Mein lieber Hermann!
Obgleich wir auf unseren letzten Brief noch keine Andwort haben u ich hatt doch so sehr darauf gehof da Du in Deinem letzten Brief uns bald wiede zu schreiben versprachst will ich doch nicht geleiges mit gleigen vergelten, u fragen wie es jetzt bei Euch geht u was mein liebe Jungens machen?._
Von Wilhelm der uns öfters schreibt haben wir gehöhrt u wie Er schreibt hatt auch Er es durch fremde Leute erfahren daß Dir 2 Deiner Kinde durch den bitren Todt entrissen sind, da ich durch Erfahrung weiß wie schmerzlich es ist am Sterbebette eines geliebten hoffnungsvollen Kinde zu
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stehen u wie mann sorgen helfen u retten möchte u alles bitte u flehn zum lieben Gott doch unsere Lieblinge entrissen werden, so sage ich doch mit ergebung in Gottes [illegible] Willen / Herr Dein Wille geschehe Du hast mein Kinder lieb darum nimst Du sie in Ihrer Unschuld u Unmündichkeit aus diesem Irdischen Jammertahl /.-
Wie wird sich Ihre Mutter in der Ewigkeit freu 2 Ihrer Kinde nun bei sich zu haben u damit mußt auch Du Dich trösten daß sie wohl aufgehoben sind u besser versorgt alls Du jemahls mit den besten Willen für Sie sorgen kontest._ Ach Du lieber Gott wie ruhig würde ich sterben wen ich unser armes unglückliches Therese mit Ihren liebligen Tochtergen so wohl geborgen wüßte._ Du hast doch die Kinde an die Seitt Ihrer Mutter begraben, es sind nun schon 23 Jahr daß Du auch meine arme Mutter begrubest, denkst Du auch wohl an Ihr Grab
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oder ist es ganz vergessen? Ich bitt Dich wenn möchlich so erhalte_
Mir geht es diesen Winter noch [strikethrough:] w [/strikethrough] wiede garnicht gut ich muß viele Schmerzen leide das bring das Alter mit sich u ich beklage mich auch nicht ach wenn ich nur recht lange bei unser armen Therese bleiben könt so ist Sie doch so lang vor Noth geschützt ich bin Ihr einziger Trost der Papa meint es ja auch recht gut mit ihr aber der gut Mann ist sehr wunderlich launig das arme Kind muß vie ertragen an Adelheid u den Mann hat sie gar keine Hülfe die mißgönnen Ihr schon jetzt das Stückgen Brod was sie bei uns hatt die sind beide sehr genußsüchtig bei denen schütz u reicht nichts, die haben eine Gehald 1200 [illegible] u doch nichts übrig u kein Gut da sie den Wehrt der Häuslichkeit nicht kennen._
Nun mein lieber Hermann schreibe recht bald wiede u wie es Euch geht u welche von Deinen Söhnen Dir geblieben sind u wie das Ende
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der Verstorbenen wahr ob sie lange u schwehr gelitten habe u Ihr Ende sanft erfolgte u ob Du selbst Ihren letzten Atemzug gesehen hast, ach es ist ein süser Trost von den Verstorbenen zu reden u alle Ihrer Handlungen sich zu erinnern Lebe recht wohl mein lieber grüße mir Deine liebe Frau die noch übrige Söhne u sei Du u Ihr Alle unter des lieben Gottes Schutz u Schirm immer dar daß ist daß Gebeth Deiner Dich zertlichlieben Mutter
Zu Deinem bevorstehe Geburtstag die besten glück Wünsche