Sammlung: Johann Georg Holl Family Letters

Verfasser: Johann Adam Holl [“Adam 2”]

Empfänger: Johann Georg Holl

Bezeichnung: Brief von Johann Adam Holl [„Adam 2“] an seinen Bruder Johann Georg Holl, 20. April 1913. Johann Georg Holl hatte zwei Brüder namens Johann Adam Holl; „Adam 2“ war der jüngere der beiden.

Johann Adam Holl [„Adam 2“] an Johann Georg Holl, 20. April 1913

Original text

Troschenreuth 20. April 1913

Lieber Bruder und Familie!

Unerwartet in tiefen Trauerschmerz versetzt um das Hinscheiden unserer lieben Schwester Anna in Lochau, an deren Grab wir vorigen Freitag gestanden sind und haben Sie hinab sincken sehen zu Ihrer irdischen Ruhestätte. Schmerlich und trostlos wäre ja der Abschied, wenn wir nicht die gewisse Hoffnung hätten ein seliges Wiedersehen feiern zu dürfen bei unsern himmlischen Vater. Mußte Sie doch zuerst von hinnen scheiden aus unseren Geschwisterkreis, der schon ein vorgerücktes Alter erleben durfte. Welchen Wert hat nun jetzt Die Photogravin

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die wir bei deiner Anwesenheit haben machen lassen, wo wir Alle beisammen sind und einem Jeden zum Trost eins das andere deutlich sehen kann. Die Ruhe aber wollen wir Ihr dennoch gönnen hat ja der Herr nach seiner Gnade Ihr Lebensende recht gut gemacht. Nicht ein schweres Krankenlager war ihr aufgelegt auch klagte Sie keinen Schmerzen, sondern ein Schlaganfall war die Ursache, daß sie infolge dessen in nicht ganz vier Tagen darauf sanft entschlafen ist. Sie ahnte zuvor nicht, daß es so kommen werde denn mitten in Ihren häuslichen Geschäften und in dem Scherz Ihrer beiden Enkelkinder ereilte Sie der Schlag. Demnach wählte auch der Herr Pfarrer den Text zu Ihrer Leichenpredigt: Wer 

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weiß wie nahe mir mein Ende es auch war auch im Ganzen der Grundton bei der Begräbnisfeier. Der Männer Chor und die Schuljugend von Lochau gab Ihr noch die letzte Ehre vor dem hause durch ihren Trauergesang und viele Leidtragende begleiteten Sie bis zu Ihrem Grabe nach Trumsdorf. Wir Brüder aber müssen weiter wallen und Got seis gedankt Alle noch rüstig und somit auch verpflichtet zu wirken, wenn nicht das zunehmende Alter etwas Müßgkeit gebietet. Selbst Bruder Adam der Ältester hält sich fast immer gleich und fühlt sich wohl in seinen neuen Heim. Von unseren Familienkreis kann ich eine besondere Änderung nicht schreiben. Wir arbeiten mit einander und leben so friedlich beisammen. Nur unsere Älteste die Rosina ist seit dem Tode

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des Bäsla Börbel vor 3 Jahren, bei Ihrer Patin in Oberpreuschwitz. Voriges Jahr wurde ihre Patin geisteskrank muste auch deshalb in die Anstal gebracht werden.

Um nun unsere Rosina nicht allein im Hause dort zu lassen liesen wir auch unsere Agnes, welche voriges Jahr erst konformiert wurde auch zu ihr ziehen. Am 3. Februar letzten Jahres wurde die Patin wieder entlassen seidem sind sind sie alle drei beisammen. Uns aber bleibt die Sorge um die dortigen Verhältniße überlassen. Durch ungünstige regnerische Witterung haben die Früchte in der Ernte stark gelitten und auch die Wintersaaten und Klee sind sehr mitgenommen. Wie steht es mit euch? Von schrecklichen dernado und der furchtbaren Uberschwemmung haben wir in der Zeitung gelesen, hoffendlich seid Ihr Alle verschont geblieben

Mit herzlichen Grüßen von uns an Euch alle bleiben wir

Eure treuen Troschenreuther Holl