Collection: Crede Family Papers
Author: Heinrich Carl Crede
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Heinrich Carl Crede to his son, Hermann Crede, May 19, 1876.
Original text
[roman:] Wiesbaden [/roman] d [roman:] 19t Mai 1876. [/roman]
Mein lieber [roman:] Hermann [/roman]!
Du wirst Dich wundern u. sicher auch freuen, daß endlich mein Plan das Bad hiers. zu gebrauchen zur Ausführung gekommen ist. Ich habe die Reise in Begleitung unseres Vetters [roman:] Wilhelm Lampmann [/roman] gemacht u. sind wir bereits am 8t. d M. hier eingetroffen, wir wohnen in einem Badehause u. führen einen recht gemüthlichen Junggesellenhaushalt. Morgens 6 Uhr wird aufgestanden, um 7. trinken wir am Kochbrunnen 2 Glas Wasser, gehen bis 8 im Curgarten spaziren, nehmen dann ein Bad, nach demselben wird Kaffee getrunken u. sich eine halbe Stunde zu Bett verfügt; hierauf rauchen wir gemüthlich eine Pfeife, machen dann einen Spaziergang u. trinken bei dieser Gelegenheit ein vorzügliches Glas Bier. Unser Mittagessen verzehren wir auf unserem Zimmer ruhen eine Stunde u. machen dann größere Touren in der Umgegend von Wiesbaden, die wirklich wunderschön ist, wo wir in der Regel erst nach 8 Uhr Abends zurückkehren, auf unserem
[page 2:]
unserem Zimmer ein einfaches Abendessen einnehmen, nach welchem wir denn uns in eine Restauration verfügen um den nötigen Schlaftrunk zu holen. Obgleich für Alles schon theuer ist, so haben wir doch bei unserer finanziellen Einrichtung verhältnismäßig billig. Von der Wirkung des Bades kann ich bis jetzt noch nichts sagen, als daß ich mich etwas angegriffen fühle, was ein gutes Zeichen sein soll; ich will das beste hoffen u. werde Dir seiner Zeit [insertion:] vom Erfolg [/inserion] Nachricht geben._ Nun will ich Dir über mein jetziges Dienstverhältniß Mittheilung machen. Die Königliche Generalverwaltung des Kurfürstlichen Hausfideikommisses ist seit dem [roman:] 1. Jan. [/roman] aufgelöst u. der Königlichen Regierung zu Cassel einverleibt worden, ich habe meinen früheren Geschäftskreis zwar behalten, indeß ist das Dienstverhältniß wo über 200 Beamten sind, kein gemüthliches, außerdem habe ich mein [roman:] Bureau [/roman] gleicher Erde u. ist dasselbe sehr kalt u. unfreundlich, was für meine Gesundheit sicher nicht gut ist, ich glaube deshalb, daß ich nicht sehr lange mehr im Dienste bleiben werde, sondern wohl vorziehe Pension zu nehmen um den Rest meiner Tage in Ruhe zu verleben, ich werde immerhin so viel haben, um mit Deiner guten Mutter ein sorgenfreies Leben führen zu können.
Nach Auflösung der Generalverwaltung haben mir - Seine Majestät der Kaiser in Anerkennung meiner Leistungen den Königlichen KronenOrden verliehen, was in sofern eine besondere Auszeichnung ist, als derselbe Beamten
[page 3:]
Beamten, welche tadellos gedient haben, erst nach Ablauf des 50ten. Dienstjahres verliehen wird. Am 22t. v. M. haben wir in unserer Wohnung [roman:] Therese's [/roman] Hochzeit gefeiert, die Gesellschaft war nicht groß / 30 Personen / indeß recht heiter u. vergnügt_ nur bei mir wollte eine wirklich fröhliche Stimmung nicht einkehren, der Gedanke, daß ich mich auch nun von meinem letzten guten braven Kinde trennen mußte, ließ eine solche nicht zu. Am [roman:] 24. [insertion:] v. [/insertion] M. [/roman] ist [roman:] Therese [/roman] mit ihrem Gemahl nach [roman:] Straßburg [/roman] abgereist, sie hat schon einigemal geschrieben, scheint sich aber - was wohl auch nicht zu verwundern ist - dort noch nicht gewöhnen zu können. Am [roman:] 1. Juni [/roman] werden [roman:] W. L. [/roman] u. ich von hier abreisen u. Therese in Straßburg besuchen, worauf ich mich recht herzlich freue, wir werden etwa 8 Tage dort verweilen, dann eine Reise in die Schweiz machen u. durch das schöne Baden nach Hause zurückkehren. In [roman:] W. L. [/roman] habe ich einen herzlichen Reisegefährten, der Alles auf das Beste besorgt u. mir eine solche Aufmerksamkeit bezeugt, wie ein liebender Sohn nur gegen seinen Vater bezeugen kann. Von Hause habe ich gestern Nachricht gehabt, Alle sind wohlauf, Deine gute Mutter wird während meiner Abwesenheit einige Wochen bei unseren Freunden auf der alten Hütte zubringen, am Ort, wo sie sich wohl befindet u. herzlich gern gesehen wird. Viele Grüße habe ich von Deinem Jugendfreund Carl Winhold auszurichten, der [insertion:] mit Frau [/insertion] auch [strikethrough:] auf [/strikethrough] [roman:] Theresens [/roman] Hochzeit beiwohnte u. recht heiter war._ Er
[page 4:]
Es ist nunmehr in unserem Haushalt so ruhig geworden, daß es wahrhaft trostlos für uns sein würde, wenn [roman:] Adelheid [/roman] nicht in unserem Hause wohnte u. die lieben kleinen Mädchen zu unserer Zerstreuung beitrügen. Könnte ich doch mal bei Euch sein und Deine u. [roman:] Wilhelms [/roman] Familie zusammen sehen-, einen Theil meines Lebens wollte ich dafür ablassen. Leider kann ich nicht dorthin kommen, wohl aber Du einmal hier her-, wie steht es mit Deinem so lange schon versprochenen Besuch? Dürfen wir Dich im künftigen Herbst erwarten? Du hast uns wieder recht lange ohne Nachricht gelassen _ das ist nicht schön-, hoffentlich geht es Euch Allen gut. Schreibe uns recht bald u. recht speziell über Deine Kinder, damit wir sie im Geiste sehen können, da es außerdem nicht möglich ist. Dein Karl hat mir seit Jahr u. Tag einen Brief versprochen, es würde mich sehr freuen, wenn er recht bald Wort hielt. Von [roman:] Wilhelm [/roman] habe ich auch seit mehreren Monaten nichts gehört, ich hoffe, daß es ihm mit seiner Familie gut geht, der arme Junge hat ein saures Leben u. hat sich sein Fleiß bis jetzt schlecht belohnt-, besuche ihn bald einmal-, ich werde ihn heute auch noch schreiben. Lebe mit den Deinen recht wohl mein lieber [roman:] Hermann [/roman], seid Alle von mir herzlich gegrüßt u. vergiß nicht Deinen treuen Vater.
[page 4, left margin:]
Deine Antwort addressire nach [roman:] Cassel. [/roman]
[/page 4, left margin]
Letter metadata




