Sammlung: Eugen and Emma Klee Letters
Verfasser: Eugen Haas
Empfänger: Eugen Klee
Bezeichnung: Brief von Eugen Haas an seinen Onkel Eugen Klee, 6. Februar 1912.
Eugen Haas an Eugen Klee, 6. Februar 1912
Original text
Heuchelheim b. Frankenthal, 6. Febr.1912
Wie du, so stecke auch ich eben bis über die Ohren in Arbeit. Nichts als Konferenz und Konferenz und dazu noch [?] Frauen [/?] dienst; kaum Zeit zu eigner Muße. Aber leicht wird mirs; denn seit meiner Reise mit dir bin ich gesund und frisch und die Interlakener Luft hat mich zu einem andern Menschen gemacht. Meine Reise mit dir schreibe ich, wenn je ein bißchen Zeit sich gibt, gerade nieder und
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zwei Artikel habe ich an die "Pfälzische [?] Lehrer [/?]" zeitung geschickt zur Kritik und Aufnahme. Wenn sie gedruckt werden, hoffe ich sie dir zu [?] geben [/?]. Was Körperpflege angeht, so tue ich mein Möglichstes; jeden Tag turne ich im Zimmer und das Schlittschuhlaufen auf spiegelglatter Fläche tut mir eben sehr wohl. Letzteres in Gemeinschaft mit meinen Mädels. Die können gar nicht genug bekommen; auch in anderer Beziehung. Ich hab' oft meine liebe Not. - - Was machen deine Vorbereitungen
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zum Sängerfest. An Arbeit wirds dir nicht fehlen; aber sie wird dir nicht zu hart kommen, denn der gestärkte Körper kann schon was ertragen. - Wie oft denke ich an unser gemeinsames Wandern. Weißt noch, lieber Onkel, wie wir auf dem Abendberge herumgeklettert sind? Denkst du noch an die Konzerte des Markusplatzes? Mir sind es liebe Erinnerungen. Ich habe seit der Reise ein viel stärkeres Verlangen nach Schönem als früher. So muß ich jetzt jeden Monat einmal ins Theater
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Wie geht es Eugen Heck? Er läßt gar nichts hören.
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nach Mannheim. Letzten Monat habe ich Lohengrin gehört und kommenden Sonntag gehen wir in die "Frühlingsluft" von Strauß. "Wir" - das ist meine Lisbeth und ich, dazu deren Schwester und der dazugehörige (insert, in brackets: zuige) Kollege [?] Lerpler [/?]. In deinem letzten Briefe schriebst du mir Dank für meine [?] Weinkarte [/?]. Hast du, lieber Onkel, meinen Brief zuvor, in welchem ich über den Wein schrieb, nicht erhalten? Ich will noch einen zweiten Bogen nehmen, aber Lisbeths Hoftor klopft beständig auf und zu (es ist vom Schulhaus schräg gegenüber) und das ist ein Zeichen, das man nicht erwartet. Hoffentlich gibts keine Brummelsuppe, wegen des langen Bleibens heute Abend. Dir, lieber Onkel
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herzliche Grüße und Küsse von deinem Viele Grüße an Alle! getreuen Neffen Eugen
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