Collection: Johann Georg Holl Family Letters
Author: Johann Holl
Recipient: Johann Georg Holl
Description: Letter from Johann Holl to his son, Georg Holl, April 16, 1871.
Original text
1871.4.16 Fam.
Oberpreuschwitz den 16 April 1871.
Unvergeßlicher Sohn und Bruder!
Tiefrührend und mit geneigter Liebe zu Dir angreifen wir die Feder an dich zu schreiben. Ewigstgeliebter sohn und bruder Deinen werther Brief erhielten wir am 2ten Januar, welcher uns sehr erfreute indem wir gesehen haben daß dein Fuß wieder geheilt ist, worüber wir sehr bekümmert waren, wie du auch bemerkt hast war es eine schlimme Wunde und fragen Dich deßhalb ob es dich im gehen nicht findest.
O geliebter Sohn und Bruder du wirst freilich manchmal dich von uns für vergessen gehalten haben, daß du so lange wieder keine Antwort bekomst aber geneiß nicht; obwohl wir mit größter Bereitswilligkeit um dich geschrieben sölten, so wollten wir doch zuerst Nachricht von Bruder Johann erwarten, über trotz allem Nachforschen können wir nicht erfahren von Ihm. Von Johann Arneth waren wir belogen und ließen deshalb an sein Regiment schreiben, welches uns benachrichtigt er wäre um 2ten Dezember bei Loigny verwundet worden, wo er im Aufnahmfeldspital verbracht wurden und von da ist nach keine weiteren Nachtrich eingelaugen. Werthgeschürtzter Sohn und Bruder du hast auch bemerkt wir sollen Ihn fragen ob Er Deinen Brief bekommen hast, aber wir konnten Ihn seit dieser Zit nicht mehr schriben und um 11ten November erhielten wir seinen letzten Brief, wo er geschrieben hat, am 18ten Oktober mußte er Orleans verlassen und fünf tage auf Vorposten sein ungefähr 4 bis 5 Nunden drübar draußen und um 32sten Oktober ist er wider
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zurückgekommen, aber wieder 1-1/2 Nunde über die Nacht hinaus. Er bemerkte auch von einer baldiger Rückkehr weiß er nicht aller Aussicht auch werden sie sich im Frankreich ___ und leider er habe keine Handschuh, weshalb wir Ihm am 16ten November ein paar Handschuh nebst einen Breif und das Podret von Dir fortschickten, (dann er grüßte Dich herzlich und wünschte eine Photographie von Dir) ob er es bekommen hat wissen wir auch nicht.
Innigstgeliebter Sohn und Bruder von allen bekannten Soldaten ist keinen nichts pasirt als Konrad Holl von Oberweiz ist um 1sten Dezember verwundet werden, von welchen seine Eltern seit diese Zeit auch nichts erfahren können und Heinrich Löhmer von Heinersreuth ist am 21en Dezember gefallen in _____. O teuerster Sohn und Bruder, obwohl wir jetzt wieder sagen können. Gott Lob nun ist erschallen das endle Fried und Freudenwort, daß nun mehr rufen sollen die Spieß und Schwerter und ihr Mord, so ist doch in unsere Herzen kein Fried noch Freud von Kummer über unsere geliebten Sohn und Bruder und kömmen und nicht zufrieden geben bis wir eine Nachricht von Ihm erhalten wie es mit Ihm steht, wir halten deshalb schon betrübten Weihnachten gefeiert und jetzt über auch betrübte Ostern gehalten, denn wie länger man hofft deßdo muthloser wird man. Naunstes wollen wir Dir benachrichtigen: Johann Taufelder von Forst soll auch ausgewandert sein nach Amerika, bevor er seine ganze Hausmobieliar nebst Futter und Vieh verkaufte und erließ Frau und Kinder und ist durchgebrannt und am 22 Februar starb der kleinen
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Konrad seine Path, welche er selber mit ins Grabbeglastete und 8 Tage vorher starb Georg Roß sein einziges Töchterlein, um 25 Februar gebar Georg Hermannsdörfer seine Katherine ihrer zweiter Sohn todt und am 18ten März ist die auch mit Todt abgegangen und wurde in Eckersdorf begraben, denn sie starb bei Anna Küfner in Oberpreuschwitz, welcher ihr Mann Nikolaus Küfner auch in Dieser Winter gestorben ist. Vielgeliebten Sohn und Bruder wir solten einen kalten Winter uns wiel Schnen bis zu den Monat März, welcher sehr schön war und haben in diesem Monat 9 Metzen gesät, uber der April stürmt immer winder. Der große Bruder Adam ist zum Arbeiten nicht mehr zu Haus, dann er hat selber Vieh wo er mit zu thun hat, allein schlafen und essen thut er noch bei uns, dem Baas Anna will ihm sein Haushalten nicht führen. Da komt nun frülich viel Arbeit an Vater wo sie Ihm manhchmal zu schwer wird und sagt öfter, wann ich an meine Buben denke wie sie mir die Arbeit erleichterden, so kan ich meinen Grünen nicht wiederstehen auch hat die Mutter immer zu klagen über Kopfweh. Der kleinen Konrad ist immer wohlauf er muß den Vater alle Tag wehnen und redet auch viel von Dir, denn keins wolltest Du bei deiner Abreise mit haben als wir Ihm und Niemand kann Ihm die Haare mehr so schön schneiden wie der kleine Hans.
Wir schliesen unser Schreiben unter vieles Grüßen an dich einigstgeliebter Sohn und Bruder und an Johann Schmidt und seine Frau und hoffen daß es dich bei bester Gesundheit und größter Freud antreffe besser als
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es uns verläßt. Noch viele Grüße an Dich von Schmidt, Linhardt, Baas Anna und Georg Jost.
Indes lebe wohl behalte lieb
Deine
Dichliebenden Eltern und Geschwister
Nicht immer kann die Sonne scheinen
Auf Sturm und Regen braucht die Saat
Nicht immer Glück auch Schmerz und weinen
Und weißlich Gott beschieden hat.
Letter metadata




