Sammlung: Crede Family Papers

Verfasser:

Clothilde Schröder (Crede)

Therese Crede (Winhold)

Empfänger: Hermann Carl Crede

Bezeichnung: Brief an Hermann Crede von seiner Mutter Clothilde Crede und seiner Schwester Therese Crede, 25. Juli 1875. Hermanns Mutter und Schwester werfen ihm vor, dass er ihnen seit über einem Jahr keinen Brief geschrieben hat; Therese teilt ihnen mit, dass sie mit einem Mann namens Rudolph Winhold verlobt ist.

Clothilde Crede und Therese Crede an Hermann Crede, 25. Juli 1875

Original text

[page 1, 1st author:]

den 25 Juli 1875

Mein lieber Hermann!

Entlich nach einem ganzen Jahr bekommen wir ein Brief von Dir wofür ich besten danke es ist aber nicht recht von Dir, uns so zu vernachlesigen, u bitt schreib jetz mehr Du weist ja nicht wie lange Du noch an Dein Eltern schreiben kannst._ mit meiner Gesundheit geht es jetz etwas besser, aber ich bin eine alte Frau u da ist nich viel mehr zu hoffen, nun wie Gott will so ist es gut. Es wird mir recht schwehr mich von Therese zu trennen, u doch darf ich Sie nicht länger abhalten Sich zu verloben da Sie keine Alte jungfer werden wollte._ Nun was machen Deine Söhne Karl, John, William, Adophf, Hermann. Es müssen jetzt recht tüchtige Knaben sein schreib mir etwas über jeden Karl wird imm 16 Tage schon 16 Jah alt wie alt in Andern sind weis ich nicht mehr aber Karl vergeß ich nicht. Es freut mich daß Du imer mit solchen Ämter betraut bist, es ist diß mir ein Beweiß, das Du ein tüchtiger Mann bist und Du kanst Dich auch Deiner Kentnisse verwerten es ist doch gut wen man in der Jugend recht lernt u daß hast Du gethan_ ich wünsche Dein Söhnen hatt auch dazu Gelegenheit. Wie sind denn dießes Jahr die Ernten ist es besser wie vor Jahren: o mein lieber wen Ihr nur recht für Eure viele Mühe u Arbeit belohnt würdet. Wir haben hier ein recht nassen nach Sommer u da wird wohl hier alles wieder recht teuher werden aber auch wen wir eine recht gut Ernte habe so werden wier doch geprelt[1] es ist jetz ube all Nod.

[page 2:]

Nun mein liebe Herm lebe rechtwohl grüße u küsse mir Deine Söhne u sei auch Du herzlich geküßt von Deiner Dich liebende Mutter. Schreibe recht recht bald einen langen Brief_

[page 2, 2nd author:]

Mein lieber [roman:] Hermann! [/roman]

Eigentlich sollte ich Dir gar nicht schreiben, denn ich bin sehr böse mit Dir, wie lange hast Du uns wieder auf einen Brief warten lassen, ist das Recht? wenn Du wüßtest wie sich die guten Eltern absorgen, wenn Dein Brief so lange aus bleibt, so würdest Du gewiß nicht immer so lange zögern und wohl einmal mehr schreiben._ Ich hoffe und wünsche daß Du Dich besserst und von nun an recht oft schreibst, hast Du nicht viel Zeit so schreibe ein paar Zeilen daß schickt._ Gewiß wirst Du Dich wundern zu erfahren daß ich mich verlobt habe, und zwar mit [roman:] Rudolph Winhold [/roman] Eisenbahn-Assistent zu [roman:] Straßburg i/E. [/roman] er ist der Sohn eines alten Freundes von Papa, der Mann ist Dir gewiß noch bekannt. Meine Hochzeit wird wohl im Frühjahr sein, ich werde Dich dann einladen und ich hoffe daß Du der Einladung Folge leisten wirst._ Leben wohl mein l. [roman:] Hermann [/roman] sei tausend mal gegrüßt und geküßt von Deiner Dich innig liebenden [roman:] Therese [/roman].

Anmerkungen

  1. ^ "geprelt", oder "geprellt" = "betrogen"