Sammlung: Johann Georg Holl Family Letters
Verfasser:
Empfänger: Johann Georg Holl
Bezeichnung: Brief von Johann Adam Holl [„Adam 2“] und seiner Frau Margaretha Holl an Johann Adams Bruder, Johann Georg Holl, 26. Dezember 1888
Johann Adam Holl [“Adam 2”] and Margaretha Holl an Johann Georg Holl, 26. Dezember 1888
Original text
Troschenreuth den 26.12.1888
Innigst geliebter in der Ferne!
Zu den innigsten Dank verpflichtet über Euren herzlichen Glückwünschen und wohl mit einander Erwahrtungen sind wir nun auch eingetrettend, in die freudenvoller Weihnachtszeit, in ein Fest, wo sich Jedermann auch freuen soll. Wer prägt sich den die die Freude nicht bei liebenvollen Geschwistern, am bestens aus? Ja ich durfte es erst voriger Woche selbst erfahren, wo ich nach Preuschwitz kam und aus Zufall meinen hier noch weilenden 3 Brüder bei der Mutter antraf. Wie flüchtig vergangen da die Nachmittagsstunden, nur in einigen Minuten gleich, und in der Nacht muthieg und sellen was vergänge
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von meinen Weg der 2 1/2 Stunden lang dauerte an. Freilich kann uns der Zufall nicht so leicht zusammenführen doch deshalb sollen sich unsere Gedanken damit beschäftigen und der Ausdruck auf dem Tagier soll den Beweis liefern, das wir Treue und Liebe gegenseitig bewahren. Den gleich wie Bruder Konrad für mich sorgte und mir eine seiner Kühe zusagte, als ich kürzlich meine schönste Kuh schlachten musste. Sie hatte wegen Verdrehung des Tragsaks nicht Kalben können ebenso finde ich genug Beweise deiner teilnehmenden brüderlichen Sorgen gegen uns. Den wie gerne hättest du uns deinen 3 jungeren Brüdern denn lustigen Militärleben endrissen, wie Hoffnungsvoll hast du Bruder Georg einmal Heimtaths Ort bei dir bereitet. Auch mir hatt deine Brüderliche Fürsorge deutlich genug wissen lassen.
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Habe herzlich Dank für Alles das Erwähnte, lieber Bruder! und der Gott der die Herzen prüfet wird dies vergelten und Dich segnen. Unseren herzlichen Glückwünschen zu gesunden Feiertagen und ein glückseliges, neues Jahr kommen freilich auf dem Papier zu spät zu euch, doch der liebe Gott zu dem sie emporsteigen und der keinen Raum und Ferne kennt wird sie dennoch erfüllen Was ich noch zu erwähnen, ist die heiße Sehnsucht an die Heimath von dir, die in jeden deinen Briefen wahrzunehmen ist, ich fürchte sie könnten dich manchmal zu hart drücken, es ist ja doch Gottes Führung und er hat dir viel von den Deinen ersetzt durch eine treue Gattin, die du stetz als gute Pflegerin in Krankheit und friedsame Haushalterin bezeichnet hast. Auch ich freue mich, daß ich nach Gottes Willen ein solches Glück geniesen darf.
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Am 14. Oktober wurden wir mit einem kleinen Sohn gesegnet. Beide Mutter und Kind sind gesund und munter. Sein Taufpathe ist unser ältester Bruder Adam geworden. Unser Viestand, der noch am Anfang begriffen ist besteht aus 2 starken Ochsen 1 zwei jarig Stier 3 Kühe und 1 Ochsenkalb und 2 Schweine Der Getreidebau wird hoffentlich schon später besser werden, weil der Güterstand durch doch herunder kommenden Besitzer etwas vernachlässigt worden, wir ernteten ungefähr 30 Schock wovon 100 Märtzen Gerste, 70 Märtzen Korn, 70 Märtzen Hafer aber nur 18 Märtzen Weizen gedroschen haben.
Zum Schluß sind Alle noch recht herzlich gegrüßt von uns und behaltet stetz
Eure Liebe zu Euren
Euch liebender Bruder Bruder u Schwager u. Schwägerin
Johann Adam u. Margarethe Holl




