Sammlung: Raster Family Letters
Verfasser: Hermann Raster
Empfänger: Askan Raster
Bezeichnung: Brief von Hermann Raster an seinen Bruder Askan Raster, 30. Oktober 1856.
Hermann Raster an Askan Raster, 30. Oktober 1856
Original text
[roman:] New York [/roman], 30. October
Lieber Bruder
Nur in wenigen Zeilen – denn meine Zeit ist ent=setzlich durch die in einigen Tagen stattfindende Wahl in Anspruch genommen – will ich Dir für die freundliche Besor=gung meiner Geldangelegenheit danken. Unmittelbar nach Em= pfang des Wechsels bescheinigte ich dir [strikethrough:] den Emfan [/strikethrough] denselben in zwei oder drei stenographischen Worten auf jedem der Umschläge von 8 Zeitungsblättern, die ich Dir mit dem letzten Bremer Dampfschiff am 6. Se Okt. von hier zu schickte. Ich hoffe Du wirst sie erhalten u. die Worte darauf gefunden haben. Es thut mir leid, daß Du mir nicht die Auslagen berechnet hast, die Dir die Geschichte ohne Zweifel gemacht hat. Ich werde mich auf eine oder die andere Art zu revanchiren suchen.
In der Nummer der Abendzeitung vom 5. Okt. hast Du auch die Notiz über Aussetzung des Erbprinzen von Dessau aus Deinem Briefe an mich abgedruckt finden können. Es waren in der Correktur 1 oder 2 recht alberne Druckfehler stehen geblieben.
Zu Ich gratuliere Dir herzlich zu Deinem morgenden, oder vielmehr heutigen Geburtstage; denn indem ich dies, eine halbe Stunde vor Mitternacht schreibe, ist es bei Dir schon halb 6 Uhr Morgens.
Noch habe ich Dir eine kleine Familien-Nachricht mitzu=theilen. Am 21. d. M. bist Du zum Onkel einer kleinen eingeb=orenen Amerikanerin Namens Mathilde Raster geworden. Mutter u. Kind befinden sich wohl. Die erstere ist schon seit meh=reren Tagen wieder auf; das letztere schreit als wollte es sich zur Cammersängerin bilden
Von Sophie habe ich noch immer keine Antwort auf meine Sendung, die sie doch schon am 14. April erhalten hat. Du brauchst es ihr nicht zu verhehlen, daß ich sowohl als Bertha darüber ernstlich böse sind.
Daß mit Gast gar Nichts anzufangen sei, schreibt mir auch Köppe, fügt indeß den Trost hinzu, daß Hoffnung vorhanden sei, er werde die Vormundschaft aufgeben. Ich glaube an Nichts mehr, was der Kerl sagt.
Freundlichen Gruß von Deinem Bruder Hermann
Herrn Ascan Raster pr. Addr. M.S. Meyer Magdeburg Steinstraße 1. [in pencil] fur H.R. 1850


