Collection: Crede Family Papers
Author:
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Crede family letter to Hermann Crede, June 25, 1865. The first part of the letter was written by his father, Heinrich Carl Crede; the second part by his sister, Therese Crede, and the third part by his mother, Clotilde Crede.
Original text
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3.
[roman:] Cassel [/roman], am [roman:] 25. Juni 1865. [/roman]
Mein lieber [roman:] Hermann! [/roman]
Dein Antwortschreiben auf meinen Brief vom [/roman] 8. Janr: d. J. [/roman] habe ich am [roman:] 14 April [/roman] erhalten, auch ist mir Dein Schreiben vom [roman:] 15 Mai [/roman] am 18t d. M. zu Händen gekommen. Vor Allem zu dem neuen Ankömmling meinen herzlichen Glückwunsch, möge er mit den anderen Kindern zur Freude seiner Eltern gedeihen und Euch eine treue Stütze an ihnen Allen erleben lassen; was freilich in nächster Zukunft noch nicht der Fall sein kann, doch macht sich ja der kleine Karl, wie ich aus Deinem Briefe ersehe, schon nützlich und wird sich dies mit Zunahme seiner Geistes= u. Körperkräfte steigern._ Wie fühlen uns sehr beruhigt, daß endlich der schreckliche Krieg vorüber ist u. würden uns jetzt glücklich schätzen, wenn uns derselbe nicht einer braven unvergeßlichen Sohn gekostet hätte. Man sagt zwar, die Zeit mildert den Schmerz-, leider aber sind unsere Verluste in dem einen unglücklichen Jahre [roman:] 1863 [/roman] so unermeßlich groß gewesen, daß sie uns jetzt noch schwer darnieder drücken - und wie ein Leben verschmerzt werden können._ Es hat mich freudig erregt, aus Deinem vorletzten Schreiben zu ersehen, daß Dich der betroffene Unfall der Plünderung nicht nieder gebeucht, vielmehr zu neuem Muthe anspornte, möge Dein redliches Streben stets vom Glück begleitet sein u Gott Euch Allen dauerhafte Gesundheit verleihen, dann soll hoffentlich Alles noch gut gehen._ Das Anerbieten meiner Hülfleistung mein guter [roman:] Hermann [/roman] hast Du zwar abgelehnt, da aber [roman] Wilhm. [/roman]
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2.
[roman:] Wilhelm [/roman] ein Darlehn von [roman:] 600 Doll [/roman] wünschte, welche derselbe zum Ankauf eines Farms nach bedarf, so sende ich hierbei einen Wechsel über [roman:] 800 Doll._[/roman] und willst Du die überschießenden [roman:] 200 Doll. [/roman] als ein unverzinsliches Darlehen von mir annehmen. Ich habe bei Ankauf des Wechsels bedungen, daß derselbe dort in klingenden [roman:] Dollar [/roman] bezahlt werden muß und habe pr. Doll = 1 rh. 12 1/2 Sgr._ überhaupt = 1133 1/3 rh: entrichtet._ Vorsicht bei dem Verkauf des Geschäftes schreibe mir demnächst-, hier würde man bei Verkauf eines Wechsels höchstens 1/3 Prozent vergeben_. Ich hoffe, daß [roman:] Wilhelm [/roman] bei dem vorhabenen Ankauf vorsichtig zu Werke gehen und auf den Rath erfahrener Leute hören wird. [roman:] Wilhelms [/roman] schnelle Veränderung seiner Verhältnisse hat uns außerordentlich überrascht; er schreibt darüber indeß sehr oberflächlich und gibt Dein Schreiben doch noch einige Erläuterung; ich denke mir, daß die beiden [roman:] Clarenbachs [/roman] die Du in Photographie schicktest, Brüder von [roman:] Wilhelms [/roman] junger Frau sind? Hat dieselbe noch mehr Geschwister und lebt [roman:] Wilhelm [/roman] mit diesen zusammen und wie sind deren Verhältnisse? Eltern muß es doch sicherlich von Interesse sein zu wissen in welcher Lage sich ihre Kinder befinden!_ Dier todt geglaubte [roman:] Charles Clarenbach [/roman] ist, wie Du schreibst, aus feindlicher Gefangenschaft zurückgekehrt, welche unendliche Freude für seine Angehörigen mag diese glückliche Ueberraschung gewesen sein, ich wünsche herzlich, daß die niederträchtige Be
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Behandlung von den Scheusalen die des jungen Mannes nicht untergraben haben möge_. Die verruchte Ermordung [roman:] Lincolns [/roman] hat, kann man wohl sagen, alle civilisirte Welt empört, möge Gott das Leben des neuen Präsidenten der in allen Zeitungen als ein sehr tüchtiger, braver und energischer Mann geschildert wird, beschützen und sein Wirken segnen. Er wird sicher einen recht schweren Stand haben und auch wohl lange behalten, bis Ruhe und gesetzliche Ordnung in dem großen Reiche wieder eingekehrt sein wird-, wenn nur ein weiterer Krieg den U. S. fern bleibt! Daß Du Dich an Deinem Platze nicht mehr so wohl fühlst, bedaure ich herzlich, indeß finde ich es unter dem obwaltenden Verhältnisse sehr natürlich u. wünsche sehr, daß sich Dir bald darbieten möchte, Dich mit entsprechendem Vortheil verändern zu können._ Die größte Freude und Beruhigung für uns würde es sein, wenn Du mit [roman:] Wilhelm [/roman] zusammen an einem Orte wohnen könntest, wo Ihr Euch Euer Leben durch gegenseitige treuen Beistand sicher oft erleichtern würdet._ Wie ich aus Deinem Schreiben ersehe, hat Dir das Wasser viel zu schaffen gemacht und wird Deine Ernte verringern, hier ist ganz das Gegentheil der Fall, wir haben in hiesiger Gegend bereits seit mehreren Monaten keinen Regen gehabt und sieht es in Folge dessen in den Gärten u. Feldern trostlos aus. Frisches Gemüse ist noch sehr raar u. sehr theuer, die Eisenbahnen bringen wohl Manches, doch nur für reiche Leute; die bisherigen hohen Preise [underline:] aller [/roman] Lebensbedürfnisse steigern sich noch fortwährend_ Mit Be
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Beginn des Frühjahres haben wir große Sonnenhitze und oft kühle Nächte gehabt. In der Nacht vom 18t. auf den 19t. d. M., haben Kartoffeln, Bohnen, Gurken p. durch Frost bedeutend gelitten; außerdem ist jetzt schon gänzlicher Mangel an Grünfutter, weshalb denn mageres Vieh verschleudert und fettes zu sehr hohen Preisen verkauft wird-, wenn nicht sehr bald durchdringende Regen fallen, so sehen wir einer theuren Zeit entgegen._ Daß Du eine so bedeutende [roman:] Charge [/roman] im Staatsdienst bekleidest, hat uns wahrhaft amüsirt und unsere Lachlust erregt, wozu wir so sehr selten angethan sind; es ist indeß diese Stelle _ wenigstens bei uns _ sicher keine angenehme und wird es nicht fehlen, daß Du Dir durch treue Pflichterfüllung manchen Freund machen wirst, auch werden Deine Amtsverrichtungen so schlecht honorirt, daß Du Dir wenig Vermögen dabei beschaffen/ wohl aber Manches dadurch versäumen kannst. Uebrigens ist der Vortheil Deiner [roman:] Charge [/roman], daß Du 2 Jahre von der Militia frei bist, nicht unerheblich. Ich hoffe und wünsche sehnlichst daß Du &. [roman:] Wilhelm [/roman] nie wieder genöthigt sein möget die Waffen zum Krieg ergreifen zu müssen_.
[roman:] Wilhelm [/roman] wird Euch, da er nicht so entfernt von Dir wohnt, wohl öfters besuchen? wenn Ihr doch an einem Orte zusammen wohnen könntet, dies würde sicher das Lebensglück beider Familien erhöhen! Hat [roman:] Wilhelm [/roman] sein schönes Pferd behalten? _ Für Deine interessante Mittheilung über die liebenswürdige Stinkkatze bi ich Dir verbunden, schreibe mir nur mehr über die dortigen Jagden, namentlich, was ihr überhaupt für Wild Gat
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Gattungen udn Raubthieren habt. Vor Allem schaffe Dir nur bald thunlichst wieder ein gutes Gewehr an, was sicher ein dringendes Bedürfniß für Dich ist._ Von Deinen hiesigen Verwandten und Bekannten vermag ich Dir nicht viel Erhebliches mizutheilen._ Deine Tante [roman:] Louise [/roman], die uns zuweilen besucht, ist öfter leidend und ihre größte Sorge ist die Verwaltung ihres Vermögens, was stets ihre Hauptunterhaltung bildete. Du u. [Wilh.] habt ihrer Person in den letzten Briefen nicht erwähnt versäumt dies künftig ja nicht, denn sie hält große Stücke auf Euch u. kommt alsbald hierher wenn ich ihr mittheile, daß Nachrichten von Euch angelangt sind._ Der vortreffliche [roman:] Heliaer Wilhelm [/roman] ist noch immer [roman:] Commando [/roman] Jäger u. wird es wohl auch, wenn er sich ferner gut beträgt, für immer bleiben. Dessen jüngste Schwester / [roman:] Caroline [/roman] / wird sich in der Kürze mit einem Oeconomen, der in [roman:] Helsa [/roman] Kaufmann werden will, verheirathen_, die Partie scheint [underline:] mir [/underline] nicht sonderlig[1] gut._ [roman] Alber Harnickell [/roman] von [roman:] NewYork [/roman] war im vorigen Sommer hier, er hat uns nur einmal besucht, es scheint ihm ja gut zu gehen, er hat [roman:] Man Harnickell [/roman] / Sohn der zu [roman:] Beberbeck [/roman] verstorbenen Ankers / zum [roman:] Compagnon [/roman] angenommen, derselbe war die letzte Zeit in [roman:] London [/roman] in einem BanquierGeschäft & ist vor einigen Tagen nach [roman:] NewYork [/roman] von hier abgereist._ Deinen Vetter [roman:] Versen [/roman] in [roman:] Cörbecke [/roman] geht es recht wohl, derselbe besitzt jetzt, nach stattgehabter Verkuppelung / Zusammenlegung / ein prächtiges Gut von über 1000 Acker u hat mit demselben bedeutende neue Gutsgebäude aufgeführt. Wir sehen unsere hiesigen u. auswärtigen Verwandten selten, da wir weder große Besuchts- noch Reiselüste haben._
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Es freut mich lieber Hermann, daß Du Vergnügen und Erholung beim Lesen findest, wie gern würde ich Dir einige gute Werke aus meiner kleinen Bibliothek zukommen lassen, wenn es nur nicht so umständlich u. kostspielig wäre. Du stellst uns die Aussicht, daß Du einem Bekannten von Dir, der in diesem Jahre an den Rhein reisen wolle, bewegen wollest uns zu besuchen, was eine große Freude für uns sein würde u. hätte ich dann wohl eine passende Gelegenheit, Dir einige Bücher zu schicken._ Der 2t. Sohn unserer Hauswirthin - Maschinist [roman:] Conrad Schäfer [/roman] _ ist vor Kurzem von hier nach [roman:] New York [/roman] abgereist, derselbe wird auch nach [roman:] St. Louis [/roman] gehen und hat mir versprochen, wenn er dahin kommen wird, Dich in [roman:] Westphalien [/roman] zu besuchen. Er ist ein braver u. geschickter junger Mann, den die hiesigen u. FamilienVerhältnisse von hier vertrieben haben, er hatte sich uns mit großem Vertrauen angeschlossen-, ich kann Dir denselben bestens empfehlen. Meinen Brief an [roman:] Wilhelm [/roman] füge ich hierbei, ließ denselben und laß ihn dann recht bald in seine Hände kommen._ Lebe recht wohl mit den lieben Deinen, seid Alle recht, recht herzlich von mir gegrüßt, u. schreibe mir [underline:] sofort [/underline] nach Empfang dieses Briefes und sei bei Verwirthung des Wechsels ja recht vorsichtig &. laß Dich nicht übervortheilen. Unveränderlich Dein treu Vater
Konnte [roman:] Wilhelm [/roman] wirklich bei seinem vorhabenden Ankauf den Wechsel statt baar verwenden, und sich dann wegen Deines Antheils mit Dir berechnen und dadurch einen Vortheil erziehen?!
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Kassel den 25. Juni
Lieber Hermann!
Wir haben uns recht herzlich gefreut, daß Ihr noch alle wohl und munter seid. auch meinen aufrichtigsten Glückwunsch zu Deinem kleinen Söhnchen es freut mich sehr daß der Name Credé nicht ausstirbt. Karl wird wohl bald in die Schule kommen schicke ihn ja in eine deutsche Schule damit er uns auch einml[2] schreiben kann. Von Wilhelm ist es recht abscheulich nicht hierher zukommen da er es doch fest versprochen hatte, ich bin ihm darüber auch recht böse, denn wir hatten uns also schon recht darauf gefreut. Nun werden wir uns sobald nicht sehen da es doch noch lange dauern wird ehe wir hinüber kommen. Gefällt Dir Wilhelms Farm gut? ich möchte sie wohl mal sehen. Sind denn Freude deren Bilder Du uns schickest die Brüder von Emma. Es ist gut, daß es bei Euch endlich wieder ruhig geworden ist, nun wird sich auch Amerika bald erholen. Herzliche Grüße von mir an die liebe Marie und an die Kinder, amn herzlichsten sei Du gegrüßt und geküßt von Deiner Dich liebenden Schwester Therese
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Innigeliebter Herman! Meinen herzlichen Glückwunsch zu Euren kleinen Sohn möge Erzu euir aller Freude u Gluck gedei u groß werden, es freud mich sehr das Mari u die Klein gesund u munte sind, doch mach es mich traurig das ich Euch nicht beim Erzien u Pflege Eure Kinder helfe kan, wie mach die gutt Marie [illegible] kaß habe, ach muthe Ihr nur nicht zu viel zu, mein lieber Hermann sei Ja nur imm ein gute liebe Gatte, auch eine gutt liebende Frau u Mutter hat so viel zu leide u zu trage welche Ihr nur ... die liebe u gute das Mann kan vergeh wede doch Du bist unser gute liebe Sohn also bist Du auch gewis ein gute lieb Gatt u Vatte ach ich kan mich Dir noch imer nicht als solche denken._ Wie geht es den Großvatte ist Er jetz zielg gesud u munt Er scheind sich viel mit den Kinde zu befasse da ist er wohl jetz erträglich bitt schreib hir über gruß Ihn von mir recht herzlich ich bin es Ihm jetz gut da Er sich um die Kinde bekümm. Ich mag schliese der Vatt hat garzu kein Papir genomm u mein Auge sind so schwach ich sehe nicht was ich schreibe Du wirst auch Dein Last habe es zu lesen. Lebe wohl mein gut Hermann grüße u kusse die Kinde Marie u de Großvatt Schrebe recht bad u wie blei gesund u munte gutt recht da bei gute müst gebe Glück u Gedei zu die Fleiß diß wünsche am Schulische Deine Dich zehrtlich liebende Mutte Clothilde.
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