Collection: Crede Family Papers
Author:
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Heinrich Carl Crede to his son Hermann Crede, September 27, 1864. The letter concludes with a brief greeting from Therese, Hermann's sister.
Original text
[roman:] Cassel, [/roman] am [roman:] 27. September 1864. [/roman]
Mein lieber [roman:] Hermann ! [/roman] Dein Briefchen vom [roman:] 1. Mai [/roman] d. J. erhielten wir bereits am 25. dess Monats nebst allen Einlagen, namentlich des kleinen [roman:] Carls [/roman] Bild, worüber wir uns herzlich gefreut haben und Dir vielen Dank sagen. Dein weiterer Brief vom [roman:] 4t. Juli c. [/roman] kam am 22t. v. M. zu unseren Händen, ich hätte Dir solchen gern alsbald beantwortet, indeß wollte ich Dir gern die versprochenen Photographien mitschicken u konnten diese weil wir immer so trübes Wetter hatten, erst vor 8 Tagen aufgenommen werden. Die Bilder sind recht gut ausgefallen u. wünsche ich sehr daß solche unbeschädigt in Deine Hände gelangen; wenn Du sichere Gelegenheit hast, willst Du [roman:] Wilhelm [/roman] ein Familienbild zukommen lassen. Dein Schreiben enthält wenig beruhigende Nachrichten für uns und ist es uns, wahrhaft schrecklich, daß Du in Deinen Verhältnissen noch der Gefahr ausgesetzt bist, die Deinen verlassen & mit in den Krieg ziehen zu müssen, selbstverständlich wirst Du das abwenden, so lange es möglich ist._ Das Regiment [roman:] Wilhelms [/roman] scheint zu den scheußlichen [roman:] Querilla[/roman]-Krieg verurtheilt zu sein, ich muß bewundern, daß nicht zur gänzlichen Vernichtung dieser Teufel mehr Streitkräfte aufgeboten werden, da diese [roman:] Canaillen [/roman] so viel Unglück im [roman:] Missouri [/roman]-Staate anrichten, daß die Bevölkerung theilweise zu derselben hält, dürfte wohl mehr aus Furch und Feigheit als aus Patriotismus für den Süden entspringen. Möchten Euch diese teuflischen Räuber- und Mörderbanden nur immer fern bleiben, hat ja der Krieg ohnehin schon Unglück genug im Gefolge._ Wann u. wie wird dieser unglückselige Krieg noch enden, der täglich so unendliche Opfer kostet u. namentlich so viel Unglück über uns gebracht hat_. Den hiesigen Zeitungen nach scheint die Wahl [roman:] Fremonts [/roman] nicht durchzugehen; wenn Ihr nur einen Präsidenten erhaltet, den der ungeheuren Aufgabe der jetzigen Situation gewachsen ist und den unglücklichen Krieg in Kürze zum Nutzen der Union zu Euch zu bringen versteht. Eure Ernte wird nun wohl vollständig beendet, es Euch aber bei den wenigen Arbeitskräften gewiß herzlich sauer geworden sein;
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außerdem, wenn wirklich Arbeiten zu haben wären, so muß ja der Lohn von [roman:] 3 Doll [/roman] p. Mann für den Tag den Nutzen den er bringt gänzlich absorbieren. Die Ernte ist hier, wegen des kalten Frühjahrs - dann große Trockenheit u. später übermäßigen Regen nur eine mittelmäßige gewesen, es ist deshalb keine Aussicht vorhanden, daß die hohen Preise aller Lebensbedürfnisse sich ermäßigen werden. ._ Mit dem größten Bedauern ersehe ich aus Deinem Schreiben, daß der vorige Winter bei Euch so schrecklich gewesen ist und Ihr so große Verluste an Vieh gehabt habet, weil Ihr so wenig auf strenge Winter vorbereitet seid und dem armen Vieh keinen hinreichenden Schutz gegen die Kälte bieten könnt. Vorsichtsmaßregeln durch den Aufbau von Ställen zu treffen, wird jetzt bei dem Mangel an Arbeitskräften u. den hohen Preisen derselben, selbst dann im Reiche der Unmöglichkeit liegen, wenn ich Dir nach Thunlichkeit unter die Arme greifen würde. Auch hier mangelte es während der Ernte vielseitig an Arbeitern, dembegreiflich ist es, wie während des dortigen Krieges die Auswanderungen aus Deutschland fortwährend im Gange sind_. Deine Beschreibung der [roman:] Turkey [/roman] Fängers interessiert mich und scheint mir recht practisch._ Ich habe das heutige FamilienJournal vor mir liegen, worin eine Abhandlung über die Truthähner in ihrem Urzustande mitgetheilt wird_, es wird darin die Jagd auf dieselbe als eine sehr mühsame geschildert u soll es selten gelingen sie am Tage zu beschleichen und als das Beste empfohlen, sich Nachts u. namentlich bei Mondschein in denjenigen Gegenden auf den Hinterhalt zu legen, wo sie aufzubäumen pflegen, wo man sie dann [underline:] einzeln herabschießen könne / [/underline] ? /, da sie Nachts niemals davon flögen._ Das ausgewachsene Männchen soll 40 ℔ schwer werden; dies scheint mir etwas hoch gegriffen._ Erscheinen die [roman:] Turkeys [/roman] bei Euch nur als Zugvögel? Schreib mir hierüber u. was Du von der angepriesenen Jagdart hälst. Der kleine [roman:] Carl [/roman] aber soll sich bei den [roman:] Turkeys [/roman] in acht nehmen, u. nur mitfliegen, wenn ihm mal so ein
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alter Hahn verspricht, ihn direkt zu uns zu bringen. Daß der kleine Schelm so sehr krank gewesen, haben wir alle recht bedauert aber eben so sehr gefreut, daß er wieder vollständig genesen, auch der kleine [roman:] John [/roman] ein tüchtigerJunge geworden ist, es ist gut für beide, daß sie der Großvatter in Aufsicht nehmen kann._ Deiner lieben Frau wird es recht sauer werden, es thut mir leid, daß sie so harte Arbeit verrichten muß, doch ist es ein günstiges Zeichen, [strikethrough:] daß [/strikethrough] für ihre Gesundheit, daß sie solche zu bewältigen vermag, unsere Arbeiten sind alle sehr leichter Natur und doch wünsche ich, wir könnten zusamen bei Euch sein und die sauern Arbeiten nach Kräften mit Euch theilen. Nun wer weiß, was die Zukunft noch verhüllt, vielleicht wird uns ja wohl das Glück des Zusammenlebens noch einmal zu Theil, es ist dies unser sehnlichster Wunsch._ Für Deine guten Wünsche zu meinem letzten Geburtstag /den 53ten. / danke ich herzlich, wir haben denselben, da es ein heiterer Tag war, im Garten in einem kleinen Kreise von Bekannten gefeiert, ich hätte diesen Tag bei meiner gedrückten Gemüthsstimmung gern mit Stillschweigen übergangen gesehen, doch dürfte ich Deinen Schwestern u. den Kindern im Hause, die sich viele Mühe gegeben hatten, diesem Tag einen feierlichen Anstrich zu geben, die Freude nicht verderben._ Zufällig war Dein Jugenfreund [roman:] Carl Winhold [/roman] aus Elberfeld / der Dich herzl. grüßen läßt / bei uns, er ist ein netter Mann geworden, er hat Glück gehabt, indem er die Tochter seines Prinzipals heirathete, ist er in den Besitz eines dankbaren Geschäfts gekommen. /Goldleistenfabrick, Handel mit Broncewaaren, Bildern p.p / Wie ich Dir bereits mittheilte, bezogen wir Anfangs [roman:] Novbm. [/roman] / v. J. unsere jetzige Wohnung u. hatten schon am [roman:] 2. Februar [/roman] d. J. im Hause, in der [roman:] Schäfer [/roman]schen Familie einen recht harten Trauerfall durch den Tod des Hofkellermeisters zu beklagen. Derselbe litt anfänglich an Rheumatismus in den Füßen, derselbe schlug sich auf die Brust, dann trat ein Schleimfluß hinzu u. so mußte dieser kräftige gesunde Mann, nach 14tägigem Krankenlager in seinem 53. Jahre sein Leben lassen._ Den Seinen ist er viel zu frühe abgegangen, die Witwe hat mit den 4 Kindern die noch bei ihr sind, ihre großen Sorgen. _ Tante [roman:] Louise [/roman] hat sich über Deinen Brief außerordentlich gefreut, sie wollten Dir auch schreiben,
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schreiben, da ich aber Eile habe, daß dieser Brief mit den Bildern zur Post kommt, so konnte ich ihr nicht zuvor Nachricht geben, also mit meinem nächsten Brief. Die Abzüge von dem Bild unseres guten sel. [roman:] Carl's [/roman] sind gut_ Du erhälst 6 Stück davon hierbei. - Dein letzten Brief [underline:] [roman:] per Bremen steamer [/roman] [/underline] kostet nur die Hälfte des Portos Deiner früheren Briefe /6 3/4 sgr. / schicke also für die Folge Deine Briefe denselben Weg. Mein lieber [roman:] Hermann [/roman] zeige mir nun [underline:] baldthunlichst [/underline] den Empfang der Bilder an, ich hoffe, daß Du solche unbeschädigt erhälst, ich glaube sie wenigstens, vorsichtig genug verpackt zu haben. Schlieslich wiederhole ich meine Bitte, daß Du uns so oft es thunlich ist, doch mindestens alle 6 Wochen Nachricht von Euch zugehen lässest, da wir sehr um Euch in Sorge leben u. Eure Briefe allein jetzt uns einigen Trost gewähren. Die Briefe an [roman:] Wilhelm [/roman] willst Du couvertiren u. sobald es angeht an ihn besorgen_. Lebe recht wohl mein theurer [roman:] Hermann [/roman] grüße Deine Frau u. den Großvater herzlich von uns u. küsse Deine Jungen in meinem Namen. Gott nehme Euch Alle und uns in seinen gnädigen Schutz. Dein treuer Vater
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Lebe wohl mein lieber Hermann, grüße die liebe Marie und den Großvater und küsse meine kleine Neffen für mich, aber am herzlichsten sei Du gegrüßt von Deiner Dich liebenden Schwes Therese.
Sprechen die kleinen Jungen Deutsch oder Englisch.
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