Sammlung: George A. Zimmermann Family Letters
Verfasser: Wilhelm Zimmermann
Empfänger: Georg A. Zimmermann
Bezeichnung: Letter from Wilhelm Zimmermann to his brother, Georg A. Zimmermann, December 10, 1869.
Wilhelm Zimmermann to Georg A. Zimmermann, December 10, 1869
Original text
Köngen, den 10 Dezember 1869
Gottes Gnade und Friede zum Gruß.
Wenn euch unser Schreiben gesund und wohl antrifft, so wie es uns verlassen hat, so wird es uns herzlich freuen. Euren letzten Brief haben wir erhalten und darin gesehen, wie es bei euch steht, und so viel wir wissen, so habt ihr auch unseren letzten Brief bekommen, welchen wir unverhofft und unerwartet an euch schreiben mussten, weil unsere liebe Mutter gestorben ist. Nun ist es schon zwei Jahre, dass wir nichts mehr voneinander wissen, und wir müssen uns entschuldigen, dass wir euch nicht bälder geschrieben haben. Nun finden wir uns veranlasst zu schreiben. Es ist jetzt gerade zwei Jahre, wie ihr es wohl auch wisst, dass unsere liebe Mutter heimgegangen ist zu ihres Herrn Freude, und wir wollen ihr gerne ihre Ruhe können[1] , aber es schmerzte uns doch jedesmal, wenn wir nur daran denken, denn wenn man Vater oder Mutter verliert, so hat man viel verloren, und wenn sie auch schon alt sind, denn sie sorgen, arbeiten und beten für ihre Kinder, wenn sie es auch schon groß erzogen haben. Ja, wie oft hat unsere liebe Mutter gesagt, sie gehe nicht zu Bette, außer sie habe gebeten[2] und ein jedes ihrer Kinder dem Herrn anbefohlen, auch den Adam in fernen Lande, und habe ihn auch in das Gebet mit eingeschlossen, was sie oft zu uns sagte und uns noch ermahnte in ihren letzten Tagen, dass wir auch beten sollen, wenn sie nicht mehr bei uns sei, und sollen besonders den Georg und die Chatarine in das Gebet mit einschließen, weil diese besonders viel verlieren, wenn sie gestorben sei.
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Was uns nun sonst anbelangt, so sind wir alle gesund und wohl. Der Vater ist besonders noch gesund in seinen alten Tagen und kann zu seinem Alter noch ziemlich gut fort. Gott sei es gedankt. Er ist noch immer in der neuen Gasse, und die Christiane und ihr Mann, der Johannes, bei ihm in seinem Haus, und der Georg und die Chatarine und Magdaline auch. Der Johannes hat 1 Kind, ein Mädchen, 10 Jahre alt mit Namen Christiane. Er ist noch im Wette-Hof. Der Wilhelm ist noch bei unserem Hanzerg-Vetter im Haus. Er hat 2 Kinder, zwei Buben mit Namen Joseph, 6 Jahre alt, und Wilhelm, 3 Jahre. Die Christiane hat auch 2 Kinder, 1 Mädchen, 4 Jahre, mit Namen Christiane, und einen Buben mit Namen Adam, 4 Wochen alt. Nun wollen wir euch auch etwas mitteilen von dem verflossenen Jahr, wie wir eine Ernte hatten. Heu gab es ziemlich und gut, aber mit der Ernte ist es nicht ausgefallen, wie wir hofften und sahen. Es war alles schön herangewachsen, so schön als wir es nur wünschten, bis etwa 6 Wochen vor der Ernte <,da> kam ein schweres Wetter und richtete sehr großen Schaden in unserem Feld an. Die Gerste und der Hafer haben wieder frisch ausgeschlagen, und die Frucht kam gottlob wieder zu ihrer Reife nur etwa 14 Tage später zur Ernte, aber das Kornfeld war schon in den Ähren und hat dann nimmer ausgeschlagen, und somit haben wir sehr wenig Korn bekommen.
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Und wir brauchen 30 bis 50 und 60 Garben zu einem Scheffel Korn, und dann ist es eben noch sehr leicht, und ein mancher Hausvater sah seine Kinder mit ängstlichen Blicken an und sprach: "Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit nehmen wir unsere Kleidung?" Aber die Gerste und der Hafer haben sich wieder recht schön erholt, dass man in der Ernte nichts mehr davon sah, und wir können Gott nicht genug dafür danken. Der Herbst ist auch nicht so reichlich ausgefallen. Kein Obst haben wir gar nicht bekommen. In unserem großen Zehnten hat man können beinahe keinen Eimer Most machen, doch hat man können kaufen. Es kam von der Eisenbahn aus der Schweiz, aber es kostete viel Geld - der Sack kam von 6 bis 7 Gulden. Der Wein ist auch schlecht geraten und hat sehr wenig gegeben. Die Kartoffel ist so mittelmäßig ausgefallen, aber recht fest zum Essen und nicht gut. Sie sieden nicht auf. Wir stehen aber im ganzen genommen in keiner schlechten Zeit. Es hat alles seinen Verkehr, und ein jeder, wo schaffen will, kann einen großen Verdienst bekommen und viel Geld verdienen, und es geht Handel und Gewerbe vom großen bis zum kleinen, und ein jedes Kind kann bei uns Geld verdienen, aber die Ausgaben sind auch viel größer wie früher. Es ist alles viel teurer. Besonders ist es ganz anders mit der Kleiderpracht, da kommt alles nobel daher, und wenn man einen nicht von Person kennt, so tut man vor vielen die Kappe herunter, der vielleicht vor etlichen 15 oder 20 Jahren das Bettelbrot gegessen hat, und <es> ist kein Unterschied zwischen Arm und Reich, und am Sonntag sind alle Wirtshäuser voll von lauter Geschäftsleuten und Handwerksleuten.
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Nun wäre unser Wunsch, dass ihr diesen Brief erhalten würdet, dann könntet ihr ihn bekommen bis Weihnachten, denn der Vater möchte euren Kindern seinen Enkeln, ein kleines Christgeschenk machen, dass er sie auch noch mit etwas erfreuen könnte in seinen alten Tagen und sie ein Andenken von ihm hätten. Aber kein Kleidungsstück oder mit sonst etwas kann er sie nicht beschenken, wie gerne er's täte, weil es zu umständlich wäre und die Unkosten würden zu groß. Deswegen übersendet er ihnen ein kleines Papier Geld, ein amerikanisches Stück im Werte mit 7 Gulden und 30 Kreuzer. Er hat es eingetauscht von unserem Kaufmann, von des [illegible] Söhnen, denn diese sagten, das könntet ihr am sichersten bekommen. Jetzt könnt ihr ihnen für den Wert selbst etwas kaufen zum Andenken und könntet dann uns auch wieder berichten, ob es dieser Wert bei euch war. Und so ihr uns wieder schreiben tut, so möchte der Vater auch von euren Kindern, wenn sie schon können, auch ihre Handschrift sehen auf Deutsch oder Englisch, wie sie's können, und wenn es bloß ihr Name wäre. Und es wäre des Vaters und unser aller Wunsch, dass ihr auch auf Besuch zu uns kommt und wir miteinander auch noch einmal mündlich sprechen könnten. Sonst gibt es nichts in unserer Freundschaft.
Nun müssen wir zum Schluss kommen und unser Schreiben schließen mit vielen herzlichen Grüßen von Vater und Geschwistern, Schwager und Schwägerinnen, Freunden und Bekannten. Wir wünschen eine baldige Antwort.
Schreibt uns bald.
Johann Wilhelm Zimmermann in Köngen, Bauer
Schreibt uns auch wieder eine Adresse [ ... ]5 ihr Courtland, Rockford, Lapkam. ville ob diese drei Namen eins ausweisen



