Sammlung: Weinhardt Family Letters

Verfasser: John V. Weinhardt

Empfänger: William W. Weinhardt

Bezeichnung: Brief von John V. Weinhardt an seinen Cousin, William W. Weinhardt, 12. Juni 1924.

John V. Weinhardt an William W. Weinhardt, 12. Juni 1924

Englischer Text

Original text

Windsheim, den 12. Juni 1924.

Deutschland-Bayern.

Lieber Onkel u. Tante!

Vergebends warteten wir auf eine Antwort von Dir auf unseren letzten Brief. Wie geht es Dir lieber Onkel und Deinen lieben Angehörigen? Bei uns ist alles wohlauf und gesund und hoffen das gleiche auch von Euch. Auch geht es uns jetzt wieder ganz leidlich wohl. Wenigstens bleiben die Preise jetzt gleich und steigen nicht von Tag zu Tag wie im ver- gangenen Herbst. Bloss das Geld ist jetzt sehr knapp. Die Fabriken können nicht mehr ganz Ihre Angestellte und Arbeiter auszahlen, weil auch da [strikethrough:] es [/strikethrough] das Geld knapp ist. Viele Fabriken haben schon Konkurs ge- macht oder stehen unter Geschäftsaufsicht. Ich habe zum Beispiel erst die Hälfte meines Maigehaltes bekommen. Aber da kann man nichts machen.

Die 25 $ die ich in New-York aufweisen muss habe ich bis heute noch nicht erhalten und schreibe uns bitte gleich ob Du diese schon abge- schickt hast. Von einer Schiffahrtsgesellschaft erhielten wir bis heute auch noch keine Nachricht und wäre es mir sehr lieb, wenn Du uns die Firma - Namen derselben mitteilen könntest.

Wie Du aus unseren Brief ersehen haben wirst wird die Einreisesperre für Deutsche Staatsangerhörige in Euer Land ab 1. Juli wieder aufgehoben und wird das Visum vom Konsulat in München - Einreiseerlaubnis- schon ab 1. Juni wieder erteilt.

Lieber Onkel schreibe mir auch bitte die Adresse von unseren anderen Onkel in New-York, Strasse etc., dass ich diesen leichter finden kann, wenn ich in New-York aussteige. Wir haben Onkel John in New-York schon am 8. April geschrieben und darin gebeten, er möchte mir behilflich sein, dass ich in den richtigen Zug komme, erhielten aber von ihm bis heute auch noch keine Nachricht.

Lieber Onkel, solltest Du aber nicht mehr Lust haben mich zu Dir komm zu lassen, so nehmen wir Dir dies durchaus nicht übel, denn wir wissen ja selbst, wie viel Geld das alles kostet und welche Last Du Dir mit mir aufbürden würdest, denn ich kann ja nur sehrwenig Englisch. Ich werde mir aber, wenn die Geldverhältnisse wieder bessere sind, Englische Stunden nehmen und vielleicht ist es Dir dann später eher möglich mich zu Dir kommen zu lassen.

Lieber Onkel schreibe uns bitte bald und schreibe uns auch etwas über die Verhältnisse in Eurem Land.

Dein dankbarer Neffe!

Hans Weinhardt

Herzliche Grüsse von meinen Eltern und von meinen Ge- schwistern. Sie lassen viel- mals danken, was du schon für uns getan hast.