Sammlung: Ziegenhagen Family Letters
Verfasser: Franziska Ziegenhagen (Mansolf)
Empfänger: Dora Schmidt (Ziegenhagen)
Bezeichnung: Brief von Franziska Mansolf an ihre Stiefmutter Dora Ziegenhagen, 1. November 1901.
Franziska Mansolf an Dora Ziegenhagen, 1. November 1901
Original text
Stegers 1/11
Liebe Mutter
Deinen traurigen Brief habe ich erhalten und erfahren das Vater todt ist wie gerne hätte ich ihn wohl gesehen aber leider den ich war ihm sehr sehr gut jetzt must du dich an deinen Kindern halten wem die nur gut sind ich habe heute am Allerheiligen Tag auf Messen und Fürbitten gegeben für Vater und werde noch mehr geben ich sehe meinen lieben Vater immer lebendig vor Augen weil mein Sohn Paul meinen Vater so ähnlich ist und kein Haar an seinen
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Haupte ist was nicht meines Vaters ist wer weiß ist von deinen Kindern eins so änlich wie er ist und so gut von Herzen er besorgt alles ohne seinen Vater jetzt sind meine trübe Tage vorüber und die beiden Jungen dürften icht nach Amerika gehen Franz hatte über drei tausend Thaler und vergas Reichthum macht nicht glücklich Zufriedenheit macht froh und der kleine Alois wollte nicht Soldat spilen sonst sie gehen hir alle freiwillig zum Militär und verdinen sich einen Posten und den Bekommen sie die reichste Braut einen Bauern will kein Mädchen mehr alle einen Beamten heirathen
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mit Rosen das ist die einzige Stelle auf der ganzen Welt wo das Geld so reichlich fliest wis Wasser in Deutschland aber das wird man[1] kein Paradis für die Ewigkeit [insertion:] sein [/insertion] du schreibst wegen dem Erbtheil wir verlangen nichts wie du das machst ist uns gut genung und mit dem Waginske werde ich schreibe das er zu uns komt ich habe ja seine jüngste Tochter schon 5 Jahre bei mir ich werde alles besorgen aber warum habt hir das im Leben nicht besorgt das er dir das verschreiben läst hir machens die Leute alle so aber schreibe uns wie wir das machen ob das vom Rechtsanwalt muss oder ob das so gnügt sonst wir verlangen nichts nichts
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Aber liebe Mutter mein Schmerz das meine beide Jungens in Amerika sind bringt mir ind die Erde du kanst nicht glauben welcher Stich mir durch Herz ging wie Schwester Maria schrieb er war bei fremden Leuten auf Arbeit gewesen was doch Erste in seinen Leben war du glaubst nicht wie ich ihm aufge=past habe und wie gut ich meinen lieben Alois war weil er das jüngste war und ichs Leben für ihn gab und jetzt habe ich ihn lebendig begraben den er zog in seiner lieben Dumheit fort wenn sie noch so vil Fleich da haben den weiß ich er ist sich doch nicht hat aber er wird jetzt wohl anders werden und Franz hat aus Neihart geschrieben das ist ein Paradis
Anmerkungen
- ^ "man" = "aber"




