Collection: Dreyer Family Papers
Author: Friedrich Rutenberg
Recipient: Carl Rutenberg
Description: Letter from Friedrich Rutenberg to Carl Rutenberg, April 23, 1867.
Original text
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Bremervörde der 23ste Apr 1867
Mein lieber Carl!
Ich hoffe zu Gott das du dich mit deinigen bei empfang dieses Briefes noch Alle Gesund und wohl befindet Und so können wir hier auch Alle über unsere Gesund. nicht klagen. aber dein Bruder Conrad ist kürzlich ein Kind gestorben in einen Alter von ungefehr Anderthalb Jahr welches viel gekränkelt hat. es ist jetz bei Gott und von Allen leiden erlöset und wir werden es einst wen wir Selig in den Herrn entschlafen sind ins Himmel wie [insertion:] der [/insertion] sehen. wir haben hier jetzt eine so theure Geldlose zeit Allenthalben ist Klage über Geld Land und Häuser die jetz verkauft werden stehn in sehr niedrigen Preise und werden nach ihren Werthe nicht bezahlt dazu haben wir einen so langen naßkalten Winter gehabt fast Alle Tage Regen viel Sturm und Schnee so daß viele eingegrabene Kartoffeln von die Nässe verrottet sind bis jetz haben wir noch immer naßkalte stürmische Wit=terung die Ostertage waren sehr Stürmisch und Naßkalt das Land ist noch so Naß das viele Leute noch nicht graben können und die Feurung ist so kurz jeder maim[1] [mann] klagt über Feurung der Torf ist so theuer
und kaum welchen zu kriegen du kanst leicht denken
wie ich mich behelfen mußte da ich kein Torf kaufen
konnte ich mußte mich meistens mit Alte aus den
Moor gegrabene [?] Kuhnholzstuppen [/?] die mir gute
Christliche Freunde gaben behelfen ich habe diesen Winter
sehr schwere Trübsalsvolle Tage erleben müssen und
habe mir oft gewünscht das ich bei dir wäre und wäre
mir sehr Tröstlich gewesen wen ich mahl einen Brief
von dir bekommen hätte. Da ich hätte so gerne mal
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einen Brief wieder von dir gehabt um zu erfahren
wie es dir und die deinigen noch geht ich werde so
oft von Andre Leute gefragt ob ich noch keinen Brief
wieder von dir erhalten hätte und ich muß immer
mit Nein antworten. man hört so oft daß dort jetz
so viele ohne Arbeit sind und nichts zu verdienen ist
deßwegen viele Auswanderer die es irgend thun
können weiter ins Land ziehen von hier zieht Hinrich
Woost Conrad sein Schwager mit seiner Frau und
zwei Kinder auch nach Ammericka nach Sint Sinati
im Staate Ohio er möchte dir mal besuchen wen du
nicht zu weit von Hafen wohntest Er fährt von
Bremen mit den Dampfer Atlantinc den 4 ten Mai
ab. sein Haus hat Conrad gekauft weil es seiner Frau
Eltern Haus ist. ich wollte wünschen du kämest mit
ihn zu sprechen er könnte dir über manches was du
noch gerne wissen möchtest dir Nachricht geben er
kennt meine Umstände und traurige lage ich habe
ihn diesen Winter wen mir fror des Abends oft
mal besucht und er hat mir auch viel Gutes gethan
von Schmidt in Lüneburg habe ich auch kürzlich einen
Brief bekommen welcher mir meine drückende Lage
noch drükender machte er schreibt mir du habbest ihn ver-
genen Herbst geschrieben und hättest ihn wollen 10 thaler
Geld schicken da hätte Wilhelmine gesagt du solltest
die 10 Thaler Mir schicken ich hätte aber in meinen Brief
nichts davon [illegible] und ihn nur 6 thaler Zinsen
geschickt er wüßte wohl das ich das geld groß nöthig hät
te er aber habe es jetzt auch groß nöthig er wäre den
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Winter krank gewesen und auch jetzt noch so schlim
das er auch wohl nicht wieder besser werden würde
ich müßte ihn mit der Geld helfen ich hönnte ja das
kleine Haus verkaufen und ihn 300 thaler abbezahlen
und so mehreres ärgerliche schreibt er mir. ich kann es nicht begreifen wie es möglich ist mir seinen Alten Achtzig jährigen Schwager noch so viel kummer und Herzleid zu machen da er weis das ich so Kummer genug habe es ist gerade als wen er sein Geld in sterben mithaben muß. ich werde ihn aber in kürzen so bald ich ihn nur die 6 thaler irgend kriegen kann schreiben und das Ge=wissen schärfen diese 6 thaler bin ich ihn vergangenen Herbst huldig[2] geblieben und habe ihn versprochen 7 dies Ostern zu bezahlen bei dieser Geldlosen Zeit wird es mir schwer werden Wort zu halten Nun mein lieber Carl ich habe dir nun von Allen so viel ich konnte Nachricht gegeben du thätest mir
einen rechten Gefallen wen du mir mit den nächsten Dampfer auch einen Brief überschicktest Du meinst immer wen du mir kein Geld schicken kannst so nützt mir der Brief nichts das glaube aber ja nicht deine Briefe sind mir immer lieb und angenehm aber Wilhelmine könnte ihren Alten dürf=tigen Großvater mit ein kleines Geschenk was auch nur ein Dollar wäre eine Freude machen Grüße ihr vielmahls von mir ich schließe mir der Hoffnung auch bald einen Brief von dir zu bekommen
Es grüßen dich und deine Liebe Frau und Kinder vielmahls dein Bruder und Schwägerinnen und auch ich Ich bleibe dein dich liebender Vater [strikethrough:] [illegible] [/strikethrough] [roman:] Fr Rutenberg [/roman]
Anmerkungen
Letter metadata



