Sammlung: Grupe Family Letters

Verfasser: Gustave Grupe

Empfänger: Marie Kreplin (Grupe)

Bezeichnung: Brief von Gustave Grupe an seine Tante Marie Grupe, 31. Dezember 1911

Gustave Grupe an Marie Grupe, 31. Dezember 1911

Englischer Text

Original text

Hamburg Ohlsdorf d. 31. Dec. 1911

Meine liebe gute Tante!

Zunächst vielen Dank für Deine Weihnachtskarte. Es ist immer der Fall. wenn Du uns mal ein Lebens zeichen sendest dass wir uns freuen. zu Deiner Gesundheit. Das jetzt zu Ende gehende Jahr war für uns kein gutes wie Du Dir wohl denken kannst aus meinen vorhergehenden Briefen. Doch, warum Trübsal blasen, wo es eigentlich meine Pflicht ist. Dir nur angenehmes zu bereiten. Ich bin gottlob munter und wohl. dagegen hat meine Frau im letzten Jahr sehr gelitten. Ihr Leiden ist mehr seelischer Natur, ist unser grosser Process erst zu Ende welcher anscheinend günstig liegt, so wird sie sich in kurzer Zeit wieder erholen. Durch ein Bild, welches hier in meiner Stube hängt wird man unwillkürlich mal wieder an die Vergangenheit erinnert. Es ist ein Bild von drei Knaben. Die Brüder sitzen seitwärts, ich in der Mitte. Es wird aufgenommen sein um 1859. Die Verhältnisse im Elternhaus will ich ruhen lassen. Wir Kinder suchten dann Anschluss, an unsere nächsten Ver= wandten, an Grofse’s. Man soll den Todten nichts schlech tes nachreden, es ist dies auch nicht meine Absicht aber ich muss doch bekennen, dass unser Onkel Grofse nicht viel für uns übrig hatte. Wie dankbar wären

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wir Kinder gewesen für nur ein freundliches Wort. Und nun ein anderes Bild. Als ich 1872 im März nach America kam, war ich noch ein unreifer junger Mann. Trotzdem aber erkannte ich bald den grossen Unterschied liebe Tante, zwischen Euch und Grofse’s – Ich erkannte auch, welche Güte und Manneswürde Onkel auf der Stirn geschrieben stand, dem entsprechend waren auch seine Handlungen, so war auch unser Vater. In ganz früher Zeit wo sein Geist noch klar war Ja. hätten wir solche Verwandte in unserer Nähe gehabt. meine Brüder wären nicht so jung verstorben. Es ist unnöthig liebe Tante. Dir zu sagen, wie sehr ich mich dazu freue, Dich noch einmal wieder zu sehen. Immer voraus gesetzt dass meine Sache gut abläuft. Ich werde auch die weiter Tour nicht scheuen, um Henry Noch einmal zu begegnetz, der hat auch in kurzer Zeit Viel durchmachen müssen, ich fühle mit ihm und mit seiner Frau. Nehme es mir nun nicht übel. Dass ich Dir diesmal gar so wenig Interessantes bieten konnte, als Entschuldigung dafür möchte ich noch einmal auf unsere unglückliche Sache hinweisen unter deren Eindruck ich stehe. Zurufen möchte ich Dir aber wiederum, erhalte Dich fernerhin den Deinigen. erlebe und verlebe ein weiteres „frohes neues Jahr.“

Es grüsst Dich herzlich Dein treuer Neffe

Gustav Gruppe und Frau.