Collection: Crede Family Papers
Author:
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Heinrich Carl Crede and Clothilde Crede to their son, Hermann Crede, January 27, 1864. The greater part of the letter is by Heinrich Carl Crede; Clothilde Crede wrote a short note at the end.
Original text
[roman:] Cassel, [/roman] am [roman:] 27t Januar 1864. [/roman]
Mein lieber guter [roman:] Hermann ! [/roman] Dein Schreiben vom 28t. Oktober v. J. welches wir am [roman:] 25 Novb. [/roman] erhalten, hätte ich Dir schon früher beantwortet, wenn ich nicht einestheils Nachricht von [roman:] Wilh. [/roman] erwartet hätte anderentheils mir aber bisher nicht auch Muth u. Kraft fehlte, die unser Ergehen seit meinem letzten Briefe mitzutheilen._ Ich schrieb Dir in demselben, daß unsere gute [roman:] Minna [/roman] nach überstandener harter Krankheit auf dem Wege der Genesung sei, die gesunde Bergluft auf der Alten Hütte und die sorgfältigste Pflege von der edlen Frau [roman:] Spiehs [/roman] hatte so vortheilhaft auf ihren Körper gewirkt, daß sie am 2t. October v. J. gesund und wahrhaft blühend zu uns zurückkehrte. Ihr ganzes Wesen hatte sich in den wenigen Monaten auf das Vortheilhafte verändert, sie war wieder heiter und ihr Temprament weit lebhafter geworden als es früher war. Wir fühlten uns wahrhaft glücklich über diese Veränderung_. Die Mutter ging bei dem schönen Wetter was wir hatten, täglich mit [roman:] Minna [/roman] aus um unsere und ihre näheren Bekannte und Freunde zu besuchen, die sich innig mit uns freuten._ Leider aber sollte unser Glück nicht lange währen._ Am 9t [roman:] Octbr. [/roman] fühlte sich [roman:] Minna [/roman] etwas unwohl_Schmerzen in den Schultern u. Armen-, was wir einer geringen Erkältung zuschrieben; am 12t. blieb sie auf Mutters Zureden zu Bette u. wurde alsbald [roman:] Dr. Schotten [/roman] zu
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Rath gezogen, dieser hielt unsere Besorgniß für unbegründet, verordnete etwas zum Einreiben u. sprach die Hoffnung aus, daß [roman:] M. [/roman] nach einigen Tagen wieder hergestellt sein würde, dies war Montags Vormittags, Dienstag Abend fühlte sie sich besser, die Schmerzen in Schultern u. Armen hatten nachgelassen, dessen ungeachtet verging die Nacht unruhig u. war sie Mittwoch Morgens sehr angegriffen. Nach Mittag schlummerte sie und hofften wir, daß sie der Schlaf nach der gehabten unruhigen Nacht stärken würde-, gegen 4 Uhr erwacht sie sehr unruhig_ um 5 Uhr war sie eine Leiche_. Der Tod endete ihr uns Allen so theures Leben urplötzlich durch einen Herzschlag. Sie besaß seltene Herzensgüte und war ein wahrhaft edles Mädchen, Ruhe ihrer Asche! Ihre Beerdigung war einfach und anständig, wie ihr Leben, Am 17t Octbr. führte der Trauerzug durch die bereits zu Ehren des folgenden Tages festlich geschmückte Stadt_. O mein guter [roman:] Hermann [/roman] - dies war der dritte Trauerfall in neun Monaten, was wir gelitten haben und noch leiden, darüber will ich Dir nicht schreiben, Du empfindest dies weit mehr, als ich es in Worten auszudrücken vermag.- Nach dem Ableben unser guten [roman:] Minna [/roman] vermochten wir nicht mehr in einer Wohnung zu bleiben, wo wir so [underline:] unendlich [/underline] viel gelitten. Kurz entschlossen bezogen wir bereits am [roman:] 5. Novb. [/roman] eine Wohnung bei Deinem früheren Prinzipal, Hofkellermeister [roman:] Schäfer [/roman], der im vorigen Frühjahr jahr
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sein Wohnhaus durch einen Anbau vergrößert hatte. Wenn wir hier nun auch einen bedeutend höheren Miethzins zahlen, so haben wir dagegen auch eine recht freundliche u. gesunde Wohnung.
Anbei sende ich für Dich u. [roman:] Wilhelm [/roman] zwei Abzüge von dem Bild unserer guten seel. [roman:] Minna [/roman], welches nach ihrer ersten Krankheit aufgenommen worden ist, wir wollten nach ihrer völligen Wiedergenesung ein weiteres Bild anfertigen lassen, leider aber sollte es nicht sein, da sie uns so plötzlich verließ.- Gern lieber [roman:] Hermann [/roman] hätte ich auch jetzt ein Familienbild von uns beigefügt, wir haben es aber in unser gegenwärtigen traurigen Lage noch nicht über uns gewinnen können, solches abnehmen zu lassen, Du sollst es aber bald erhalten, wo ich Dir denn auch einige Abzüge von dem Bilde unseres unvergeßlich theuren [roman:] Carls [/roman] mitsenden werde._ Nach Deinem letzten Schreiben erwartetest Du damals den Besuch [roman:] Wilhelms [/roman], was wohl unterblieben sein mag, sonst hätte er wohl sicher an uns geschrieben. Wir haben viel Unruhe u. Sorge um [roman:] Wilhelm [/roman] u. wünschen nichts sehnlicher, als daß dieser unglückselige Krieg endlich aufhören möge, der auch uns ein so theures unersetzliches Opfer gekostet hat._ Theile unserem lieben [roman:] Wilhelm [/roman] so bald Du kannst, den traurigen Inhalt meines Schreibens u. bitte ihn in meinen Namen nebst unseren herzlichsten Grüßen, daß er uns so bald u. so oft es ihm möglich ist, Nachricht gibt, namentlich auch mein letztes Schreiben an ihn beantwortet. Auch von Dir mein guter [roman:] Herm. [/roman] hoffe ich recht bald zu hören, wie es Euch seit Deinem letzten Schreiben ergangen und wie sich gegenwärtig die dortigen Ver
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Verhältnisse gestalten_, unsere Zeitungen bringen jetzt äußerst wenig amerikanisches, da jetzt die Befreiung [roman:] Schleswig-Holsteins [/roman] vom dänischen Joche alles übrige verdrängt._
Wir befinden uns Alle ziemlich gesund u. hoffe ich, daß uns Gott mit dem bevorstehenden Frühjahr auch wieder neuen Lebensmuth senden wird._ Tante [roman:] Louise [/roman], die herzlich grüßen läßt, hat sich sehr gefreut, daß Du ihrer in Deinem Schreiben gedacht, nochmehr aber wirst Du sie erfreuen, wenn Du bald einige Zeilen an Sie selbst richtest._ Schlieslich mein lieber [roman:] Hermann [/roman] noch meine besten Wünsche zu Deinem bevorstehenden Geburtstage, möge der Himmel Dich mit den Deinen gesund erhalten und Euch reichlich segnen mit allem was zu Eurem Besten dient._ Dein Großvatter U. Deiner lieben [roman:] Marie [/roman] innige Grüße & herzliches Lebewohl Euch Allen. Dein treuer Vater Crede.
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Lieber Hermann! Meine herzlichsten Glückwunsch zu Deinen Geburtstag. Wie geht es Dir und Deiner Lieben Familie hoffentlich gut, aber vor allen Dingen wie befinden sich die kleinen Jungen, wir würden uns sehr freuen, wenn wir sie bei uns haben konnten. Wenn Du uns besuchst mußt Du den kleinen Karl mitbringen. Bitte Grüße den lieben Großpapa, Deine liebe Maria und küsse die lieben Kleinen in meinen Namen. Meinen guten Bruder [roman:] Wilhelm [/roman] grüße herzlich und sage ihm, daß wir (siehe das beiliegende /Blatt)
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