Sammlung: Johann Georg Holl Family Letters

Verfasser:

Johann Adam Holl [“Adam 2”]

Margaretha Holl

Empfänger: Johann Georg Holl

Bezeichnung: Brief von Johann Adam Holl [„Adam 2“] und seiner Frau Margaretha Holl an Johann Adams Bruder, Johann Georg Holl, 2. Februar 1893.

Johann Adam Holl [“Adam 2”] und Margaretha Holl an Johann Georg Holl, 2. Februar 1893

Original text

Troschenreuth, den 2. Febr. 1893

Lieber Bruder nebst Familie!

Erwachtungsvoll überkam ich Deinen Brief, jedoch für meine Wünsche ganz entsprechend, so daß ich ihn mit Rürhrung gelesen habe. Es war nicht allein die herzlichen Tröstungen für unsere Betrübniß und nicht die wohlmeinensten Glückwünschen, die Ihr uns zu diesen _______ Jahr mit hierübersendet, welches uns auch zu den besten Dank verpflichten, auch nicht allein die innigste Theilname  an den Leiden unserer schwer geprüften Mutter so andere ich konnte durch denselben vielmehr  einen tiefere Blick in Dein _____ in Deiner_____Herzens zustand thun. Denn für Deinen äußerer Wohlstand weiß du sie auch die Dankbarkeit, die wir schuldig sind, für Gottes reichen Segen, daß Dir jedoch vergönnt ist auch für Anderer Seelenheil etwas zu thun und am 

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Reiche Gottes ___ halten zu dürfen, dafür greifst Du darin Gottes Gut und Gnade, ein Beweis dafür, daß Du Dir gewiß das Ziel vorgesteckt hast, zu trachten nachdem was dahin ist. Ein seliger Zug steckt darin und ich möchte Dir Glückwünsche, daß in diesen Stück Gott Dir seinen reichstenTagen zu Theil werden lassen, denn wir haben hier keine bleiben in Statt.

Lieber Bruder meine Absicht ____ Dir darauf sogleich wieder zu schrieben, doch manches Anderes traten Diese Stelle, denn mein nächsten Nachbar würde nach halbjähriger  Geistestörung am 1ten Weihnachtsfeiertag begraben, für dessen einziger Sohn ich als _____ eintreffen müssen hauptsächlich ist doch der Gedanke an unsere schmerzlich leidente  Mutter immer vorherschend, Ihren Krankenlagen ich alle 14 Tage mindensten  3 Wochen aufsuchen muß und wie gerne eilte ich nach Preuschwitz, als ich Deinen Brief erhalten habe, um Ihr die Nachricht von Dir zu überbringen 

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nachdem sie sich ausgesprochen hatten vorher, daß Sie sich dennoch sehen. Ich bitte Dich inßhalb, lieber Bruder, insofern Du wir dies nicht übel meinst, schreibe an die liebe Mutter recht bald noch eine trostende Zeilen, denn Ihr Geist ist noch stark und beschäftigt, wann auch der Leib sehr schwach und abgezehrt ist. Die peinlichen Schmerzen an Ihren linken Bein ____ ,Ihr öfters den Ausdruck heraus, daß Sie sich nach dem Sterbens sehnt und ich wage es auch offen zu gesehen, daß ein baldiges Auseinanderscheiden  zu besuchten ist, da Ihre Kräften ______ abgenommen haben. Auch Bruder Konrad, der seiner Pflicht ____ nachkommt, hat viel zu leisten, indem Er nicht eine Nacht inzwischen ruhig schlafen kann und bei Tag muß Er auf immer da sein weil sich die liebe Mutter gar nichts beholfene kann. Gott leiden Ihre Schmerzen.

Das wohlmeinender Anerbieten, einer ___ Heimath zu besorgen neben Dir, klingt wohl aus einer herzlichen Bruderliebe hervon; jedoch ______

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daß unser Plätzchen hier in Troschenreuth auch nicht zu verachten ist. Freilich ist der wohnige Besitzthum weit geringer, als der Eurige, doch der Aussicht noch können wir schon zufrieden sein und find es auch, denn wir halten schon bereits unsere haben Schulden abgezahlt, dazu wird uns die Anhänglichkeit  der hiesigen Bewohnern ____ Maaste zu Theil, so daß wir mit Recht sorgen _____, wir haben völlig eingewohnt. Unser Viehstand  zählt gegenwärtig 12 Stück, auch mit den Ernten wovon wir sehr zufrieden, trotz den trocknen Sommers. Zum Ersatz für unsern selig heimgegangen Söhnchen Hans, wurden uns am 23ten Juli ein kleines Mädchen geboren wobei Schweser Anna die Pahtenstelle übernehmen musste. Haben jetzt die gleiche Anzahl Kinder also wie Ihr 1 Sohn und 2 Mädchen jedoch noch etwas junger.

Unter herzlichen Grüßen und unveränderten Liebe verbleiben wir Alle

Eure
aufrichtigen Angehörigen in der Ferne
Joh. Ad. Und Margareta Holl nebst Kindern