Sammlung: Johann Georg Holl Family Letters

Verfasser:

Johann Adam Holl [“Adam 2”]

Margaretha Holl

Empfänger: Johann Georg Holl

Bezeichnung: Brief von Johann Adam Holl [„Adam 2“] und seiner Frau Margaretha Holl an Johann Adams Bruder, Johann Georg Holl, 25. November 1905

Johann Adam Holl [“Adam 2”] and Margaretha Holl an Johann Georg Holl, 25. November 1905

Original text

Troschenreuth 25. November 1905

Lieber Bruder!

Zu den besten Dank, verpflichtend mich Deine Glückwünsche, Die aus Deinem von Bruderliebe erfüllten Herzen empor stiegen für mich zu meinem Geburtstag nach vergangenen fünfzig Jahren. Häufig werden nach solchen Zeitabschnitten Feste oder Jubiläums veranstaltet, welches bei mir freilich nicht der Fall war, Doch einen Rückblick auf die verflossene Zeit kann man sich nicht verwehren, im Gegentheil, wie wunderbar ziehen die Gedanken im Geiste vorüber und wie wunderbar ist es daß man sich noch so Vieles erinnern kann. Noch von der längst vergangennen 

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goldenen Kind und Jugendzeit , wo ich im trauten Kreise der lieben Eltern und Geschwistern sorgenlos dahin schwelgte und von all den Wechsel von Freud und Leid das man erlebt hat. Öfters sind Pläne die man sich ausdachte mit einem starken Strich durchkreuzt worden und ist dann auf einer anderem weg doch wieder gut hinusgegangen, so daß ich zu dem Schluße kommen muß, daß jederzeit Land überal ein gnädiges Wolchen der Barmherzigkeit Gottes deutlich spürbar ist. Nicht darf ich sagen daß mich das Unglück stets verfolgt und Kummer und Sorge gebracht hat, ich will vielmehr mit Jakob sprechen. Ich bin zu gering all der Barmherzigkeit [?] Die Güte des Herrn ist ja auch unserer

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Geschwisterkreis bisrher recht sichtbar gewesen, ein Jedes kann und darf seiner Familie verstehen und sich mit ihnen freuen. Noch durfte die rauhe Todeshand keines von uns erfassen, ausser den Bruder Johann den der traurige Krieg in seinen besten Jahren dahin rafte, obwohl wir jetzt an die Reiche kommen, den die Geschwister unseres Eltern sind jetzt alle gestorben, bis auf das Henselsbäsla. Sie ist 83 Jahre und sehr schwach, konnte vor etlichen Wochen bei der Beerdigung Ihrer einziger Tochter (Käthel) nicht mit der Leiche gehen. Wohl und warm wird mir immer ums Herz wen ich zu den Andern komme wen man sich so traulich in die Augen schauen und von tiefen Herzengrunde mit einander sprechen kann

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dies durfte ich erst kürzlich erfahren bei Schwester anna in Lochau, wir kommen ja sonst selten zusammen, da der Weg zwischen uns 5 Stunden in Anspruch nimt. Ihre Gesundheit aber will keine beständige mehr sein und Ihre vorgerückten Jahre sieht man Ihr so ziemlich an, doch könnte sie sich nach einen reichenvollen Leben jetzt bessere Tage gönnen. Da sie sich mit Recht Ihrer 3 wohlgerathene Kinder freuen kann.

Bruder Adam der Ihr um 1 1/2 Jahre voraus ist noch etwas rüstiger und theilt alle Geschäfte mit seinen einzigen Sohn. Wir 3 jüngeren Brüder müssen müssen noch fest am Ruder stehen den wen die Kinder noch nicht kräftig sind und die Arbeit muß gethan werden dann heist es angreifen

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Lieber Bruder bald hätte ich vergessen, daß unsere lieben Mutters Bruder Adam Hacker noch lebt und ist zwar noch kräftig und gesund

Wen ich meine eigene Familie schildern will, so kann ich es nicht besser darstellen, als zurück verweisen auf unsern Familie im Elternhaus nur mit dem Unterscheid, daß bei uns 6 Brüder und 1 Schwester war, bei meiner Kinder 5 Schwestern und 1 Bruder ist

1. Adam 17 Jahre alt

2. Rosina 16 Jahre

3. Anna 13 Jahre

4. Barbara 12 Jahre

5. Agnes 7 Jahre

6. Annali 3 Jahre alt.

Ein munteres Häuflein und mancher Tag nach Feierabend wird gar ausgefüllt mit Scherzen und Singen, wozu eine Wirlinns

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uns gute Dienste leistet Auch die Arbeit, woran die Mutter regen Antheil nimmt, können wir mit einander schon bewältigen ohne Dienstboten, deren wir zuerst 3 Jahren musten. Freilich wenn ich die Stückzahl unseres Viehbestandes immer nur 12 Stück Rindvieh so könnte von einer großer Arbeit, im Vergleich zu deiner großen Arbeit gar keine Rede sein, doch du weißt ja von früher mit welcher Sorgfalt und Mühe, die Aufzucht und Behandlung des Viehes verbunden ist bei uns, und immer wird noch künstlicher damit verfahren, weil sich hier der Viehzucht noch am besten vortrit in der Landwirtschaft. Die Fleischpreiße haben heuer einen hohen

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Stand erreicht, der noch nicht da war und wir konnten selbst ein Paar Ochsen um den schönen Preis 1170 Mark verkaufen. Die Getreide Ernte ist infolge des trockenen Sommer nicht gut ausgefallen, ebenso das Futter nicht, nur Kartoffel und Rüben sind wohl gerathen.

Nicht lange vor dem frohen Weihnachtsfest kann Euch dieser Brief erreichen so sind von uns Allen, die besten Glückwünschen für Euch mit eingeschaltet Möge der gnädige Gott, Euch Allen recht fröhliche und gesunde Feiertage und ein frohes, glückseliges neues Jahr genießen lassen.

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Seid Alle von uns recht herzlich gegrüßt und damit Gott befohlen

Eure

treuen Troschenreuther

Johann Adam und Margaretha Holl sammt unseren Kindern