Collection: Crede Family Papers
Author: Heinrich Carl Crede
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Heinrich Carl Crede to his son, Hermann Crede, April 19, 1874.
Original text
[roman:] Cassel, den 19t. April 1874. [/roman]
Mein lieber [roman:] Hermann! [/roman]
Mit Sehnsucht haben wir seit [underline:] lange [/underline] einer Nachricht von Dir entgegen gesehen, aber leider vergebens, sollte mein Antwortschreiben auf [underline:] Deinen letzten Brief vom 14, März [underline *2:] vorigen Jahres [/underline *2] [/underline] - nicht in Deine Hände gelangt sein, ? so hättest Du dennoch einmal schreiben können, da Du wohl denken kannst, wie sehr es uns beunruhigt, wenn wir in so langer Zeit nichts von Euch hören; ich hoffe wohl, daß ehe Du diesen Brief erhälst, wir Nachricht von Dir haben u. unsere Briefe kreuzen.- Von [roman:] Wilhelm [/roman] haben wir im vorigen Monat Brief gehabt_ leider konnte er von Dir u. Deiner Familie keine Mittheilung machen, da - wie er sagt, lange nichts von Euch gehört habe; ich hatte abgenommen, daß Ihr euch, bei der geringen Entfernung die Euch trennt, öfter sehen würdet, was ich so sehr wünschte_. Seit meinem letzten Schreiben hat es stellenweise bei uns nicht gut gegangen, namentlich bei [roman:] Adelheid, [/roman] welche im [roman:] August v. J. [/roman]
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mit einem 2ten. Töchterchen niedergekommen, recht leidend war u bald genöthigt wurde, das Stillen des Kindes zu unterlassen, das kleine Wesen war später so elend, daß Niemand an dessen Aufkommen glaubte, hat sich aber in den letzten Monaten wieder recht erholt u ist jetzt ein prächtiges Kind. [roman:] A [/roman] ältestes Töchterchen ist am 2t. v. M. zwei Jahre alt geworden u. ist ein sehr liebes Kind, was uns viel Freude macht. Mein Schwiegersohn wohnt jetzt mit uns in einem Hause und haben wir unseren Mittagstisch zusammen, was für Mutter u. [roman:] A. [/roman] angenehm &. bequem ist, da sie mit der Küche alle acht Tage wechseln_. Deiner lieben Mutter hat es den Winter über gar nicht gut gegangen, sie war öfter so leidend, daß sie das Bett hüten mußte, doch geht es ihr jetzt wieder ziemlich gut, auch [roman:] Therese [/roman] ist hin u. wieder kränklich geworden, doch hoffe ich, daß sie sich mit der jetzt beginnenden schönes Jahreszeit wieder recht erholen wird. Was
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Was mich anbelangt, so befinde ich mich - so etwas Rheumatismus abgerechnet - recht wohl u. kräftig-, freilich ist mein Bart ziemlich weiß geworden u. hat sich auf meinem Kopfe ein kleiner Tanzplatz gebildet, doch ist das übrige Haupthaar noch ziemlich stark u. blond, ich bin mit Allem ganz wohl zufrieden, wenn ich erwäge, daß ich so Gott will! am [roman:] 5. August d.J. [/roman] meinen 63 jähr. Geburtstag feiere, und am [roman:] 21t. d. M. 39 [/roman] Jahre in glücklicher Ehe gelebt habe u. noch so rüstig bin, daß ich noch eine volle Arbeitskraft zu repräsentiren im Stande bin. Außerdem haben sich meine finanzielle Verhältnisse zu meiner Zufriedenheit gestaltet, ich beziehe jetzt ein DienstEinkommen von überhaupt jährl. 1250 rt., was uns in den Stand setzt, selbst bei den enorm hohen Preisen aller Lebensbedürfnisse, sorgenfrei
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frei zu leben u. uns noch einen Nothpfennig für die Zukunft zurück zulegen._ Deiner Tante [roman:] Louise [/roman] geht es gut, ich habe sie vor Kurzem in [roman:] Kaufungen [/roman] besucht, sie kommt selten zu uns u. dann nur auf sehr kurze Zeit_. Bei unseren alten Freunden auf der Hütte geht es jetzt nicht gut, Spieß ist schon einige Zeit leidend, [roman:] Nanny [/roman] seit 3 Jahren an einem Redacteur in [roman:] Frankfurt [/roman] verheirathet, vor Kurzem in Wochen gewesen u. gegenwärtig noch sehr krank. [roman:] Carl [/roman] auf einem Bergwerk bei [roma:n] Strasbourg [/roman] angestellt, hat seine Frau im 2t. Wochenbett verloren u. sich anderweit verheirathet. [roman:] Adolph [/roman] ist Beamte auf Rinkenkuhl bei [roman:] Helsa [/roman], war verheirathet, seine Frau starb im Wochenbett, nachdem sie mit Zwillingen niedergekommen , welche am Leben geblieben sind. Viel Schicksal - worin sich aber dennoch gefunden werden muß-, wo ist der Mensch der ohne harte Prüfung durchs Leben geht?!
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Mein lieber Hermann!
Eigentlich wollte ich gar nicht schreiben, da Du uns solange ohne Nachricht lassen kanst, doch ich weiß nicht wie lange ich noch schreiben kann ich bin diesen Winter viel krank gewesen und habe noch immer arge Gicht Schmerzen im rechten Arm u habe wenig Hofnung, daß es besser wird. Wie habt Ihr alle die Zeit hingebracht, doch hoffentlich gesund, Du wirst nun bald Hülfe an Dein Kinden haben u da bin ich froh, bist Du noch so viel mit Deinen Amt beschäftigt u wie gehen die Geschäft überhaupt, ich wolte ich währ mit allen meinen Kindern bei Euch es gefält mir alle Tage schlechter in Kassel, trotz den vielen neuen Häuser u Straßen, Du wirst Dich wundern wie sich alles verändert hat. Tante Harnicke ist auch Ihren langen Leiden erlegen. Sie ist vor 3 Wochen gestorben Sie hat wenig Freude an Ihre Sohn Karl gehabt u der Tocht Ihr bester Freund. Rudolf Hagemann u Fritz Rawia lassen Dich bestens grüßen. Hier bei schick ich Dir ein Bild von Wilhelm Lampmann der hat sein Schäfgen im Troknen u kam in sein 44 Jahr als Rentner leben. Lebe wohl mein lieber Hermann grüße u küsse alle Deine lieben u schreibe recht bald von jede Deiner Lieben daß ist der größte Wunsch Deiner Dich zertlich liebenden Mutter
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Ich hoffe u. wünsche recht sehr mein lieber [roman:] Hermann, [/roman] daß Du uns nun recht bald benachrichtigst, wie es Euch Allen u, jedem Einzelnen insbesondere geht u. seither ergangen ist. Deinen Plan uns einmal zu besuchen, wirst Du doch hoffentlich nun bald ausführen; Carl muß ja schon ziemlich herangewachsen sein, so daß er Dich wohl stellenweise bald vertreten kann bei den ökonomischen Arbeiten. Meine größte Lebensfreude würde es sein, wenn ich meine Kinder u. Enkel alle einmal zusammen sehen könnte-, doch ist dies wie wohl einzusehen, ein frommer Wunsch der sich nie realisiren kann. Mit den besten Wünschen für Euer Aller Wohlergehen u. den herzlichsten Grüßen verbleibe ich Dein treuer Vater.
Den von [roman:] Carl [/roman] seit langer Zeit in Aussicht gestellten Briefe sehe ich noch immer entgegen u. hoffe, daß er recht bald Wort hält! [roman:] Therese, Adelheid & August [/roman] grüßen Alle herzlich.
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