Collection: Crede Family Papers
Author:
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Heinrich Carl Crede and Clothilde Crede to their son Hermann Crede, February 5, 1871.
Original text
[roman:] Hessen_Cassel [/roman] den [roman:] 5t. Februar 1871 [/roman].
Mein lieber [roman:] Hermann [/roman]! Auf mein Schreiben vom 17. Juli / 8. Augu: [underline:] v. J. [/underline] bin ich bis heute ohne Nachricht von Dir geblieben, was uns Alle sehr besorgt macht._ Dein letztes Schreiben [insertion:] ist [/insertion] vom [roman] 25. Febr. / 25. März v. J. [/roman] u. versprachst Du darin nach 4 Wochen wieder zu schreiben-, es ist nun aber beinahe [underline:] ein volles Jahr [/underline] verstrichen, ohne daß wir von Dir direkt etwas gehört haben-, wenn Du nun auch, was ich glaube, recht viel zu schaffen hast, so darfst Du doch Deine Eltern u. Schwestern, die mit aller Liebe an Dir hängen, nicht so sehr vernachlässigen; wir dürfen daher wohl hoffen, daß wir recht bald Nachricht von Dir erhalten u Du das Versäumte nachholen wirst._ Wir haben seit Beginn des deutsch-franz. Krieges eine recht unruhige Zeit gehabt, obgleich - Gott sei's gedankt - der Krieg nicht auf deutschem Boden geführt wird, so sind wir doch durch viele Einquartirungen, die bei beschränkter Wohnung, namentlich zur Winterzeit, sehr lästig werden, heimgesucht worden, wodurch auch bei jetzigen sehr hohen Preisen aller Lebensbedürfnisse nicht unbedeutende Kosten erwachsen, der häufigen finanziellen Opfer, die zum Wohle unserer im Felde stehender Truppen zu bringen sind, nicht zu gedenken; doch gibt man alles freudigen Herzens in der frohen Hoffnung eines baldigen dauerhaften Friedens u freisinniger Verfassung._ Der Friede dürfte nun wohl, nachdem [roman:] Paris [/roman] capitulirt hat, hoffentlich nicht mehr fern sein_ u. werden die Franzosen diesen Krieg den sie so gewaltsam in frivolster Weise herbeigeführt haben, im ersten Jahrhundert nicht vergessen u. verschmerzen; auch Deutschland hat unendlich gelitten, wenn man bedenkt, daß Tausende von braven Männern, die zur Bekämpfung des Feindes ausgezogen, nicht wieder heimkehren, doch müßte es ja sein._ Für die Hinterbliebenen der Gefallenen p. geschieht sehr viel, sie können indeß den Ihrigen nicht ersetzt werden._ Nun zu etwas Anderem_. Deine Schwester [roma:n] Adelheid, [/roman] deren Verlobung ich Dir in meinem letzten Schreiben anzeigte, hat nunmehr am 22. v. M. sich verheiratet. Die Hochzeit sollte schon früher stattfinden, mußte aber wegen des inzwischen eingetretenen Todes des Vaters meines Schwiegersohnes verschoben werden. [roman:] Adelheid [/roman] ist recht glücklich u. bürgt mir auch wohl der edle Character ihres Mannes, daß sie es auch für alle Zukunft sein wird_, was Gott geben mag_. Den Vater [roman:] Adelheids [/roman] Gatten _ Hofbauconducteur [roman:] Stock [/roman] zu [roman:] Fulda [/roman], ein Jugendfreund von mir, mußt Du Dir wohl noch erinnern, er besuchte uns schon zur Zeit als Ihr noch zu Hause waret, wohl alle 2 Jahre einmal. - Deine gute Mutter ist den ganzen Winter über leidend gewesen, ohne gerade bettlägerig krank zu sein_ hauptsächlich Nervenschwäche, seit 14 Tagen geht es ihr indeß [underline:] bedeutend [/underline] besser u. hoffen wir, daß der kommende Frühling ihre gänzliche Herstellung herbeiführen wird. Therese u. mir geht es ja gut u. obwohl meine Arbeitskraft sehr in Anspruch genommen wird, so befinde ich mich doch wohl dabei. Ich habe jetzt ein Diensteinkommen von jährlich = 850 rt / was unseren bescheidenen Ansprüchen vollständig genügt._ [roman:] Adelheids [/roman] Aussteuer hat bedeutende Kosten gemacht, doch sind auch diese ohne Schulden zu contrahiren bestritten worden. - Hierbei mein lieber [roman:] Hermann [/roman] erhälst Du nun auch endlich das Concept zu dem von Dir u. [roman:] Wilhelm [/roman] auszustellenden Verzicht -, wie solchen bei dem hiesigen Gericht genügen wird, um demselben jedwede Gelegenheit abzuschneiden, sich nach meinem Ableben in die VermögensAngelegenheit meiner Hinterbliebenen zu mischen_. Du willst nun demnach die Urkunde ausfertigen u. solche mit [roman:] Wilhelm [/roman] vor dem betreffenden Gerichte anerkennen u. unterschreiben. Die Urkunde bedarf dann der Beglaubigung eines höheren Gerichts bzws. des Gouverneurs u. des Visas des preussischen Consuls-, der Weg den dieselbe zu machen hat, wird Dir ja besser als mir bekannt sein._ Ich werde Euch hiermit viel Mühe machen, was mir herzlich leid ist, indeß wird es mir eine große Beruhigung sein, diese Sache geordnet zu wissen._ Der Zweck, welchen die Urkunde haben soll, ist Dir hinreichend bekannt u. unterlasse ich deshalb alle weitere Auseinandersetzung, indeß bemerken will ich nur, daß es Deiner Mutter u. Schwestern nach meinem gegenwärtigen Vermögensstande, der
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der hoffentlich nicht verschlechtert werden soll, nicht mehr ertragen mag, als ich Euch zukommen ließ. Gern hätte ich ja mehr für Euch getan, allein Deine Mutter u. ich haben ja ohne alles Vermögen angefangen u. das was wir haben, unter sehr ungünstigen Verhältnissen durch Fleiß u. Sparsamkeit errungen._ Sollte ich im Leben noch das Glück haben, in den Besitz weiteren Vermögens zu kommen,- wozu freilich wenig Aussicht da ist,- so werde ich Eurer nicht vergessen, da mir alle meine Kinder gleich lieb u. recht sind._ Von unseren Verwandten habe ich Dir nicht viel zu schreiben. Deiner Tante [roman:] L. [/roman] in [roman:] K. [/roman] geht es - abgerechnet, daß sie hin u. wieder leidend ist, gut, sie hofft sehr darauf, daß Du ihr mal schreibst.- Daß [roman:] Marie Schneider [/roman] zu [roman:] Helsa [/roman] sich mit dem dasigen Oberförster [roman:] [?] Basch [/?] [/roman] verheirathet hat, habe ich Dir wohl schon früher geschrieben. [roman:] Heinrich Harnickell [/roman] [insertion:] Hauptmajor im Jägerregiment [/insertion] _ Sohn Deines zu [roman:] Beberbeck [/roman] verst. Onkels, hat das Unglück gehabt, daß ihm in diesem Kriege durch eine feindliche Kugel der rechte Arm zerschmettert wurde, dessen Brüder [roman:] Wilhelm [/roman], der Lieutenant in jenem Regimente war, ist im Lazareth bei Würth gestorben. [roman:] Heinrich Rhein [/roman] - Dein Vetter - Hauptmann im großen Generalstabe, hat sich in diesem Feldzuge das eiserne Kreuz verdient.- Schlieslich mein lieber [roman:] Hermann [/roman] hoffe ich nun, daß Du uns recht bald mittheilst, wie es Euch Allen geht-, auch für den Fall [underline:] alsbald [/roman] schreibst, wenn selbst, wie ich wohl erwarte, ein Brief von Dir mit diesem Schreiben kreuzen sollte. Grüße die lieben Deinen herzlich u. sage Carl, daß er mir den versprochenen Brief recht bald schickt, worauf ich ihn denn auch einen besonderen Brief schreiben wollte. Lebet Alle recht recht wohl u. gedenke Du oft Deines treuen Vaters. Cre.
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Mein lieber guter Hermann! Zu Deinem 36 Geburtstach die herzlichsten Glückwünsche möge Dir der liebe Gott alles geben was Dich froh u glücklich machen kann vor allem Deine Gesundheit u Zufriedenheit, uns aber wünsche ich das Du uns nicht ganz vergisst; sind wir Dir den so gleichgültig geworden das Du uns ganze 11 Mohnate ohne jede Nachricht lässest, ich weiß wirklich nicht was ich dafon denken soll ich bitt Dich schreibe ja gleich wieder, Du glaubst nich wie sehr mich Deine Nachrichten jetz bei meiner großen Schwäche quelt, ach wen man gesund ist verträgt man alles leichter Wie geht es Euch allen Die Kinder sind doch gewiß recht groß geworden bitt schreib mir ja von iede einzlen etwas ob sie gut u fleisich sind u tüchtig lernen, wie macht es mich namentlich zu Ihrem Geburtstage u auch Weihnachten so traurig das ich die lieben nicht erfreuen kann ich habe doch stäts die Kinder so gern gehabt u kan nun nicht mahl meine geliebte Enkelgen mit etwas erfreuen diß macht mich recht traurig. Grüße u küsse mir Karl, John u. William [strikethrough:] [illegible] [/strikethrough] u erzähle Ihnen auch von Ihre alt Großmuter die sie so herzlich lieb hat u seihe auch Du herzlich geküßt von Deiner Dich zertlich liebende Mutter!
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