Collection: Crede Family Papers
Author: Albert Harnickel
Recipient: John Classen
Description: Letter from Albert Harnickel to John Classen, November 29, 1853. Harnickel was a relative of Heinrich Carl Crede, whose wife Clothilde Crede was John Classen's stepdaughter.
Original text
[roman:] New York, 29 Nov. 1853 [/roman]
Sehr vererther Herr [roman:] Classen [/roman] !
Ich sandte Ihrem Onkel Hermann vor einigen Tagen Einen Brief, worin ich einen Brief, den ich von seinen Vater erhalten in Abschrift beifügte. Am folgenden Tage, nachdem ich besagten Brief abgesendet, ward mir Ihre leider betrübende Zuschrift, für die ich Ihnen sehr dankbar bin.
Es ist sehr bedauerlich daß die beiden jungen Leute schon so früh von Fieber angefallen worden sind, doch ist es am Ende besser, denn wie ich höre, bekommt man es nur einmal, + und so werden sie es ja auch hoffentlich bald überstanden haben. Ich kann mir denken, was ein Übelstand es für Sie gewesen sein muß, anstatt zweier tüchtigen Hände, zwei kranke, das Klima ungewöhnte Bursche zu haben._ Wenn auch ich nicht viel Vertrauen in manche hießige Ärtzte setzte, besonders was die schwierigeren Krankheiten angeht, so sollte ich doch denken, daß Sie selbst Ihre Ärtzte kennen würden, + auch, daß diese alle die
so gewöhnliche Krankheit, das Fieber, auf die rechte Art zu behandeln wüßten._ Mancher europäische Artzt + Professor würde da Fehler machen, wo die Erfahrung eigentlich die Hauptsache ist. Da ich zu meinem Befremden sehe, daß Sie noch keinen Brief von [roman:] Cassel [/roman] erhalten haben, so schicke ich das Original des Briefes Ihres Schwiegersohnes zum Troste ein, denn nach so langer Zeit wird seinen Söhnen auch seine Schrift zu sehen lieb sein. Ermuntern Sie [roman:] Hermann + Wilhelm [/roman], auszuharren, + grüßen Sie die ganze Familie herzlich von Ihrem Ergebensten [roman:] Albert Harnickell [/roman]
Beifolgend etwas zum Lachen für die Jungen.
Sie müssen stets mein Schreiben entschuldigen, da ich an sehr rasches Schreiben gewöhnt bin, + kaum mehr langsam schreiben kann.
Mit dem letzten [roman:] Steamer [/roman] erhielt mein Onkel einen Brief von seinem Schwiegervater, worin dieser unter anderem schreibt: Ganz [roman:] Cassel [/roman] ist in Aufregung über eine famose Geschichte die sich am [roman:] St. Hubertustage [/roman] zugetragen hat. - Auf der großen Lage des Hofes kommen Hassenpflug u. der Graf Ysenburg Wächtersbach ziemlich hart an einander + ersteren sollen bei dieser Gelegenheit gewisse Äußerungen entschlüpft sein, die ein Herr v. [roman:] Bammbach [/roman] hörte, + nichts gutes ahnend Hassenpflug ein [illegible] Briefchen schrieb. Dieser war schon ins [roman:] Theater [/roman] gegangen + der Diener folgte ihm dahin + gab es ihm auf der Treppe auf der er herunter kam_ H. streckte es ohne zu lesen in die Tasche, denn Graf W. hatte ihn heraus rufen lassen, ging mit ihm die Treppe herunter auf den Friedrichsplatz. An der Äpfelbude nahm ihn der Graf vor + verlangte Erklärung wegen den Äußerungen + das in ziemlich scharfer Weise_ H. verweigerte dies + darauf nahm Graf W. von einem [strikethrough] Diener, den er sich hatte folgen lassen den für die Gelegenheit [illegible] schon auf der Lage geschnittenen Stock u. fing an den H. jämmerlich zu bearbeiten, so daß dieser wie toll um Hülfe schrie_ Leute kommen herbei u. wollen einschreiten_ da sagt Graf W. "Ich bin Graf Ysenburg W.; u. den ich haue ist der Minister Hassenschlag _" worauf er ungestört fortfuhr den H. zu [strikethrough] hauen bis der Stock entzwei ging _ worauf er ihn blutend stehen ließ + den anderen Morgen via extra Zug mit Familie nach Erfurt ab-
reißte. Ein allgemeiner Gaudium herrscht in Cassel._ Anderen Morgens empfängt H. vom F. W. I einen Brief, folgenden Inhalts, Mein lieber Minister H!
Ich habe gehört daß Sie in dem mich so betrübenden Vorfall selbst Schritte nehmen wollen, da jedoch jetzt die Sache in den Händen der Behörden ist, so bitte ich Sie, da ich Ihrer wertvollen Dienste noch länger bedarf, sich nicht die Zeit damit zu rauben. Empfangen Sie die Versicherung, daß sich Ihnen Genugthuung werde wiederfahren laßen. Mit der höchsten Achtung + Freundschaft
Friedr. Wilh. !
Die Geschichte ist auch in den bedeutenden Zeitungen Englands + Americas zu lesen, ist Sie nicht glorreich?
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