Sammlung: Johann Georg Holl Family Letters
Verfasser:
Empfänger: Johann Georg Holl
Bezeichnung: Brief an Johann Georg Holl von seinem Bruder Konrad Holl und seiner Mutter Anna Barbara Holl, 11. November 1889.
Konrad Holl und Anna Barbara Holl an Johann Georg Holl, 11. November 1889
Original text
Oberpreuschwitz, den 11. Nov. 1889
Lieber Sohn und Familie!
Die erfreuliche Beregungen, die mich behalten, zu der Zeit da ich Deinen Brief erhalten habe kam ich hier nicht ausdrucken. Es war die Zeit unserer Kirchweih wo es Allgemeinen schon Freude und Fröhlichkeit fast uns schließlich jedes Ge___th beherrscht. Meine Vergnügen bestand freilich darin, dass ich etliche Tage vorher gute Nachricht von den weit entfernten Geliebten erheilt einen Brief, erfüllt von kindlicher Liebe und Dankbaren süßer Erinnerungen und am Sonntag darauf uneringten mich All übrigen näheren Kinder und
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Kindeskinder. Vor neunzehn Jahren noch bildeten wir einen Familienkreis und jetzt hat ein Jedes sein eigenes Heim gefunden; danach ist an diesen Tag nicht eines zurück geblieben. Wie durfte ich schon wie die Liebe Kleinen munter und fröhlich sich miteinander die Freude theilten und dessen Eltern sich mit einander und mit nur freundlich und in süßer Eintracht unterhalten haben ein glückliger Tag war es für mich. An solchen Zusammenkünften ist es Euch freilich nicht möglich, beizuwohnen; doch glaubt _____ deßhalb nicht, daß Ihr vergessen seid oder Euer nicht gedacht wird besonders der lieben Kleinen
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Amerikane, die wir doch nicht persönlig können davon was ein Hausvater zu leisten und Deine liebe Frau Theresie die Du als gute Pflegerin das Haushaltens nennen kannst, für eine Aufgabe zu lösen hast, weiß ich ja aus Erfahrung. Aber was machen die kleinen Angehörigen, müssen auch wohl das Vieh hüten welsches Du in größerer Anzahl hast, wie Deinen andern Geschwistern oder habt Ihr auch Gäns oder Schaaf. Wie geht’s mit der Schule haben sie einen weiter Weg zu machen ist der Unterricht auch den Deutschen Volkschulen gleich und ähnlich Fragen beschäftigen uns immer wieder aufs Neuen, die freilich nur auf den Pagine beantwortet werden können.
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Im Übrigen aber schreibe ich wie einst ______: Ich danke meinen Gott Eurenthalben, nicht allein für den irdischen Segne, den Er Euch zugetheilt hat, sondern für die Gnade Gottes die Euch gegeben ist in Grösten _____ denn das hat mich auch aufs Innigste bewegt, dass Du in Deinen Brief bemerkt hast du habest mehr dem Irdisches von uns Deinen Eltern gelernt und dadurch Stand halten können, dass du nicht übergelandet bist. O eine köstliche Frucht welches aber nicht in unsere Kräften steht und ich auch immer wieder zu Gott den Herrn flehe, dass so Euch stärke und erhalte und uns Allen ein fröhliches Wiedersehen bescheere, wo dann unser Freude vollkommen sein wird.
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Ich für meine Person kann kein wesentliche Änderung berichten wenn auch der Konrad das Anwesen übernommen hat und davon Besorg____ sich unterzogen hat, so bin ich doch gern bereit, so lange es mir ver____ ist, ihm die Hause Arbeit zu besorgen jedoch sind die Schwächen des vorgerückten Alters nicht zu verbergen und habe auch vergangene Sommer einer offene Wunde am Bein gehabt welsche jetzt bereits geheilt ist und mich wenig hinderte.
Schließlich wünsche ich Euch Alles Güte und bleibe unter den Herzlichsten Grüssen von mir und allen Kindern.
Euere
Aufrichtige Mutter und Großmutter
Anna Barbara Holl




