Amalie und deren Familie, daß wir dadurch einen schönen Abend verlebten. Ich freue mich jedesmal, wenn du ein Lebenszeichen uns sendest. Wir sind alle wohl und munter. Auf meinem neuen Wohnsitz glaubte ich mich zum Landmann auszubilden, allein bis jetzt bin ich noch nicht dazu gekommen. Trotzdem ich noch nicht ganz 60 alt bin, so habe ich doch auch schon manches beschafft, weit über
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200 Häuser gebaut. Hier wollte ich mir gute Luft schnappen und kohl u. s. w. bauen, aber es ging nicht. Die alte Mauerkelle hat für mich stärkere Anziehungskraft als der Gemüsebau, und so bleibt es beim alten, ich bilde immer wieder neue Häuser.
Wie es dir geht, liebe Tante, danach brauche ich wohl nicht lange zu fragen. Auf einem Moment Bild wo du mit darauf bist, wurde uns vorgelegt. Eine gewiße aufrechte stramme Haltung erspart viel unnützes Fragen. Ich möchte dich vergleichen mit einem Eichbaum. Den Stürmen
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welche er seit etwa 80 Jahren ertrug konnte seinen Scheitel nicht viel anhaben. Kni(c)kte er auch einige Glieder, im Laufe der vielen Jahre. Der Stamm selbst erscheint noch immer in seiner vollen knorrigen Widerstandskraft, ungebrochen, einige etwaige Schrammen nun die zählen ja nicht es handelt sich ja nicht um eine sorgsam gepflegte Treibhauspflanze, welche spätere Schicksalstürme um so weniger ausgehalten hätte. – Bleibe noch lange so, wie auf dem Bilde, zur Freude deiner vielen Angehörigen, zur allerletzt auch um meinetwegen, als eine letzte liebe
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Verwandte der alten Generation. Jeder deiner Briefe macht mir auch insofern viele Freude, als er längst verschwundene Kinderjahre wieder zurück ruft. Ueber 50 Jahre kann ich doch denken, und da erinnere ich denn, wenn es hieß, es ist ein Brief da von Onkel und Tante aus America, welch freudige Aufregung ganz besonders von Seiten meines guten Vaters, der uns 3 Knaben mit Einzelheiten näher bekannt macht. O glückliche, längst vergangene Zeit. Also, noch einmal, halte alles fern Tante, was deine Gesundheit machtheilig beeinflußen könnte und sei herzlich gegrüßt von deinen treuen Enkel Gustav Gruppe u. Frau.
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