Sammlung: Crede Family Papers

Verfasser: Therese Crede (Winhold)

Empfänger: Hermann Carl Crede

Bezeichnung: Brief von Therese Crede an ihren Bruder Hermann Crede, 28. September 1885.

Therese Crede an Hermann Crede, 28. September 1885

Original text

[roman:] Cassel [/roman] den [roman:] 28./9. 1885. [/roman]

Mein herzliebstes [roman:] Mätzchen! [/roman]

Deine lieben Briefe _ einen aus [roman:] Bremen [/roman] den anderen aus [roman:] England [/roman]_ habe ich erhalten und danke herzlich dafür._ Wie weh mir der Abschied von Dir, ein lieber [roman:] Hermann [/roman], gethan hat, kannst Du Dir gar nicht denken, meine Gedanken sind immer bei Dir & möchte ich wohl wissen, ob Du an Dein [roman:] Rösel [/roman] so viel denkst._ Vergiß mich ja nicht, mein liebstes Herz, wie lieb ich Dich habe weißt Du ja & wie glücklich mich der Gedanken

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Gedanken macht, daß auch Du mich recht lieb hast, glaubst Du gar nicht. Für all Deine Liebe & Güte die Du mir während Deines hier seins, erwiesen hast, sage ich Dir, mein liebster [roman:] Hermann [/roman], meinen innigsten Dank. Dieser Sommer, in dem ich das Glück hatte einen Bruder zu haben, war die glücklichste Zeit meines Lebens, wenn der Abschied von Dir auch viel Thränen gekostet & ach mir so viel weh bereitet hat, so macht mich doch der Gedanke Dich diesen Sommer hier gehabt zu haben & Dich so recht von Herzen lieben zu können, sehr glücklich. Nur

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Nur des Abends thut mir mein Herz so weh ich bin so allein, mein [roman:] Mätzchen [/roman] ist so weit, weit von mir._

Diese Woche bin ich sehr fleißig gewesen, wir haben Gardinen gewaschen & früchterlich rein gemacht, es ist aber nun auch alles sehr schön bei uns.

Gestern war ich mit [roman:] Ada [/roman] bei Onkel [roman:] Curt, Emilie &[/roman] Gatte sind noch da & lassen sie Dich alle herzlich grüßen, besonderst Onkel [roman:] Curt. [/roman] Auch [roman:] Hedwig [/roman] läßt bestens grüßen, sie war heute hier, [roman:] Wilhelm [/roman] ist in [roman:] Dresden [/roman] um die Erbschaftsangelegenheiten zu ordnen. [roman:] Papa [/roman] hat wieder Hüften & klagt früchterlich[1]

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es wird mir ganz angst, wenn [roman:] Papa [/roman] so klagt, ich wollte lieber den Hüften haben. [roman:] Mama [/roman] geht es gut, nur ist sie immer noch sehr traurig. [roman:] Ada [/roman] hat Ferien & auch eine gute C ensur mitgebracht, sie spricht noch den ganzen Tag von ihrem lieben Onkel._

Für Onkel [roman:] Curt [/roman] habe ich heute zum Geschenk eine Hängelampe gekauft, hoffe & wünsche, daß sie seinen allenhöchsten Beifall hat._ Von [roman:] Adelheid [/roman] habe ich noch nichts wieder gesehen & gehört._ Wie sehr werden sich Deine Frau & Kinder freuen, wenn Du wieder bei ihnen bist, grüße sie alle herzlich von mir. Leben wohl, mein Liebling sei tausendmal gegrüßt &

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geküßt von Deiner Dich innigliebenden [roman:] Therese. [/roman]

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[roman:] Papa, Mama & Ada [/roman] lassen Dich herzlich grüßen._ [/roman]

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Anmerkungen

  1. ^ "früchterlich" = "fürchterlich"