Collection: Crede Family Papers
Author: Therese Crede (Winhold)
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Therese “Rosel” Crede Winhold to her brother, Hermann Crede, October 4, 1887.
Original text
[roman:] Cassel [/roman] den 4./ 10. 1887.
Mein innig geliebter [roman:] Hermann! [/roman] Deinen l. Brief vom 16/7 haben wir erhalten & danken wir Dir recht herzlich dafür, wir haben uns sehr gefreut, daß Ihr Lieben noch alle wohl & munter seid. — Bei uns hat es die ganze Zeit recht traurig gegangen, die arme, gute [roman:] Mama [/roman] ist den ganzen Sommer recht krank gewesen, zu [strikethrough] d [/strikethrough] all den vielen Weh, was die Arme schon hatte, hat sie seid 5 Monaten Margenkatahr bekommen & kann & darf nichts als flüßige Sachen genießen. Seid 3 Wochen hat sie nun auch noch Leberleiden, sie war sehr krank, jetzt ist es wieder etwas besser, Du hast keine Idee
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Idee, was die arme [roman:] Mama [/roman] leiden muß. Und was ich aushalte daß weiß Gott, wenn man Jemand so entsetzlich leiden sieht, den man so von Herzen liebt & nicht helfen kann, das ist schauerig ich kann sie nicht mehr ansehen ohne zu weinen & darf doch nicht, mag sich der allgütige Gott erbarmen & ihr die vielen Schmerzen nehmen, es ist ja zu schrecklich. Alle Last will ich gern & geduldig tragen, wenn die arme [roman:] Mama [/roman] nur nicht zu viel Weh aushalten muß & der liebe Gott sie mir nur ein paar Jahre noch läßt. — [roman:] Papa [/roman] geht es auch nicht gut, er geht & sitzt immer in Strümpfen, will keine Schuhe anziehn & wenn sie noch so weich sind und klagt & ankt den ganzen Tag, da kannst Du Dir denken wie rosig er gestimmt ist.
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Ausgehn darf ich gar nicht mehr, wenn ich nothwendig aufs Markt muß oder etwas besorgen muß, so kann er die Zeit nicht abwarden bis ich wieder komme, außer [roman:] O. Curt [/roman] sehe ich oft Wochen lang keinen Menschen. — Am 15. Juli ist [roman:] Hedwig Lampmann [/roman] gestorben, es kam für uns alle sehr überraschend, sie war nur 3 Tage krank, wie weh es mir gethan hat, kannst Du Dir denken, ich habe sie sehr lieb gehabt. — Die armen Kinder sind wohl am schlimmsten daran, [roman:] Curt & Ernst [/roman] sind fast immer krank, es wärr ihnen beide am Besten wenn sie der l Gott zu sich nehme. — Tante Liese hat bis jetzt den Haushalt geführt, wie aber [roman:] O. Curt [/roman] sagt, ist eine Hilfe aus Helsa geholt & die gute Tante [roman:] Elsa [/roman]
hat
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hat sich in ihr Logis zurück gezogen. — Ada läßt Euch Alle herzlich grüßen, sie wird recht groß, ich habe sehr viel Last und Sorge mit ihr, es fehlt ihr die richtige Erziehung ich darf kein lautes Wort sprechen, dann will der Großpapa ohnmächtig werde, es ist für Ada recht schlimm, sie ist ein Herzens gutes Kind, doch müßte sie jetzt streng gehalten werden, stadt dessen thut sie was ihr paßt. Wenn Du doch da sein könntest, Du mein Herz, würdest mir die vielen Sorgen tragen helfen. Schreibe nur [underline *2:] gleich [/underline *2] wieder [roman:] Mama [/roman] spricht jeden Tag von Dir, Du bist ja doch ihr Herzblättchen. — Nun mein lieber guter [roman:] Hermann [/roman] habe ich Dir mal wieder recht viel vorgeklagt, aber siehst Du ich weiß nicht weiter, es ist alles dunkel wohin ich sehe, sei mir nicht bös & [underline:] habe Du mich immer lieb [/underline]! Willst Du? — Tausend Grüße & Küsse Dir mein Liebling
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Herzlichen Gruß Deiner l. [roman:] Elisabeth [/roman] & den Kinder von Deiner Dich herzlich liebenden [roman:] Rösel [/roman].
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[roman:] Papa, Mama [/roman], Ada & O. Curt lassen
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Dich und die l. Deinigen tausendmal [ink-drawn heart] grüßen.
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Letter metadata




