Sammlung: Johann Georg Holl Family Letters
Verfasser:
Empfänger: Johann Georg Holl
Bezeichnung: Brief von Johann Adam Holl [„Adam 2“] und seiner Frau Margaretha Holl an Adams Bruder, Johann Georg Holl, 6. Juni 1892. Johann Georg Holl hatte zwei Brüder namens Johann Adam Holl; „Adam 2“ war der jüngere der beiden.
Johann Adam Holl [„Adam 2“] und Margaretha Holl an Johann Georg Holl, 6. Juni 1892
Original text
Troschenreuth den 6. Juni 1892
Lieber Bruder und Schwager samt Frau und Kinder!
Ein Pfinst = ein Freudenfest sollen wir jetzt feiern, Alles winkt freudig und fröhlich auf uns zu, in Kirche und in der Natur wird uns nur Lieblichen zugerufen und verkündigt. Doch in unseren Haus ist kurz zuvor ein bitterer Schmerz eingezogen, eine Wehmuth, die uns unsere Pfingstfreude verwischen will und wir nur einstimmen können.
Lasset Thränen fließen Gott wird auch uns giesen seines Geistes Kraft, der uns Trost und Beistand schaft, denn erst am Mittwoch den 1 Juni sind wir am Grabe unsers lieben Kindes Johann gestanden umgeben von unseren Vater Geschwistern und nahen Verwandten, welche herzlich theilnahmen an unseren gebeugten Sinn, hinsichtlich
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können wir auch nicht versäumen, Euch davon zu benachrichtigen, zumal Ihr ja schon auch Erfahrung habt und gewiß sind daß Ihr es nicht ungerührt vernehmet. Der kleine Liebling war geboren am 9 Februar 1891 schwach erblickte er das Licht der Welt entwickelte sich aber die erste Zeit rasch vorwärts bis zur Zeit der Impfung im Monat Mai wonach er nicht nur die Schmerzen der peinlichen Blattern ausstehen muste sondern es wurde eine Beule nach der andern an den geplagten Leibchen. Das Zahnen war ihm auch sehr erschwert, so daß er erst drei derselben hatte und dadurch immer an Verstopfung litte dann nicht lange nach Ostern des Jahres fing er an kräklich zu werden es stellte sich ein Brechdurchfall ein auch die beiden Ohren ging ein Eiterausfluß, jedoch wurde durch ärztliche angeordnete Arnzei das Erbrechen ewas gehoben und zur Zeit der Himmelfahrt rechnete man auf Besserung, doch schon am Samstag Nachmittag wurden seine Ohren trockener und ein krampfhaftes Zucken nach rückwärts wurde bemerkbar. Diese Bedenkliche Anfälle (Gefreisch) wurde immer stärker die Krankheit schmerzlicher und schauerlicher und man sah, daß bald sein Ende kommen müsse. Sonntag Nachts zwischen 11 und 12 Uhr wiederholten sich dieselben Anfälle noch 4 mal nur noch schwach, worauf er dann ruhig geworden ist und nach 2 Stunden sanft entschlafen
Freilicht es hats Gott gethan und gut gemeint mit ihm auch bei uns solls immer noch heißen: Herr es geschehe dein Wille: Doch sein Leiden und und seine schmerzliche Krankheit wird uns im Andenken bleiben unser Lebenlange. Unsere beiden noch lebenden Kinder Adam am 4 Oktober 4 Jahre Rosina am 5 November 3 Jahre alt sind hingegen frisch und gesund und wolle Gott daß sie uns erhalten und zu unserer Freude heranwachsen möchten.
Weiter betrübente Fälle sind von Preuschwitz zu erwähnen, daß Baas Anna nicht mehr von ihren Krankenbett aufstehen wird, die Krankheit soll Magenverhärtung sein. Auch unsere liebe Mutter muß seit Winter immer noch das Bett hütten wegen den großen Schmerzen an ihren schlimmen offenen Bein wolle Gott ihr aues, wenn nicht Heilung, doch Linderung und starken Trost aus der Höhe senden, welches ich ihr von Herzen wünsche.
Gelieber von unseren Aufenthalt und Familienleben werde ich dies mal nichts weiter ausführen es wird Euch schon Johann Schmidt der uns zu größter Freude aufsuchte voriges Jahr Manches erzählt haben, und setze noch hinzu daß der Segen des Herrn uns bis jetzt im reichen Maaße zu theil wurde
In der Hoffnung, daß wir uns und Ihr Alle insgesamt einer steten Gesundheit auf neuen grüssen wir Euch herzlich und bleiben in unveränterder Liebe
Eure tiefbetrübten Bruder und Schwager und Schwägerin Adam und Margarethe Holl


