Collection: Hinrichs Family Letters
Description: Hinrichs family letter, December 21, 1873.
Original text
Leer, d 21. Dec. 1873
Liebe Tante!
Heute hier in Leer zum Besuch bei den Schwieger Eltern anwesend, werde ich gebeten, Ihr liebes Schreiben vom 10. Novbr zu beantwor ten. Ich komme diesem Ersuchen um so lieber nach, als ich nach dem Inhalte Ihres Schreibens einen Gemüthsreichthum u eine Geschwisterliebe zwischen Ihnen u Papa voraussetzen darf, wel- che ich offen gesagt - ich kannte ja Ihr Gemüths leben nicht u mußte solches nach Ihrer Handlungs- weise u nach den mir bekannten Thatsachen beurtheilen - nicht bei Ihnen voraussetzte, auch nicht an- nehmen konnte, weil es für meine Eltern um so bitterer war, als nach meiner An- nahme diese arg enttäuscht worden
Wenn ich wegen meines Zweifels an Ihrer Geschwisterliebe, welchen sowenig meine Schwie gereltern, noch deren Kinder theilten, vielmehr mich von der Aufrichtigkeit Ihrer Liebe immer wieder u wieder zu überzeugen suchten, so bitte ich dieses Zweifels wegen um Entschuldi gung u darf auf Grund meiner Unbekannt- schaft mit Ihrem Charakter voraussetzen, daß mir diese Verzeihung von Ihnen zu Theil werden wird und gehe hiernach um so freudiger zu dem Inhalte Ihres gedach ten Schreibens über, als ich solches mit gan- zer Herzlichkeit u Innigkeit zu beantwor- ten vermag.
Das Ihr erwähntes Schreiben großen Jubel sowohl bei Ihrem nie an Ihre Geschwisterliebe zweifelnden Bruder, sowie dessen Angehörige
hervorgerufen hat, brauche ich wohl nicht besonders hervorzuheben, wohl aber muß ich bemerken, daß nicht der pecuniaire Vortheil, der in der fernerweiten Belassung der Fideicommiß-Verwaltung bei Ihrem Bru- der, unserm Papa, liegt - obwohl auch dieser von uns allen nicht unterschätzt wird, weil es für die Eltern eine Lebensfrage war - , sondern mehr deßhalb endlosen Weiterungen zahllosen Proceß- scherereien zwischen Bruder u Schwester zu ent- gehen u dadurch Ihnen beiden den Genuß des so sauer mit Opfern an Zeit u Geld errungenen Resultats zu führen u nicht Jahrzehnte hindurch die Fideicommiß-Aufkünfte von Neuem den Advoca- ten Preis zu geben, sowie möglicher Weise Sie u. auch unsern Papa darüber u zwar in bitterer Feind- schaft hinsterben zu sehen. Ich bin lange genug beim Gerichte thätig gewesen u kenne den Verlauf der Processe solcher Art zu genau um mir die endlose Dauer Ihrer Processe mit unserm Papa völlig klar zu machen. Ich freue mich deßhalb auch herzinnig mit den Uebrigen über Ihren Entschluß, unserm Papa die Fidei commiß-Verwaltung fernerweit zu belassen, u noch mehr, daß ich mich in dem Zweifel an Ihre Geschwisterliebe so entsetz- lich getäuscht habe u jetzt erfahren muß, daß trotz jahrelanger Trennung die Geschwisterlie be mächtig genug geblieben, verläumderi- schen Einflüsterungen schlechter Menschen kein Gehör zu geben, vielmehr die schwer errungenen Früchte jahrelanger Mühsalen lieber gemeinsam in Frieden zu genießen, u in harmonischer Geschwisterliebe Ihren Bruder
sondern bis jetzt nur einen verschwindend kleinen Theil seiner Opfer wieder erhalten hat, so muß er doch auf Wiedererstattung der gehabten großen Kosten für Processe u Zeitversäumnisse klagen, letztere sind schon deßhalb sehr umfangreich, weil er hunderte von Reisen zu machen hatte um Ihre Erbberechtigung u das Ab- leben der vor Ihnen Berechtigten festzustellen u während der Zeit sein sehr bedeutendes Geschäft vernachlässigen mußte. Außerdem würde Ihnen ein Proceß von p. Rubien, der jedenfalls Ihnen das ganze Fideicommiß streitig machen würde, bevorstehen, so daß Sie jedenfalls Jahr zehnte hindurch von dem E--- ter Ihnen errungenen Rechten keine Einkünf te sondern nur Kosten haben -ür- den, indem unser - wie erwähnt - mittello ser Vater zu den langwierigen Processen sich jedenfalls das Armenrecht erwirken müßte u voraussichtlich auch der p. Rubien auf Grund desselben nur klagen kann und wird.
Wir bitten ausdrücklich, das Vorstehende nicht als eine Drohung aufzufassen, sondern zu beden- ken, daß uns Ihr Beharren in Ihrem Vorgehen zu den angedeuteten Schritten zwingen würde, weil wir nicht ohne das Äußerste versucht zu haben, die große Last der Unterhaltung unserer Schwiegereltern, die in blöder Verblendung u im Vertrauen auf die Dankbarkeit der Menschen alles geopfert haben, auf uns laden können. Wenn Sie hiernach noch erwägen, wie Sie durch Ihre Handlungsweise, die Sie vielleicht bald vor einem in`s Herz sehenden höheren Rich- ter, dem lieben Gott, gegenüber zu verantwor- ten haben, unser lieber Papa, der nur im Glau- ben an Ihr Vertrauen u Ihre Dankbarkeit - sonst aber nicht - gesündigt hat, auf seinem
Kranken- ja vielleicht Sterbebette so entsetz- lich kränken, so dürfen wir zuversichtlich Ihrer
Ihrer Entschließung dahin, daß Papa fernerweit die Verwaltung der Fideicommiß Aufkünfte verwal- tet, entgegensehen. Selbstverständlich können wir auf eine Aushändigung der bezüglichen Papiere, Ac- ten u. Documente, die Vater für schweres Geld u mit erheblichen Zeitopfern sich verschafft u die später zur Feststellung seiner Ansprüche dienen müssen, uns nicht einlassen, müssen solche vielmehr bis nach uns gemach- ter Sache zurückbehalten.
Kurz nochmal zusammengefaßt haben Sie dem- nach die Wahl zwischen ungestörten Fortbezug von jährlich etwa 600 r. Geld - die Reparaturen tragen jetzt die Bauern größtentheils selbst nur der Proceß, welcher jetzt gewonnen u darum weil Gegnerin das Armenrecht hatte, so viel Geld uns kostete, ist jetzt gänzlich zu Ende - oder eine unzählige Masse von zeitraubenden und Geld verschlingenden Processen, deren Ende beide Theile vielleicht nicht erleben. Nochmals bitten wir, diese lediglich sachgemäße Darstellung keineswegs als eine Drohung aufzufassen, son- dern als zwingende Folge Ihres weiteren Vorgehens, wie oben bereits hervorgehoben. Wenn wirnoch erwähnen, daß Sie gewiß nie mals ohne die Zähigkeit unseres Papa´s in den Genuß der Fideicommiß-Aufkünfte gekommen sein würden u daran die Hoffnung knüpfen, daß Sie diese unendliche Bruderliebe nicht mit weiterer Kränkung unseres Papas entgelten werden, vielmehr ihm die fernerweite Verwal- tung belassen, bemerken wir für letztgedachten Fall, daß wir uns der Rechnungsablage Namens unseres Vaters gern unterziehen wollen, schon um ihm weitere Vorwürfe seiner Ange- hörigen zu ersparen.
Machen Sie Sich, liebe Tante, das Bild eines kör- perlich zerrütteten u geistig niedergedrück ten Mannes, der im unglücklichsten Falle nicht einmal mehr für die Seinigen zu sorgen im Stande ist u, jetzt, wo er Früchte nur geringe
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rer Art für sein rastloses Interesse für seine Schwe- ster ernten zu können vermeint, noch hart ge- kränkt wird, so daß für dessen Leben gefürchtet werden muß, so wird Ihnen die Schwesterliebe schon den jetzt zu wählenden Weg vorzeichnen u unserm Papa weitere Kränkungen, die noch vermehrt werden durch die Vorwürfe seiner Angehörigen, ersparen.
Lediglich der Grund unserm an Grabesrande wandelnden Papa vor bitteren weiteren Enttäuschungen zu bewahren, Sie von übereil- ten Schritten abzurathen u. uns im unglücklich sten Falle eine Last zu ersparen, haben wir diesen Weg, Ihnen ein klares Bild von der Sachlage zu machen, gewählt u vertrauen jetzt zu Ihrer Schwesterliebe, welche dem Bruder unaussprechlich zu danken hat, daß Sie eine Allen befriedigende Lösung dieses Labyrinths durch Belassung der Verwaltung bei Vater finden werden u. zeichnen Ihrer umgehenden Erwiderung entgegensehend, als
Ihre ergebenste
ELeifert, Eisenbahn-Btr. Secretair
Antwort erbitten wir per Adresse Eisenbahn-Betreibs-Secretair Leifert in Bremen
H. Penning, Lehrer
[von anderer Schreiberhand:
Leifert ELeifert B Leifer
Herrn
A Rubien
Herford
West
Herfort
Germany
Eisenbahn Betriebs
Eisenbahn Betriebs Secreter CLifert in Bremen]
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Mr Nelsonville d Decemb 1873
Richard
Richard Jansen
Richard Jansen
M M Richart Jansen
Richard Jansen
Notar
Richard Jansen
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Herrn Richard Jansen
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Letter metadata






