Sammlung: George A. Zimmermann Family Letters
Verfasser: Wilhelm Zimmermann
Empfänger: Georg A. Zimmermann
Bezeichnung: Wilhelm Zimmermann an Georg A. Zimmermann, 28. Mai 1865.
Wilhelm Zimmermann an Georg A. Zimmermann, 28. Mai 1865
Original text
Kongen, den 28. Mai 1865
Wir wünschen euch Gottes Gnade und Frieden zum Gruß. Geliebter Sohn und Söhne, euern Brief haben wir wichtig erhalten den 24. Mai und haben darin gesehen, wie es bei euch steht. Mit begierigen Herzen haben wir ihn gelesen, weil wir alle Tage an euch denken, ganz besonders aber an den Adam in seinem fremden und gefahrvollen Lande. Es hat uns sehr gefreut, dass er noch am Leben war und ihn kein Unglück getroffen hat, und wir wollen Gott loben und danken dafür, dass wir einander noch Nachricht tun können. Wir wünschen, dass er unsern Brief, wenn es Gottes Wille ist, noch gesw1d und mit Freude lesen darf. Wir sind Gott sei Dank noch alle gesund und wohl beieinander und wollen gar nichts klagen gegen euch, denn bei uns ist Frieden im Lande und hat ein jeder seinen Verdienst und sein Auskommen, wie wir es schon etliche Male geschrieben haben. Es wäre unser Wunsch, es wäre bei euch auch so, und der eurige gewiss auch, dann könntet doch ihr miteinander euer Schicksal mündlich reden und teilen. Nun können wir euch etwas neues schreiben. Die Christiane, unsere Schwester, hat Hochzeit gehabt mit unseres Vetters Johannes, der Blessing-Hannes. Die Hochzeit war den 16. Mai, und, was unser Wunsch war, ist dieser, dass ihr auch hattet dabei sein können, und der eurige gewiss auch. Weiter können wir fur diesmal
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nichts neues schreiben denn dass wir eure Bilder erhalten haben. Wir haben es in dem letzten Brief bloß vergessen zu schreiben; und unser erster Blick aber auf das Bild vom Adam haben wir gleich gesehen, dass er Soldat ist, wo wir gleich erschrocken sind, und doch haben sie uns gefreut. Die Kinder und die Roßina sind gut getroffen, aber bei dem Adam meinen wir, die Augen seien nicht ganz getroffen, weil die Augen nicht ganz erkennbar sind. Nun möchten wir auch gerne wissen, wie es bei dir steht in dem Soldatenleben, wegen der großen Hitze, wo in Südamerika ist, ob ihr sie ertragen könnt, und wie es auch mit der Kost ist, was ihr esst und trinkt, und ob ihr die ganze Zeit im Feld liegt, und alles gründlich, wie es als bei euch und bei dir geht. Nun, was unser aller Wunsch ist, ist dieser, dass, wenn Gott will, dass er dich gesund am Leben erhalt und du es wohl die übrige Zeit geduldig ausharrest, dass du fröhlich und mit Freuden heimkehren darfst zu den deinigen, zu deinem Weib und deinen lieben Kindem und [ihr?] alle gesund und fröhlich einander sehen könnt. Kein' Pestilenz dir schaden kann. Kein' Seuch' noch Krankheit rührt dich an, die in dem Finstern schleicht. Ob tausend
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Stürmen dir zur Seit' und zehntausend andere weit, soll es dich doch nicht treffen. Auf dass ihr hören sollt das Wort erschallen bald auf Erden, dass Friede soll an jedem Ort, wo Christen wohnen, werden. Ach dass uns doch Gott sagte zu des Krieges Schluss, der Waffen Ruh, und alles Unglück ende. Oh kehrte doch die böse Zeit sich um zu guten Tagen, damit wir in dem großen Leid nicht möchten ganz verzagen. Doch ist ja Gottes Hilfe nah, und seine Gnade stehet da all denen, die ihn fürchten. Wenn wir nur fromm sind, wird sich Gott schon wieder zu uns wenden, den Krieg und alle andre Not nach Wunsch und also enden, dass seine Ehr in eurem Land und allenthalben werd' bekannt, ja stetig bei euch wohne. Nun wünschen wir noch mal, dass unser Brief dich gesund und wohl antreffe, was wir mit bangem Sorgen und Warten erfahren möchten. Lebe wohl und dass [?] du [/?] dir deine übrige Zeit voll mit Gottes Hilfe kurz und ohne alle Gefahr an Leib und der Seele zubringen möchtest, und wenn es möglich sein kann, so schreib' uns wieder, wenn [?] du [/?] es kannst, so bald als möglich, denn wir haben ein großes Verlangen danach. Gott wolle dir beistehn in all deiner Not und Gefahr. Lebe wohl.
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Nun wollen wir auch uns an dich wenden, Roßina, und an deine Kinder. Wir wünschen, dass du mit Gottes Hilfe das Kreuz, das er euch auferlegt, auch tragen kannst. Es ist etwas hartes für dich auch, das kaum wir uns vorstellen, so in dem fremden Lande ohne Mann mit Kindern zu sein, doch was wir hoffen, so kann er ja wieder zu euch kommen. Was uns anbelangt, so möchten wir auch wissen, wenn du uns wieder schreibst, wie du auf dem Gut schaffen kannst oder wer dir beisteht und dazu hilft und wünschen euch Gluck zur Erziehung eurer Kinder. Wir konnten dir vielleicht auch oft helfen, aber es ist zu weit. Sollt es gleich bisweilen scheinen, als wenn Gott verließ die seinen, oh so glaub und weiß ich dich, Gott hilft endlich doch gewiss. Wenn du diesen Brief erhältst, so wünschen wir, dass du ihn gleich dem Adam schickst, wenn er noch lebt, was wir hoffen, dass ihr einander darauf auch gleich schreiben könnt und du dann uns wieder so bald als möglich, dass wir wieder wissen, wie es auch beim Adam steht. Weiter wissen wir nicht zu schreiben als viele herzliche Grüße von Vater, Mutter und Geschwistern, Freunden und Bekannten. Noch mal einen Gruß und besonders dem Adam. Gott wolle dir zur Seite sein und beistehn in all deiner Not.
Wilhelm Zimmermann




