Sammlung: George A. Zimmermann Family Letters

Verfasser:

Elias Zimmermann

Christian Zimmermann

Empfänger: Georg A. Zimmermann

Bezeichnung: Elias Zimmermann und Christian Zimmermann an Georg A. Zimmermann, 23. Mai 1880.

Elias Zimmermann und Christian Zimmermann an Georg A. Zimmermann, 23. Mai 1880

Englischer Text

Original text

Köngen, den 23. Mai 1880

Werter Freund Adam.

Es ist eine geraume Zeit verflossen, dass wir miteinander verkehrt haben, seitdem hat sich vieles verändert in Stadt und Land, in unserem Ort und in unseren Familien; die Alten sind gestorben, und die Jungen kommen, es ist ein neues Geschlecht entstanden, und so muss man sehen, dass man auch alt und hinfällig wird, und dass man hier keine bleibende Statt hat, und uns auch einmal hinausträgt, nur wollen wir uns bestreben, dass wir unsere vorangegangenen lieben Seligen wieder finden.

Ich bin ganz überrascht worden, als dein Vater mir die Kunde brachte, ich soll dein Stellvertreter werden bei deines Vaters Teilung, denn ich halte es mein Leben lang dafür, Nichts sein wollen sei das Beste, so wird das Gewissen nicht beschwert und bleibe doch der, der ich bin.

Aber weil du mir das Zutrauen schenkst, dein Sache zu verwalten, so will ich dir das zur Freundschaft gerne tun, und es mir zu meiner Pflicht machen, nach bestem Wissen und Gewissen dafür zu sorgen, wie es mein Eigentum wäre, darfst also keine Sorge tragen. Dein Wahlspruch ist auch der meinige, tue Recht und scheue niemand.

Die Vollmacht habe ich erhalten den 21. Mai, und aus deinem Brief erfahren, dass du dein gutes Auskommen hast, zwar auch eine starke Familie, da gibt es freilich viel zu sorgen und zu tun.

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da darf man wohl auf der Hut sein, bis die Kinder auferzogen sind, das nehme ich an mir ab. Meine Familie ist zwar nicht so groß wie die deinige, mir sind in meiner Ehe bloß 3 Kinder geboren, 2 Söhne u. eine Tochter, die Tochter aber längst gestorben mit 1 ½ Jahr 1857.

Mein ältester Sohn ist 28 Jahre alt. Er ist verheiratet er hat eine Tochter von dem Schmidmatthäus. Er hat sein gutes Auskommen gefunden. Mein jüngster Sohn ist 21 Jahre alt, mit meinen 2 Söhnen habe ich aber wenig Glück gehabt, denn sie mussten alle 2 Soldat sein. Der altere war 3 Jahre im Millitärdienst in Ludwigsburg bei der Kavallerie oder wie man es jetzt heißt Alanen und musste noch Obermann sein; er ist groß und stark und schlägt ins Kiefersephe Geschlecht. Mein zweiter Sohn ist wirklich Soldat im 8. Infant. Regiment und ist in Garnison in Straßburg 3 b Stund von hier, so dass ich und mein Weib allein dastehen, jetzt was meinst du? was mich meine zwei Lieben schon gekostet haben und noch kosten? und zum Schaffen haben wir niemand. Somit geschieht es uns auch sauer, man wird auch älter und schwächer. Was mein Vermögen anbelangt, so habe ich schon mein gutes Auskommen, Schulden habe ich keine mehr, aber ich könnte auch keine mehr brauchen. Natürlich zu einem solchen Vermögen, wie du es besitzt, kommt bei uns nicht leicht einer, doch es mag dem sein, wie es will, wenn man nur bei dem, was man hat gesund und im Frieden bei einander lebt, so ist dies der größte Reichtum auf dieser Welt, überhaupt haben unsere Zimmermännischen alle ihr ordentliches Auskommen.

Ich wohne in meinem altmodischen Hause hinter dem Lamm.

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Weil du schreibst, wir sollen dir unsere Photografie auch schicken, das tun wir; wenn mein jüngster Sohn vom Millitär los ist, so wollen wir uns abnehmen lassen.

Das weitere werde ich dir berichten, wenn die Teilung vorbei ist.

Und was ich dir versprochen habe, das werde ich auch halten, und tun, [insertion:] wie [/insertion] ich es vermag.

Nun zum Schluss, viele herzliche Grüße an dich und deine Frau und deine ganze Familie.

Wir wünschen euch viel Glück und Segen.

Elias Zimmermann

Eva Maria Zimmermann

Auch einen Gruß von [insertion:] meinem [/insertion] ältesten Sohne

David Zimmermann.

mein jüngster Sohn heißt Johannes.

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Der Christian, den du dir nicht so einbilden kannst, lebt auch noch, und lebe mit meiner Familie in Gottlob in guter Gesundheit; ich habe 3 Mädchen, wovon aber die älteste schon verheiratet ist, mit einem Bäcker, Sohn des Georg Sonn Schneider; die hat Brot! Weiter wohne ich in nächster Nähe von deinem alten Vater u. komme tagtäglich ins Haus; auch kommt dein Vater zu mir, um mich im Vertrauen um Kraft u. Tat zu fragen, besonders in jetzigen Angelegenheiten, denn es ist wirklich keine Kleinigkeit für einen 82 jährigen Mann, weil eben die 2 unmündigen Kinder viel Sorge und Bekümmernis machen. lch bin für die 2 Kinder als Pfleger aufgestellt, wo jetzt so viel bestimmt ist, dass das eine bei der Chistiane, das andere bei der Madel ihren lebenslänglichen Aufenthalt haben sollen. Ich komme auch zu der Teilung u. werde, so viel als möglich ist, auch sorgen, dass dir das deine wird, und habe es schon öfters deinem Vater ans Herz gelegt, er solle ja keinen Unterschied zwischen seinen Kindern machen. Er ist zwar alt, doch hat er noch guten Verstand und hat deiner nicht vergessen. Wenn es natürlich eine Realteilung gegeben hätte, so dass dein Vater nicht mehr da wäre, so hättest du mehr bekommen, kannst dir's selber denken, dann hätte man eben deine Güter verkauft.

Es sein bis jetzt genug, wir können ja nach der Teilung wieder berichten, wie es gegangen ist. Es geht mir gottlob gut u. habe mein gutes Auskommen, nur sind die Metzelsuppen so rar, denn Fleisch haben wir nicht viel zu essen, wenn wir nur rechte große Knöpfle haben; wenn wir einmal so viel wegmachen wie du, dann kommen wir auf Besuch.

Viele Grüße an Frau und Kinder,

Christian Zimmermann

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In Eile geschrieben