Collection: Henry Villard Family Letters
Author: Emma Hilgard (von Xylander)
Recipient: Henry Villard
Description: Letter from Emma Hilgard von Xylander to her brother, Henry Villard, January 1, 1869.
Original text
[page 1, right hand side:]
München, d. 1/1 69.
Mein theurer Bruder!
Den ersten Tag im neuen Jahre will ich benützen um Dir
vor Allem für Deine mir wieder bewiesene große Güte
zu danken; durch das beträchtliche Geldgeschenk, - hast Du mir
eine große Erleichterung gewährt, - in dem Du mich
in den Stand gesetzt, - meine Toilette wieder sehr aufzufrischen,
u. Andren zu Weihnachten Freude zu bereiten. -
Namentlich mein Mann, hatte durch neue, im Generalstab
eingeführte Kopfbedeckung, - Helm, - statt des Hutes, -
etc., wieder manch unvorhergesehene Ausgabe, -
die ich ihm dann durch Deine Hülfe mit tragen helfen
konnte. - Weihnachten, das Christfest, selbst, feierten
wir natürlich wieder bei Tante; die Hoffnung Richard hier zu haben,
wurde leider wieder vereitelt, da er durch Unwohlsein, wie er
schreibt, abgehalten war; - daß trübte uns das Christfest, u.
um nicht die Lücken die in unserm Familienkreise bestehen,
gar so schmerzlich zu empfinden, - hatten wir Frida mit [?]
zu kommen gebeten, - u. Erstere mit ihrem unverwüstlichen
Humor, - belebte uns alle so, - daß wir bis gegen 11 Uhr
sehr vergnügt zusammen waren. - Tante, war durch ihre Geschenke
scheinbar sehr erfreut; Richard hatte ihr Rohrstühle, u. einen
Überzug über einen älteren Fauteuil geschenkt, - von uns
bekam sie, - ein bronzenes Regenschirmgestell, - 1 Thee[?],
[page 2 (sheet 2, left-hand side):]
Rahmkanne, - u. verschiedene Arbeiten meiner Hände, die
ihr nöthig waren. - Auch Frida, hat Tante, reizende
Arbeiten gemacht. - Ich hatte Robert, den neuen Helm
geschenkt, - 1 paar Stallhalfter, eine Mappe u. Visitenkarten.
Von Tante erhielt er 6 Flaschen Champagner. - Richard, schenkte
mir ein grauseidenes Kleid, - Tante 50 fl, - von Robert erhielt
ich 2 Dutzend Crystallgläser u. 3 Caraffen dazu, so wie eine sehr schöne
Bluse. - Ich würde überaus reich beschenkt, - u. ist es mir nun
möglich der Lust in der Carneval 1 oder den andren Ball mit
zu machen zu fröhnen, - da ich mir von dem mir geschenkten Gelde
die Toilette bestreiten kann. - Und meine Gesundheit ist
gottlob so ordentlich im Stande, - daß ich mir schon was zutrauen
darf. - Das erste Neujahr, so lange ich denken kann, - ohne
Doktor-Rechnung, - das ist eine große Beruhigung, - u.
ich denke so soll es auch fort bleiben. - den gestrigen Sylvester-
abend, haben wir wieder ganz stille bei Tante verbracht, - u. auch
heute Abend, werden wir dort sein; - Tante fühlt sich immer
behaglicher in ihrer Wohnung m - u. der äußerst milde Winter
den wir bis jetzt hatten, - kommt ihr darin sehr zu Statten,
denn sie braucht sehr wenig zu heizen, - was bei dem theuren
Brennmaterial hier, von großem Belange ist. - Im November,
hatten wir Schnee u. Eis, - doch seit dem 20ten jenes Monats
bis heute, - ganz mildes Wetter,- sehr viel Regen, ein
Schmutz in den Straßen der fabelhaft ist, - doch die Luft sehr
angenehm, - ganz, als wäre man in einem südlichen Clima.
Mitte November kam Emil von Würzburg hierher zum Besuche, u.
haben wir Beide uns sehr aneinander attachirt, - u. sehr angenehme Tage
[page 3 (sheet 2, right-hand side):]
zusammen verbracht; - in kurzer Zeit wird Emil ganz hierher
kommen, - da er eine sehr gute Prüfung für den Generalstab machte,
und als 3ter Xylander, nun diesem zugetheilt werden soll. -
Ich freue mich sehr ob seiner Übersidelung hierher, - da er ein zu netter
Mensch ist. Seit einigen Wochen ist er verlobt, mit einer Engländerin
die seit Jahren mit ihrer Familie in Nürnberg lebt, - u. für die er
schon lange Interesse fühlt; sie ist der Photographie nach wunderschön
heißt Rosa Logan, - eine ganze Welddame, nach allem was
ich höre, u. Emil schrecklich in sie verliebt. - Wann sie heirathen
ist noch ungewiß. - Auch Graf Tattenback, bat mich Euch mit-
zutheilen, daß er sich am Chrystabend verlobt hat, mit der 21jährigen
Gräfin, Mathilde Rechberg; - obwohl die Braut keine [insertion] äußere [/insertion] Schönheit besitzt als den Reiz der Jugend, ist Tattenback doch sehr glücklich, - da sie
ein vortrefflich erzogenes Mädchen ist, - u. aus einer Familie die ob
ihres schönen Zusammenlebens hier überall als Muster dient. -
Im August, wird seine Hochzeit sein; ich sehe ihn natürlich
nun viel weniger da er all' seine freie Zeit, der Braut
widmet. - Ferdinand Petri, hat mich nun endlich vor
einigen Wochen besucht, ohne mich zu treffen, - ich will ihn
nun ein Mal zu Tische einladen. - Rittmeister Schulze mit
Familie u. Marie Esebek, leben [?] diesen Winter in Frankfurt
im Brüssler Hof; - bis Ostern, wollen sie dort bleiben, - dann
einige Wochen nach Zweibrücken gehen, - dann für den ganzen
Sommer, sich am Starnberger See niederlaßen, - u. wo sie nächsten
Herbst ihren ständigen Wohnsitz aufschlagen, wissen sie jetzt selbst
noch nicht. - Mein Schwager Oscar, hat seit 14 Tagen, einen 3ten Sohn,
Gustl gebar in Zeit von 11 Monaten - 2 Kinder, - sieht aber auch elend aus.
[page 3, postscript, margin:]
Gerade am Schluße meines Briefes kam der Deine an Richard den ich ihm nun morgen zu schicken werde; ich [?] bräuchte [/?] gleich die neue Adresse.
[/page 3, postscript, margin]
[page 4 (sheet 1, left-hand side):]
Robert, war nicht sehr angenehm überrascht, - bei seinem kleinen Neffen
Pathenstelle vertreten zu müssen, - u. war sehr froh als der förmliche
Akt glücklich vorüber war. - Meiner Schwägerin Anna u. ihrem
Töchterchen geht es gut, wie überhaupt der ganzen Familie Xylander.
Du hast mich mit dem Auftrage an "Manz" in eine hübsche Verlegenheit
gebracht, - in dem vorletzten Briefe, in dem Du schreibst, "trage beiliegenden
Zettel zu Manz", lag ein gedruckter englischer Zettel, - natürlich
mußte ich glauben, - der sei's ich selbst u. auch Robert kennen ja nicht
englisch; ich trug ihn also hin, - worauf Herr Manz mir ihn lachend
übersetzte; - es war das eine Warnung an das Publikum sich bei
den Vorlesungen ruhiger zu verhalten oder was dgl; - beschämt ging
ich von dannen, - Du hattest offenbar aus Versehen, diesen Zettel
vom Schreibtische erwischt, - statt des andren; gestern nun trug ich den
richtigen zu Manz, worauf der 2 Bände sandte, betitelt
[crossed out] Kämpfe des Österreichischen [?] [/crossed out] [insertion:] Kämpfe [/insertion] im Jahre 1866", - u. die Rechnung
im Betrage von 9 fl 36 kr, liegt bei. - Was soll nun mit den
Büchern geschehen? Du sagst darüber nichts. - Die guten Nachrichten
von Euch, beglücken uns immer sehr, - u. namentlich, daß es Dir so gut
geht, u. Du in Deiner neuen Stellung so zufrieden bist; u. die Aussicht
Dich in nicht gar ferner Zeit wieder zu sehen ist gar freundlich. -
Wird denn dann Fanny u. die aller Kleinste mit kommen?
Ihr schreibt so wenig von Mr. Frank, was treibt der denn, - was
macht seine Liebe? - Die Bekannten fragen immer sehr nach Euch, -
u. namentlich Frida hat das lebhafteste Interesse; - sie mußte Robert,
Fanny's englischen Satz übersetzen. - Von ihm u. mir Euch u. Euren
lieben Angehörigen nur Alles Schöne; unsere Gedanken sind viel bei Euch,
u. senden wir Euch für das Jahr 69 die wärmsten Wünsche, daß Euer Glück
u. Wohlleben so fort gedeihen möge. - Dir, Fanny u. der kleinen Nichte
herzlichen Kuß, u. noch mehr herzlichen Dank für Deine große Güte, von Deiner
Emma.
[postscript, page 1, written upside down:]
Die Photographien Helenchens, - sind für ein so kleines Ding, sehr gut aus-
gefallen, - u. geben einen Begriff, von der Größe ihrer Augen, - ich denke
in einiger Zeit, laßt Ihr sie wieder machen, - u. schickt uns dann wieder Proben.
Alle weitren Nachrichten, namentlich von
der Pfalz, wird Euch Tante zu Wissen thun.
Laßt bald wieder von
Euch hören. - Richard hat uns
Hoffnung gemacht ihn noch im Januar hier zu sehen.
[/postscript, page 1, written upside down]
Letter metadata


