Collection: Henry Villard Family Letters
Author: Emma Hilgard (von Xylander)
Recipient: Henry Villard
Description: Letter from Emma Hilgard von Xylander to her brother, Henry Villard, February 1, 1872.
Original text
[page 1 (sheet 1, right-hand side):]
Donnerstag d. 1/2 72.
Abends.
Lieber Heinrich!
Ich beeile mich Dir kund zu thun, daß
Tanten's Befinden fortwährend das Beste ist,
u. jede Besorgniß Deinerseits überflüssig wäre,
ebenso wie Dein Kommen. ‒
Tante schläft die ganzen Nächte, ‒ so daß sie
gar keiner Wärterin mehr bedarf, ‒ darf schon
wieder Fleisch u. [roman:]compotes[/roman] essen, trinkt
viel Wein, ‒ u. schreitet wenn auch langsam
doch mehr u. mehr der vollständigen Genesung
entgegen. Ich denke Sonntag, darf sie vielleicht
ein bischen auf stehen, ‒ allerdings bedarf sie
der größten Ruhe und Schonung, jede Aufregung,
vieles Sprechen, ‒ setzt ihr sehr zu, u. verbietet
der Arzt strenge, u. Dein Telegramm an
Heintz, daß Du kommen wollest, hat Tante
[page 2 (sheet 2, left-hand side):]
sehr beunruhigt, ‒ Du kannst ihr nichts helfen,
Unterhaltung will sie noch keine, u. sie
läßt Dich wiederholt durch mich bitten
Fanny jetzt nicht zu verlaßen, da ihr der
Gedanke die junge Frau in dieser Lage
allein zu wissen, ‒ qualvoll sei. ‒
Wir waren Alle recht ärgerlich über Heintz
daß sie Dich umsonst so aufgeregt hatten,
wie Frida Alles im Leben übertreibt, so
sah sie auch bei Tante alles im schwärzesten
Lichte. ‒ Du kannst Dir doch denken, daß
wenn es Noth thäte ich Dich rufen würde,
so lange dieß nicht geschehen, ‒ bleibe ruhig
bei den Deinigen. ‒ Meinen Brief vom
28ten der schon bessere Nachrichten enthielt
u. Robert's Telegramm, vom 30ten kam Dir
wohl richtig zu; seither hörte ich nur von
Dir durch einen Brief auch vom 28ten
worin Du schriebest Du kämest nicht, ‒
wie mußte mich daher das Telegramm an
[page 3 (sheet 2, right-hand side):]
Heintz u. wie heute durch Fanny an
uns geschicktes Paar Deiner Stiefel beunruhigen.
Ich sage beunruhigen, da es eben um Tante so
einförmig ruhig wie möglich sein soll, (so meint
der Arzt erhole sie sich am besten), ‒ u. Dir
selbst ist es wahrhaftig auch zuträglicher Du bleibst
einmal längere Zeit in Ruhe zu Hause. ‒
Ihr Amerikaner seid doch ein unstätes
Volk, ‒ ewig Reisen, ‒ was kostet das, u.
schadet der Gesundheit. ‒
Tante, macht schon Reisepläne für den
Sommer, will nach [romn:]Ragatz[/roman]; doch bis dahin
hat's noch gute Weile, einstweilen friert es
hier noch tüchtig, ‒ u. es schneit fast als wolle
der Winter mit erneuter Kraft sich [insertion:]nochmals[/insertion] einstellen. ‒
Robert u. ich sind wohlauf; Ersterer war
gestern auf dem Hofballe; ‒ ich führte seither
ein sehr tristes Leben, ‒ doch gehe ich jetzt
wieder in's Theater, ‒ u. morgen in eine
Soireé zu [roman:] Seuffert [/roman], der beste Beweis
wie wohl sich Tante fühlt.
[page 4 (sheet 1, left-hand side):]
Von Richard, habe ich einen großen Brief erhalten,
worin er klagt nichts von Dir zu hören;
er weiß noch gar nichts von Tanten's Krank=
heit ich werde es ihm aber morgen schreiben. ‒
Er klagt über Arbeitsüberhäufung u. scheint
sich immer noch nicht ganz mit seiner
neuen Stellung ausgesöhnt zu haben. ‒
Doch nun Adio, meine Zeit ist für Briefe
jetzt sehr gemessen, ‒ muß ich doch außer
meiner Correspondenz nun auch noch
die von Tante besorgen, ‒ denn R. schreibt
nur im Dienste. ‒
Von Tante die herzlichsten Grüße für Alle,
u. es würde ihr eine Beruhigung sein für
Dein Nichtkommen, wenn Du Dir Deine Stiefel
wieder schicken ließest. ‒
Auch Alles Schöne von Robert u. mir
an Alt u. Jung. Deine Emma.
Natürlich kommen nun meine Briefe wieder
seltner, u. ich denke Tante schreibt Euch bald;
denkt stets, ‒ es sei ein gutes Zeichen wenn Ihr nichts
hört. ‒
Letter metadata


