Verfasser: Johann Adam Holl [“Adam 2”]

Empfänger: Johann Georg Holl

Bezeichnung: Brief von Johann Adam Holl [„Adam 2“] an seinen Bruder Johann Georg Holl, Februar 1926.

Johann Adam Holl [„Adam 2“] an Johann Georg Holl, Februar 1926.

Original text

Troschenreuth Februar 1926

Lieber Bruder!

Wie älter wir werden wie seltener begegnen wir uns und bald vieleicht kann auch dieses ein Ende haben. Wir sind ja Beide im Greisenalter und ich bin dazu auch Wittwer. Am 7 Dezember 1923 ist meine treue Lebensgefährtin nach kurzer Krankheit gestorben und durfte voran gehen zur ewigen Ruhe. Ich fühle mich aber dennoch nicht so einsam, denn meine Kinder wetteifern mit einander, mir immer wieder Freude zu machen. O wie glücklich ist man da, wenn man Kinder hat. Unsere Verhältniße sind dir von früher noch bekannt. 

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Du findest dich noch gut zurecht wenn ich dir eine kleine Schilderung von meinen erweiterten Familienstand folgen lasse. Im Mai 1917 heiratete die 2 älteste (Anna) Georg Hamann in Lehen, da Er noch Kriegsdienste verrichten musste, doch nur in der heimat infolge einer Verwundung 3 mundere Knaben und 1 Mädchen sind Ihre Kinderfreuden und bewirtschaften ein Anwesen von 87 Tagwerk. Rosina die Älteste heiratete Februar 1919 Johann Schilling von Oberpreuschwitz ein Enkel vom Bindlacher Schilling und sind auf dem Haus Ihres Großvaters. Nach dem Ableben der sel. Rosina wurde das Anwesen 

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zwischen uns und Schwager Hans geteilt. Die die Peunt wurde dabei den Gebeuden geuber gestellt und da Hans die Peunt sich vorgezogen hat ist uns Haus und Hofraum zu gefalen die übrigen Grundstücke sind gleichmäßig geteilt. Mag Schwager Hans hernach dir die unliebsamen Briefe geschrieben haben. Ich will es ihm trotzdem nicht nachtragen es ist ja doch nur Neid und Mißgunst, aber glaube nicht, daß ich Ihn übervorteilt hätte oder eigennützig gegen Ihn vorgegangen wäre, schon aus Rücksicht der beiden andern Brüder die ja Pfarrer sind und meist das Wort führten. Hans ist selbst in keiner beneidungswerter Lage. 

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Nachdem Er sein Anwesen in Gesees seinen Sohn übergeben hatte Er zur 3 ten Ehe eine katolische Frau, nur durch das drängen der beiden Brüder ist Sie übergetreten. Dieselbe hat Ihn auch 2 Mädchen geboren und sind seitdem in Oberpreuschwitz Zu Lichmeß 1920 übergaben wir unsern Adam das Anwesen hier, nachdem Er ganz unbeschädigt von denn unglücklichen Krieg schon über 1 Jahr zurückgekehrt war. Ende April verheiratete Er sich mit Margareth Freiberger von Ottmannsreuth Deren Wahl Er nicht zu bereuen hat auch ich habe nicht die geringste Ursache unzufrieden zu sein 2 strame Knaben sind ihre Abkömmlinge und 

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Ihre Freude, auch mir machen Sie den meisten Zeitvertreib. Nicht zu vergessen ist, daß Rosina in Preuschwitz nur 1 Mädchen hat ist schon 6 Jahre alt und stark gewachsen muß heuer in die Schule gehen. Barbara verheiratet sich im November 1920 mit Andreas Ströbel von Altenkünsberg 3/4 Stunden von ihr entfernt in der Nähe von Greußen Ihr Anwesen umfaßt 56 Tagwerk und 2 fröhliche Kinder 1 Mädchen und 1 Knaben erhöhnen Ihre Lebenslust. Anfangs 1923 im Januar verheiratet sich Agnes mit Georg Raab in Hartmannsreuth 

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ebenso 3/4 Stunden entfernt von hier nur in entgegen gesetzter Richtung. Ihr Anwesen ist über 150 Tagwerk groß, ist großer Vorsicht nötig bei der jetzt ungünstiger Zeit. 2 muntere Kinder 1 Knabe und 1 Mädchen sind die Freude im Haus. Es ist seine Mutter noch vorhanden und noch 2 ältere Geschwister vom Georg, jedoch so friedlich und einträchtig, daß man gerne mit Ihnen verkehrt und sich mit Ihnen unterhält. Anna die Jüngste ist diesen Monat 23 Jahre alt geworden und ist noch ledig

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die Zahl meinen lieben Enkel ist bis jetzt auf 11 angewachsen lauter muntere Kinder, so daß ich meine helle Freude daran habe. In die größte Freude aber bin ich versetzt, wenn meine Kinder mit den Schwiegersöhnen beisammen sind wie bei Kirchweihen und der gleichen und sich so vertraulich und friedlich mit einander unterhalten und hilfbereit sich gegenseitig aussprechen nun da geht mir das Herz weit auf und ich kann denn lieben Gott nur Dankbar sein und seine Güte preisen. Ich selbst kann ja 

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nichts Rechtes mehr leisten wie wohl ich kein Gebrechen oder besondere Krankheit an mir habe ich werde nur immer schwächer und mein Herz verbietet mir jedes rasche und schwere Tunn und Gehen. Bei dir scheint es besser zu sein, wenn du noch dein Vieh fütterst und selbst noch einen guten Apetit hast, so wirst du es halt unserer ältester Bruder Adam nach machen. Als unser Adam Ihn zu seinem 80 Geburtztag besuchte, hat Er seinen Paten am Haustock getroffen und spaltete Holz. Wir Beide sind schon lange nicht beisammen gewesen. Georg und seine Frau sind letzten Herbst bei uns zugesprochen

Recht herzliche Grüsse von uns an Euch Alle und alls Gute wünsch Dein tr Br Adam