Sammlung: Eugen and Emma Klee Letters
Verfasser: Eugen Haas
Empfänger: Eugen Klee
Bezeichnung: Brief von Eugen Haas an Eugen Klee, 7. Oktober 1915. Eugen Haas war der Neffe von Eugen Klee.
Eugen Haas an Eugen Klee, 7. Oktober 1915
Original text
Heuchelheim, 7. X. 1915
Meine Lieben!
Euere lieben Karten, sowie Dein Brief, lieber Onkel, erreichten mich in Speyer. Eure Schreiben erinnerten mich an schöne Zeiten und besonders die Karten riefen alte Erinnerungen wach. Doch jetzt ist nicht die Zeit dazu an glückliche Stunden zu denken, jetzt, wo mein Vaterland von wilden Kriegsstürmen umtobt wird. Da heißt es allen Vergnügungen, ja selbst den Erinnerungen an solche, Lebewohl sagen; da muß alle Kraft zusammengerafft werden, da muß jeder Einzelne nach seinem Können dazubeitragen,
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daß die deutsche Eiche nicht zerschmettert wird. Und sie wird bestehen; denn sie zieht ihre Kraft aus dem Heimatboden und ist - Gottlob - nicht auf fremde Hilfe angewiesen. Im Deutschtum ist alles stark, ehern, eisern und - echt. Kein Firlefanz, keine Heuchelei. Bei uns wird nicht mit Protesten und Versicherungen, nicht mit leeren Worten gesprochen, sondern da wahrt die deutsche Faust ihr Recht und schmettert das Faule, das lug- und trughafte Ottergezücht nieder und dann wird das Wort wahr werden: "An deutschem Wesen wird noch einmal die Welt genesen." Jetzt aber heißt es noch: "Jedem Hasser und Hetzer [end page]
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Tod, der deutsche Erd und Art bedroht." Das Letztere kann sich auch Amerika merken. Es wird einmal die Zeit kommen, wo das Deutsche Reich in "Liebe" seiner gedenken wird. Wären in Amerika nicht die traurigen Dollarjäger, die ihr Kapital in Mordwaffen umsetzen, dann wäre dieser schreckliche Krieg längts zu Ende; denn deutsche Tatkraft und Tapferkeit hätten Deutschlands Feinde längst zu Boden gezwungen. Ihr werdet Euch wundern, meine Lieben, daß ich meinen Idealismus so ganz aufgegeben habe, ja, diese eiserne Zeit lehrt einen die Gefühlsduselei, das Liebäugeln nach fremder Art und fremdem Wesen, endlich abzustreifen. Ich hatte mich z. B. [crossed out:] mit[/crossed out] vor dem
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Verhältnis des Deutschtums zum Ausland viel beschäftigt, wollte auch der Gemeinschaft der . - - , der Du, lieber Onkel, ja auch angehörst, beitreten, doch das Ziel derselben kann nie erreicht werden und wie weit wir davon entfernt sind, das zeigt die jetzige Zeit. Wir Deutsche "mauern" eben anders, wir "mauern" mit eiserner Wehr an unserer "Frei"heit. Daß es da auch ein "Streben" und ein reiches "Arbeitsfeld" für jeden Einzelnen gibt, ist selbstverständlich. Vor so gewaltigen weltgeschichtlichen Ereignissen, die sich jetzt abspielen, muß das eigene "Ich" in den Hintergrund treten.
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Aus Euren lieben Zeilen habe ich ersehen, daß es bei Euch, meine Lieben, gut geht, daß Du, lieber Onkel, Erfolge auf Erfolge häufst und daß Dir Deine liebe Frau in Treue zur Seite steht. Auch habe ich mich darüber gefreut, daß Du für das Deutschtum kämpfst, und fühlst, daß deutsches Blut in Deinen Adern rinnt. Ich selbst habe meine Prüfung jetzt hinter mir, habe das Gefühl, daß ich gut gearbeitet habe und bin z. Z. bei meiner lieben Lisbeth, mich von den Anstrengungen zur Prüfung zu erholen. Am 15. Okt. beginnt mein Dienst wieder und hoffe ich bis dahin wieder auf dem Damm zu sein. Die Musterung, in welcher
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über mein Militärverhältnis völlig entscheiden wird, hat noch nicht stattgefunden. Zur Zeit bin ich immer noch beurlaubt. Es ist an Lehrern auch wirklich großer Mangel. Von ungefähr 200 Leuten der Prüfungsjahrgänge 1914 u. 1915 haben nur 20 die Prüfung gemacht. Letztere war ziemlich schwer, trotzdem es so sehr an Lehrern fehlt. Habe leider die Themen zur schriftlichen Prüfung nicht bei mir, teile [crossed out:] Dir [/crossed out] Euch aber dieselben später mit. Ich bin froh, daß ich diese anstrengende Zeit hinter mir habe und mit mir freut sich auch meine [?]liebe[/?] Lisbeth; denn [end page]
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auch sie sieht den Zeitpunkt näher heranrücken, wo ihr Herzenswunsch, ganz mein zu sein, erfüllt wird. Voraussichtlich werden wir an Weihnachten unsere Verlobung veröffentlichen. Du hast meine Liebe mehrmals in Deinen Briefen erwähnt, lieber Onkel, und scheinst ihr böse zu sein, daß sie nicht an Dich schreibt. Aber was soll sie schreiben? Du und Tante seid ihr ja noch ganz fremd und in ein verwandtschaftliches Verhältnis tritt sie ja erst zu Euch durch unsere Verlobung. Sie möchte gern einen schönen Brief schreiben, aber wie neue Mädchen einmal sind, da weiß sie schon nicht welche Anrede setzen. Wir haben schon manchmal
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darüber gelacht. Eine Karte hat Lisbeth an meine liebe Tante ja geschickt und ein Brief an Euch wird sie nun folgen lassen. Ich muß nun leider diesen Brief beenden; denn da derselbe durch die Prüfungsstation geht, darf man den beschäftigten Leuten nicht zu viel Arbeit zumuten. Die Zeitungen von denen Du, lieber Onkel, schreibst, habe ich noch nicht erhalten. Deinem Briefe lag aber ein Zeitungsausschnitt bei, auf welchem von Eurem Ferienaufenthalte berichtet wird.
In alter Liebe und Treue bin ich mit treudeuschem Gruß und Kuß
Eurer dankb. Eugen






