Sammlung: Johann Georg Holl Family Letters

Empfänger: Johann Holl [Jr.]

Empfänger: Johann Georg Holl

Bezeichnung: Letter written to the Holl family by Johann Holl, Jr., a soldier who went missing in action during the Franco-Prussian War. A second message dated December 15, 1870 is included with this letter.

Johann Holl [Jr.] family letter, Oct. 3, 1870

Original text

Palaiseau 3.10.70 Inigstgeliebeten Eltern und Geschwister! Die werte Entfreung [?] von Euch bewegt mich nun heute wieder zum schreiben und Euch in der Heimath von meiner Aufenthalte etwas kund zu thun. Ich war bisher Gott sei Dank gesund und bin auch immer vergnügt. Geliebte Eltern und Geschwister Ihr dürft nicht glauben daß ich in dieser von der Heimath so weit entfernten Frankreich, gar keine Freude, oder vergn¸gte Standen habe, denn bei so vielen Komaraden kann man nicht viel traurig sein, es muntert immer einer den anderen auf. Ich habe bisher auch keine Noth gelitten in Essen und Trinken, dann bei Soldaten gibtís täglich Fleisch und zu trinken anstatt Bier, Wein, welches man theilweise so viel zu trinken hat als man nur mag. Geliebte Eltern und Geschwister beneidet mich aber daß Fleisch und Weins nicht, denn ich wollte es gern mitbringen, wenn ich wieder in die Heimath zurückkehren dürfte. [page 2:] Nachdem ich eine Nachricht an Euch geschickt habe, sind wir wieder zwar Stunden vorgerückt wo wir schon 5 Tage auf einer Platz sind. Schon am andere Tage als wir hier angekommen waren müßten wir einige Stunden vor, um die Bruggen auf der Schanze von Paris abzulassen, welches blos einen Rückmarsch verursachte. Wir sind eine kleine Entfernung von Paris und hörten daher schon furchtbares Krachen von einen Zusammenstoß von Deutschen und Franzhosen. So viel ich gehört habe müssen wir an 6ten d. M die unsrigen Kamaraden ablösen, wann nicht unter dieser drei Tagen starke Treffen stattfinden daß wir zum Verstutzung nach müssen. Geliebter Eltern and Geschwister kümmert Euch aber nicht sehr um mich; denn es ist eine ganz andere Sache bei uns, als zu Haus, vor einem Kriegsheer der Geschütze und Gewehre ist gar keine Erschrecken. Gestern am Erntefest haben wir zum erstenmal eine Feldpredigt gefiert, welches einen starken Eindruck auf die Mannschaft machte, unser Feldprediger is ein wohlberedenter Mann der es uns sehr aus Zwang legte, sein Text war 2 B. Mose 15 d. 1-15 Vers. [page 3:] welches es sehr schön uns legte. Am künftigen Sonntag wird Kirchweih in Dienhof sein, welche ich aber noch in Frankreich halten werde. Hoffe doch daß wir uns wieder persöhnlich einander sehe und mache vereinigte Stunden miteinander verleben. Ich schliese meine baar Zeilen unter vielen Grüßen um Euch geliebte Eltern und Geschwister an alle meine _________ an alle Verwandten und Bekanten und hoffe daß sie Euch bei besser Gesundheit antreffen, besser als sie mich verlassen. Indes lebet wohl. Erhaltet Lieb. Eure Euchliebenden Sohn und Bruder.