Sammlung: Eversmann Family Letters

Verfasser: Marie Eversmann

Empfänger: Lewis Eversmann

Bezeichnung: Brief von Marie Eversmann an ihren Schwager Ludwig Eversmann, 4. November 1852.

Marie Eversmann an Ludwig Eversmann, 4. November 1852

Englischer Text

Original text

Tampico 4 of Nov. 1852

Lieber Schwager Lewis!

Da Julius mit Schreibereien überhäuft ist und die "Oregon" morgen schon nach New Orleans segeln soll, so hat er mich gebeten, für diesesmal statt seiner zu schreiben, nächstens soll er es aber wieder schreiben, denn sonst [?] könntest [/?] du auch dieselbe Klage anheben und Schwester Marie, welche Klage ich auch nur sehr gerecht finde, da es viel paßender ist, daß er selbst die Corrispondenz mit seinen Geschwistern führt, und auch wie ganz natürlich, für dieselben viel angenehmere Befinden bei solchen Gelegenheiten, wie beim Tode Friederikens, u.s.w. Hätte er selbst an Marie schreiben sollen, umso mehr, da ich zu der Zeit in Deutschland war und ich von dort her darauf aufmerksam machte; - den Schwestern war es natürlich sehr auffallend und unangenehm, daß ich schon oft und sehr lange Briefe erhielt und für sie keine Zeile; - Marie hat ganz recht, wenn sie darüber klagt, indeßen ist es nun einmal eine Schwäche des Julius, und in seinem Herzen hat er seine Geschwister darum nicht minder lieb. -

Wir sind Gottlob, alle wohl, das kühlere Wetter ist eingetreten, und dann fühlt man sich augenblicklich wohler. - Ich denke an nichts anderes, als daß wie wir im Frühjahr (vielleicht) von hier weg gehen, obgleich auch das noch so unbestimmt ist, daß ich mich vielleicht umsonst freue. - Sollte es überhaupt dazu kommen, daß wir reisen, so ist es auch noch ganz unbestimmt, auf welche Art wir reisen werden, ob direckt oder über die Vereinigten Staaten; Ich würde, mancher Gründe halber, das [strikethrough, one word] letztere vorziehen, allein noch könnnen wir nichts darüber bestimmen. Hauptsächlich würde ich mich freuen, endlich Sie und Ihre liebe Familie kennen zu lernen, was ich schon so lange gewünscht habe; dann möchte ich die Niagarafälle sehen, welche mir auch unbekannt sind;

[page 2:]

auch möchte ich jene [?] Millepoint [/?] noch einmal wiedersehen, wenn auch die Erinnerung an unseren Aufenthalt dort mit Manchem Unangenehmeren verknüpft ist. - Es wird zwar eine Aufgabe sein, eine so große Reise mit einem ganz kleinen Kind zu machen, allein ich habe glücklicherweise ein sehr gutes deutsches Dienstmädchen, welches mit uns zurückkehren wird.

Sobald wir nach Deutschland kommen, werden wir auch eins der Beiden des [?] Julchen [/?] Bruder Karls, zu uns nehmen; ich habe Gustav schon gebeten, die zweite, Mariechen, für mich zu bestimmen; ihre Erziehung ist so ziemlich beendigt, sie ist ein sehr liebes, sinniges Mädchen, und wird uns als Gesellschaft und Hülfe bei meiner kleinen Familie sehr lieb und angenehm im Hause sein. Julchen die älteste, die leider in sehr schlechter Gesundheit, sie ist höchstwahrscheinlich brust leidend wie die arme Friederike; schon während meines Aufenthalts in Bonn hatte sie Blutspeien, und Gustav schreibt uns, daß sie jetzt wieder sehr leidend sei; - den meiner kleinen Emma steht vielleicht einmal dasselbe Schicksal bevor; [strikethrough, two words] sie ist sehr zart für ihr Alter, die Mutter war schon tief in der Schwindsucht, als sie geboren wurde, und das Kind hat ganz die zarte, durchsichtige bleichende Gesichtsfarbe derjenigen, welche später an jener Krankheit sterben.

Mit den besten Grüßen von Julius und mir an Sie und Ihre ganze liebe Familie

[illegible] Ihre ergebene Schwägerin

Marie Ev.