Sammlung: Raster Family Letters
Verfasser: Hermann Raster
Empfänger: Askan Raster
Bezeichnung: Brief von Hermann Raster an seinen Bruder Askan Raster, 15. Juni 1855.
Hermann Raster an Askan Raster, 15. Juni 1855
Original text
[roman:] New York [/roman], 15. Juni 1855
Lieber Bruder
Aus dem Ausbleiben der Antwort auf meinen Brief vom 2. Mai, den Du am 16. erhalten haben mußt, da mir die Nationalzeitung bereits unterm 19. Mai geantwortet hat, ersehe ich, daß es Dir nicht gelungen ist, mein (beiläufig gesagt sehr sauer verdientes) Geld von [roman:] Katz [/roman] zu erlangen u. will ich nur wünschen, daß Du in diesem Falle den Auftrag wegen des Inserates in der Magdeburger Zeitung ausgeführt hast. Ich hoffe, mit einer der nächsten Posten einen Brief von Dir zu erhalten. In= dessen will ich die Katz’sche Angelegenheit nicht so lange ruhen lassen. In der That empört mich die gemeine Schufterei dieses Lumpen noch mehr, als mich der Verlust von $55 genirt, obschon ich natürlich auf eine solche Summe, vor nachdem ich seit Jahr u. Tag darauf gerech= net habe, vorzüglich bei den jetzt hier herrschenden [roman:]hard times[/roman] nur sehr ungern u. schwer entbehre. Ich bin fest entschlossen, diese Sache aufs Äußerste zu treiben, wäre es auch nur, um jenem elen= den Spitzbuben zu zeigen, daß er selbst auf die Entfernung von 3000 Meilen hin eine Betrügerei nicht ungeahndet vollführen kann. Auch nicht einmal von [roman:] Elze [/roman] habe ich bis jetzt eine Antwort erhalten, obschon ich doch von diesem in keinem Falle etwas Ande= res beansprucht hätte, als eine Entschuldigung. Der letzte Dampfer, der hier angekommen, hat [roman:] Liverpool [/roman] am 2. Juni verlassen, [roman:] Elze [/roman] hätte also beinahe 14 Tage Zeit zur Antwort gehabt.– Daß er in dieser Zeit nicht an mich geschrieben macht ihn zum Mitschuldigen an der
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Katz’schen Spitzbuberei.
Ich beabsichtige nunmehr den [illegible] Katz gerichtlich zu ver= klagen u. habe zu diesem Zwecke den inliegenden Brief an [roman:] August Köppe [/roman] in Dessau geschrieben. Ich lege Dir diesen, so wie den Brief an Elze deshalb bei, damit Du, im Falle vor dem Eintreffen des Gegenwärtigen doch wider alles Erwarten die Auszahlung des Geldes erfolgt sein sollte, Du die beiden Briefe zurückhalten kannst . – Ich vermuthe, daß Dir Katz gar nicht geantwortet haben wird; die Canaille glaubt, daß ich in der Entfernung in welcher ich mich von ihr befinde, keine Waffen gegen sie in Händen habe. Dieser Staar soll ihm gestochen werden. Selbst wenn [roman:] Köppe [/roman] Nichts mit der Sache sollte zu thun haben wollen, so werde ich Mittel finden, um den Gauner wenigstens moralisch zu züchtigen.
Meine Erbitterung wird Dir verständlich sein, wenn ich Dir sage, daß ich die Preise für meine Beiträge zur Atlantis wegen des Geheules, was Elze über die prekaire Lage des Unternehmens anstimmte, freiwillig auf ein solches Minimum herabgesetzt habe, daß jeder Mensch mich auslachen würde, wenn ich ihm nur sagte, um welchen Preis ich für den Kerl gearbeitet. Nach allermäßigster Schätzung war die Arbeit, die ich ihm geliefert, min= destens für $120. Ich weiß sehr gut, welchen Werth literarische Arbei= ten, sogar in Deutschland haben u. weiß namentlich, welche Preise nur von anderen Seiten bereits b bezahlt sind.
Also noch einmal: schicke die Briefe sofort an ihre Addresse, wenn nicht, bevor Du sie erhältst, [roman:] Katz [/roman] sich entwickelt hat.
Freundlichen, brüderlichen Gruß von mir u. meiner Frau an Dich und die Unsrigen.
Dein treuer Bruder
[roman:] Hermann Raster [/roman]
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P.S. Wenn zu der Zeit, wo Du diesen Brief erhältst, bereits die Honorarsendung erfolgt sein sollte, so verbrenne die beiden inliegenden Briefe; andernfalls kouvertire sie und gieb sie auf die Post.
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