Sammlung: Schweitzer-Guggenheimer Letter Collection

Verfasser:

Marie “Malchen” Bernheimer (Schweitzer)

Hirsch Schweitzer

Ernestine Schweitzer

Empfänger: Isaac Schweitzer

Bezeichnung: Brief von Hirsch Schweitzer, seiner Frau Marie "Malchen" Schweitzer und ihrer Tochter Ernestine Schweitzer aus ihrem Haus in Mühringen an ihren Sohn Isaac Schweitzer, der in die Vereinigten Staaten ausgewandert war und damals in Baltimore lebte. Der Brief wurde kurz vor und in Erwartung von Isaacs Hochzeit mit Isabella Guggenheimer geschrieben, die einige Wochen später, am 16. September 1875, in Philadelphia stattfand.

Brief der Familie Schweitzer an Isaac Schweitzer, Juli 28, 1875

Englischer Text

Original text

Mühringen, 28. Juli 1875

Lieber Isak!

Wir erhielten von dir in kurzer Zeit deine sämtliche Briefe und freut uns immer dein Wohlsein zu vernehmen, wollten jedoch noch schreiben warten bis du uns deine genaue Adresse angibst. So erhielten wir heute deine Briefe vom 12. d. Mts ist Photografie deiner l. Braut die unseren sämtlichen Beifall ganz findet, auch die Beilage des Herrn Kaufman hat uns gefreut, das er gut gereist, aber nur so wenig geschrieben hoffe ein anders mal mehr, nur lassen ihn bestens grüßen,

wir befinden uns G.s.d alle wohl, da du deine baldige Hochzeit in Aussicht hast kann uns  nur freuen, wird mir eben imer Herz nur schwerer, indem wir voriges Jahr um diese Zeit nicht glaubten, das es deinen Eltern für ihren einzigen Sohn nicht vergönt sein soll, vor dem Altare zu führen, ich will nicht fortfahren, und will es zu Gottes fügung annehmen es steht mit [?, hole] dir und mit Gottes Hilfe Deine Eltern u. Geschwister seiner Zeit wieder gluklich zu machen was auch Kinder schuldig sind.

wir haben dieser Tage unser l. Luise geschrieben möchte uns mit ihren beiden Kindern besuchen, möchte sie auch wieder sehen, unsere l. Berthe ist G.s.d. wieder besser konnte nicht hir her die Klein Kinder verlassen der l. Isak war vorige hir übernacht macht ordentliche Geschäfte bei uns geht es etwas still im Geschäft da zufelig die Ernte ist, wird allemal wieder anderst,

es wird ungefähr 3 Wochen sein das hr. Einstein zu uns kam, war den ganzen Nachmitag bei uns, haben ihm alle Aufmerksamkeit geschenkt, ging mit ihm zum Eßlinger was ich mit denselben schon vorher besprochen, und hat dort sein Geld in empfang genomen, und reiste Abends wieder ab, sagte uns das er auch bald nach Baldimore komen wird Löwenthal findet wenig Beifall hir ist etwas überspant erzählt uns nichts und wir fragen nichts das so Kaufman gut angelangt, erfuhren wir durch unser Berthe, seine  Schwester war bei unsere Berthe und sagte sie soll es uns schreiben u. grüßen, desto freundlicher ist Elsäser mit uns, hat uns schon vorher viel besucht, hat schon mehrere Brief an Onkel Joseph geschickt, und ich habe ebenfalls einen beigelegt, hat aber bis heute noch keine Antworten, wenn du es erfährst, kanst uns doch sagen, warum er nicht schreibt.

wen ich mit unserer Ernestine ein anständige Parthie machen will so kostet es jedenfalls Tausende aber woher? Es wird sich hir kaum etwas machen lassen, so wird uns der l. Gott den rechten Weg führen obschon wir sie kaum von hir weg lassen können, die Zeit wird lehren ich wünsche Dir nun zu deinem Geschäft u. Unternehmen viel Glück das du bald ein reicher Mann sein wirst und deine und unsere Wünsche in Erfüllung kommen auf baldige gute Nachricht freut sich und grüßt dich

dein Vater H. Schweitzer

Viele Grüße deine l. Braut u. Eltern sowie H. Kaufman ist bestens gegrüst und alle Verwandten.

Theurer Bruder!

Gestern erhielt deinen l. Brief vom 12. datiert den wir nur abwarteten um auch die vorherigen zu beantworten da wir noch keine Adresse hatten. Wir entnehmen deinem Schreiben dein Wohl u. können wir dich von uns aus auch dessen versichern. Die Fodographie deiner l. Braut freut uns sehr hat wie du [illegible] siehst auch unseren Beifall ich werde auch Briefchen für sie beilegen von den l. Schwestern bist du ebenfalls bestens gegrüßt sind Gott sei Dank mit die Familie recht wohl die l. Berthe ist wieder ziehmlich gekräftigt konte sich nicht entschließen von ihrer Haushaltung vortzugehen wegen dem  kleinen Kind der l. Gott hilft immer wieder wens nöthig das sehen wir täglich ein die Sache dem Wechsel ist nun abgemacht Herr Einstein kahm selbst zu uns wir unterhilten uns gut ich begleitete Ihn nach Imnau u. wider zurück wird dir wie als gesagt mündlich von uns erzählen auch er sagte uns viel angenehmes von deiner Braut ich hoffe daß du im neuen Geschäft recht viel Glück hast um in allem befriedigt zu werden, daß du auch im Stande bist die deinigen in der Heimath soweit es möglich befriedigen oder wieder vergnügt zu machen und wir wollen von der Zukunft das Beste erwarten die Gegenwart war uns ja auch günstig es wäre undankbar gegen Alles wollten wir das nicht anerkennen.

Daß Her Kaufmann gut gereißt erfuhren wir schon bälde danke für sein Briefchen ist auch von mir bestens gegrüßt wie K. bemerkhte ist Deine Hochzeit schon in Bälde wir vermutheten dies u. mußten uns auch schon mit dem Gedanken vertraut machen derselben nicht persönlich beiwohnen zu können doch werden unsere frommen Wünsche u. Gebete erhört werden das du nur Gutes angenehmes an der Seite deiner selbsterwählten Gefährtin erleben wirst so daß du uns nur immer erfreuliches zu berichten hast. was uns anbelangt bist du schon längst überzeugt daß wir bestreben dir unsere Zufriedenheit zu versichern wenn der l.Vater überhaupt die l. Eltern dabei nicht an sich selbst denken wie gewöhnlich das Wohl Ihrer Kinder nur im Auge haben wollen wir Geschwister uns bemühen Ihnen die Zeit des Lebens zu verschönern so weit es in unserer Macht liegt wenn ich auch wie meine Freundin es schon gethan mich verloben würde kannst dir denken wie es für die l. Eltern ist wenn ich auch vort soll u. doch ist keine andere Aussicht es sind schon einige Parthien angetragen worden aber wir haben uns bis jetzt wenig Mühe gegeben der l. Vater verzögert solang als möglich u. ich meine was mir bestimmt kann niemand nehmen es wird auch was rechtes aufgehoben sein Manuel [?] Feigenheimer der werthe [?] hat sich auch verlobt bekommt ein Mädchen aus Freiburg mit 12000 FL das ist viel Geld für so einen Mann da wird uns Mädchen als wieder bang bei solchen Parthien er hat Jettle herin den Hof gemacht u. hat es auch gern gesehen auf einmal reißt er ab u. verlobt sich mit einer anderen ein ungebildeter Mensch, seine Mutter war auch gegen die Jette u. da braucht es auch viel Geld zum Geschäft. Die obigen werden bald nach Horb ziehen Manuel der weise [?] ist heute [illegible] bei seiner Mutter abgefahren da durch gar Kummer[?] in Imnau ist es wieder sehr besezt auch eine Familie aus Baltimore namens Lindener [?] die hiesigen Amerikaner gehen auch viel hin auch Sontag zum Schützenfest nach Stuttgart das soll großartig werden wir müßen auch zu Haus bleiben wie auch viele Leute.

Elsäser ist arg unruhig weil er von Onkel so lange keine Andwort bekommt es ist nicht seine Schuld daß er noch nicht abreißt seine Läden wollens durchaus haben daß er da bleibt u. sein Vermögen liegt auch nicht in [illegible] Geld die Handschriften [sic] müßen ihm ausbezahlt werden was natürlich nicht so schnell geht. Cousine Sophie hat wie es scheint seine Liebe gewonnen und beide halten was er versprochen sie sollen ihm schreiben u. nicht anderen Leute glauben wenn man in  Ferhaltnissen steht wie Onkel so wäre es ja gut ein Theilhaber mit Geld zu bekommen [illegible = Elsässer?] hat dem l. Vater alles erzählt u. sein Herz ausgeschüttet es ist keine so angenehme Lage für ihn bis dieser Brief in deinen Händen wird Eur Geschäft eröffnet sein wozu nochmal viel Glück wünschen   

erfreue uns recht bald mit Andwort

lebe wohl auf dem Wunsch

deiner Schwester Ernstine Schweitzer

[Letter in Yiddish/Judeo-German:]

מיין ליבער זאן איזאק ליט״ום עז איזט דיזעז מאל לענגער אלז געװענליך דאז דוא דיינע מערערע בריפע בעאנטװארט װאז אונז לייט טהוט זא מיר דיינע אטרעזזע נאך באלטעמאָר װארטען װאָלען איך פרייטע מיך זער דאז דוא דיך ליבער איזאק זא מונטער בעפינטעשט אונד מיר דען ליבען גאטט דאפיר געטאנגט ענליכעז בעריכטען װאז געזונטהייט בעטרעפענט; אױך פאן דען ליבען שװעזטערן אונד פאמיליע אלעז װאל נור קענען אינען אימער ניכט גענוג נאכריכט פאן דיר געבען מעכטען אױך שאן פון דיין געשעפט װיזען װיא מיר אױך װינשע רעכט באלט דאז בעשטען ערפרייען צו דירפען; אױך װעגן דיינער האָכצייט האשט מיך שאן זער מיט טענגען װינשען זאָרגען אונד קאן ניכט בעשרייבען װיא אונז איזט איך האבע שאן געזעהן עז דער 2 טאג ראָשכויטעש עלל איך בעטע צו דען ליבען גאטט דאז װירט איין זער גליקליכע דאז דיינע ליבע איזאבעלא אונד אירע װערטע עלטערן זיך עבען זא צו פריטען אונד גליקליך װיא דוא אױך מיר געהען אלעז איין נור אונזער קינטער װאל דאז בילט דיינער ליבע ברױט מאכט אונז פרייט מיר האבען שאן פילע לייטע זעהען לאזען האט זער בייפאל האבען פאן דען פריערען דען שװעזטערן נאך קארלזרוה אונד היילבראן געשיגט; ליבער איזאק דאז דען ליבען פאטער זער זארגען איזט ניכט צו װאונטערן אונלענשט קאמט דער ראזענפעלט װא אין ביכױא װאנט אונד ביטעט דער ליבע ערנשטינע איינע בארטיא אן דער פאן טאָרט איזט זאגט אבער 8 טױזענט גולטען אונד זאל מאל נאך פארט אונד היר װערע ניכטז אױזער עלזאז ער האט דיין בייפאל ניכט זא זער געהאבט בייא דיין היר זיין ער איזט איין געשעטז מאן האט װאלען דען ראָטע מאניעל 7 טױזנעט גולטען געבען נעמט אבער ליבער איינע מיט נאך זא פיל דוא װירשט ניכט איבעל נעמען זאלכע זאכן דיר שרייב מיט װע, קען מיר אונז בעראטען אטער פראגען דוא דארפשט ניכט מאל דען גיילינגער װאז דא פאן זאגען זינט אימער נייטיק דאז יולעיוז זאלטאט האט דאך נאך צו [3?] װא אין געשעפט בעהיל זא װיא אױך לעװענטהאל װען 3 אין אמערקא [?] אױך 3 אין מיהרינגען אימער נאך בעזער אלז מיר קאן ניכטז אלז מיט דער צוקונפט דען ליבען פאטער טרעשטען אונד האפען דאז דער ליבער גאטט דיך זא װיא אלע ליבע אינזריקע בעגליקען דאז מיר װיטע מיט פרייטען צוזאמען קאמען פאן דיר דיינער ליבער ברױט רעכט פיל אנגענעמז צו לעזען

איזט דער װאונש דיינער מוטער מאלכען

[Signature in Latin characters:]

Malchen Schweizer


[Different handwriting, probably H. Schweitzer, in German:]

Es thut mir leid das ich in Erfahrung bringe durch Elsäser, das mein Bruder Joseph ebenfals in Faliment gerathen ist, wie mir Elsäser sagt, soll er sich mit seiner Tochter versprochen haben, und bei seiner Zurükkunft mit ihr ein Geschäft anzufangen, hat aber auf 2 Briefe noch keine Antwort erhalten, wen du solches besorgen kannst thue es, es nimt Zeit weg bis er sein Vermögen bekomt da ja Schuldscheine nicht gut einzutreiben sind, deshalb kann er nicht sagen wan er abreist

[Page 4, left margin:]

seine Geschwister wollen es freilich nicht zugeben, werden fort zu gehen