Sammlung: George A. Zimmermann Family Letters

Verfasser: Wilhelm Zimmermann

Empfänger: Georg A. Zimmermann

Bezeichnung: Wilhelm Zimmermann an Georg A. Zimmermann, 29. Dezember 1867.

Wilhelm Zimmermann an Georg A. Zimmermann, 29. Dezember 1867

Englischer Text

Original text

Köngen, den 29. Dezember 1867.

Gottes Gnade und Friede zum Gruß. Wir finden uns veranlasst, an euch zu schreiben, weil es schon eine lange Zeit ist, dass wir keinen Brief von euch erhalten haben und wir euch den letzten geschickt haben bei der Chatarine Sohn von Oberensingen. Deswegen haben wir immer auf eine Antwort gepasst und warteten auf einer Zeit zur andern auf einen Brief, was aber bis jetzt noch nicht geschehen ist. Wo der Fehler war, wissen wir nicht. Wir haben wohl erfahren bei der Chatarine, dass euch euer Haus verbrannt seie, das haben wir mit Januar vernommen, das schreckliche Unglück, das euch getroffen hat, und wir möchten auch wissen, wie sich das Unglück zugetragen hat und wie das Feuer angegangen ist.

Was uns nun anbelangt zu schreiben, so sind wir Gott seis gedankt gesund und wohl, ausgenornmen unsrer lieben Mutter; die ist gestorben. Sie hatte zwar auf einige Jahr sehr abgenommen an ihren Kräften,

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aber nicht gekränkelt. Sie hatte immer noch ihre Geschäfte in der Haushaltung versehen können und der Herr hatte ihr Gesundheit geschenkt bis auf den letzten Sonntag ihres Lebens, den 8. Dezember 1867. Da legte sich sich nachmittags zu Bette und klagte Unwohlsein, was wir aber gleich beklagten, dies werde eine Krankheit zu ihrem Tode sein an dem ersten Abend. Sie legte sich sanft und ruhig zu Bette und schlummerte meistenteils, und wenn wir sie fragten, was denn wehtue, so klagte sie nichts und ergab sich ganz ruhig in den Willen Gottes, und wenn wir zu ihr sagten: ,,Mutter, wir meinen eben, du werdest jetzt sterben.", so antwortete sie: ,,Was Gott tut, das ist wohl getan." u.s.w., und ihre Sorge und Anliegen war eben noch die größte und angelegenste wegen dem Georg und der Chatarine, wie es denen gehen werde nach ihrem Tode, und wir versprachen ihr noch auf ihrem Totenbette, dass wir sie nicht

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mißhandeln und wir sie gerne annehmen wollen und tun an ihnen so viel in unseren Kräften stehe so lang wir leben, und so entschlief sie an dem zweiten Tag ihrer Krankheit ganz sanft und ruhig ein den 10. Dezember 1867, was nun uns und besonders unsrem alten Vater ein schmerzlicher Abschied vorkam, so schnell voneinander geschieden zu werden, doch das tröstete uns wieder: unsere Mutter, das können wir mit Wahrheit ihr nachsagen, dieses Zeugnis, dass sie sich einen schönen Platz gesammelt habe für den Himmel in ihren gesunden Tagen. Wie oft ging sie mit dem Sterben um. Ja, sie sagte oft zu uns, es vergehe kein Tag, dass sie nicht ans Sterben denke, und sagte auch zu uns, wenn sie heute sterbe, so habe sie eine gewisse Hoffnung des ewigen Lebens. Sie hatte einen schonen Vorrat gesammelt für das ewige Leben, und so wollen wir ihr ihre Ruhe gönnen1, wie schwer es uns auch vorkommt, denn wir glauben und zweifeln gar nicht, dass sie eingegangen ist zu des Heim Freude.

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Sie brachte ihr Alter auf 61 Jahre, 6 Monate und 15 Tage. Wir wollen euch auch etwas mitteilen, wie es sonst bei uns steht. Die Christiane ist bei dem Vater im Haus, und ihr Mann. Sie wollen nun miteinander die Haushaltung und das Geschäft forttreiben. Der Vater kann es noch nicht aufgeben wegen den kleinen Geschwistern, denn es ist doch alle Weil noch besser, wenn sie beim Vater sich aufhalten können. Euch wollen wir auch schreiben, wie wir eine Ernte in diesem Jahr genießen durften. Heu und Öhmd gab es genug, aber Korn und Gerste sehr wenig, man darf sagen nur die Hälfte was sonst Jahr war. Doch habe wir einen besonderen Segen genießen dürfen. Obst gab es genug bei vielen Leuten, mehr als sie brauchten, und Kartoffeln hat es auch die Fülle gegeben. Nun so wollen wir Gott danken auch für seinen Segen, den er uns dieses Jahr bescheret hat. Teuer ist bei uns alles, Frucht und Fleisch. Ein Sch. Korn kostet 8 bis 9 Gulden, ein Schf. Gerste 13 bis 14 Gulden. Schweinefleisch per Pfund 18 Kr., Rindfleisch 15 Kr., Buttelle-Most = 4 Kreuzer. Weiter wissen wir nicht zu schreiben als viele Grüße von uns allen, Vater und Geschwister, Freunde und Bekannte. Schreibt uns auf das bäldeste, denn wir warten alle Tage auf einen amerikanischen Brief, weil wir schon zwei Briefe euch geschickt und keine Antwort erhalten.

Wilhelm Zimmermann in Köngen 1867.